Per Video-Zeremonie

Miesbach besiegelt Partnerschaft mit Marseillan in Frankreich

Gerhard Braunmiller im Waitzinger Keller vor Leinwand
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Gerhard Braunmiller freut sich über die Städtepartnerschaft mit Marseillan in Frankreich, deren Vertreter inklusive Ingrid Pongratz (r.) per Video in den Waitzinger Keller zugeschaltet waren.

Miesbach – Jetzt ist auch die Kreisstadt verbandelt. Miesbach und Marseillan in Frankreich haben ihre Partnerschaft besiegelt.

Es dürfte eine Zeremonie mit Seltenheitswert gewesen sein, vielleicht sogar die erste dieser Art weltweit: Am Tag der Deutschen Einheit besiegelten die Städte Miesbach und Marseillan feierlich ihre Partnerschaft – allerdings nicht in direktem Beisammensein, sondern über eine Video-Schaltung, die in Coronazeiten die 1100 Kilometer Distanz überbrücken half.

Bürgermeister Gerhard Braunmiller begrüßte im Saal des Waitzinger Kellers seine Stellvertreter sowie Stadträte, Vertreter von Behörden und Vereinen in original Miesbacher Tracht und blickte auf einen gut gefüllten Saal. Sein Amtskollege Yves Michel hatte wegen der strikteren Regeln in Frankreich lediglich vier Mitstreiter im Hochzeitssaal des Rathauses zur Seite, darunter auch eine Miesbacherin: Neben dem Partnerschaftsbeigeordeneten Ludovic Fabre, der Jugendbeigeordneten Anne-Mary Michel-Kelly und Initiator Conny Knoben saß die ehemalige Miesbacher Bürgermeisterin Ingrid Pongratz mit am Ratstisch. Sie fungiert als Patin der Partnerschaft.

In ihren einleitenden Worten gaben beide Rathauschefs ihrer Freude Ausdruck, die Unterzeichnung trotz der besonderen Umstände vollziehen zu können. Dolmetscherin Verena Walter übertrug dabei den französischen Part simultan ins Deutsche.

Es folgte die Präsentation zweier kurzer Imagefilme, die unkommentiert Gesicht, Leben und Traditionen der beiden neuen Partner zeigten. Für Miesbach waren das die malerische Altstadt, Berge im Wandel der Jahreszeiten, Wiesen mit grasendem Fleckvieh ebenso wie die traditionelle Tracht, Handwerk und Feste. Marseillan, der Badeort an der Mittelmeerküste, zeigte neben einem Panoramaschwenk über den Ort seinen malerischen Hafen mit Leuchtturm, Segelboote und Flamingos, Fischer bei der Arbeit und beim „Fischerstechen“. Auch ein Weinkeller mit riesigen Fässern war zu sehen – neben der Austernzucht gehört der Weinbau zu den traditionellen Erwerbszweigen.

„Ich freue mich über unsere Partnerschaft, denn Städtepartnerschaften sind gelebte Völkerfreundschaft“, sagte Braunmiller. Diplomatie sei nicht nur eine Sache von Außenpolitikern und Diplomaten, die am Grünen Tisch betrieben werde, betonte er. Vielmehr seien die Bürger der einzelnen Kommunen die eigentlichen Botschafter. Zwar spreche man nicht dieselbe Sprache, doch den Begriff „Sprachbarriere“ im Sinne einer trennenden Hürde lehne er ab, erklärte er. Eine Fremdsprache könne man erlernen und erlange dadurch Zugang zu Leben und Kultur anderer Länder und Menschen: „Wenn man neugierig ist auf Andere, muss man die Sprache lernen“, betonte der Bürgermeister und gab der Hoffnung Ausdruck, dass viele davon in Zukunft Gebrauch machen werden. Er freue sich auf die Gastfreundschaft der Partnerstadt und darauf, diese erwidern zu dürfen, sagte Braunmiller und schloss: „Hier entsteht ein Band der Freundschaft, es liegt aber auch an uns, das zu stärken.“

Sobald die Umstände es erlaubten, wolle man sich treffen, betonte auch Michel: „Wir sind schon sehr gespannt, die Sehenswürdigkeiten und Annehmlichkeiten Ihrer schönen Stadt kennenzulernen.“ Zugleich machte er seine Freude darüber deutlich, dass Marseillan mit Miesbach nach drei bereits bestehenden Partnerschaften nun auch die erwünschte Beziehung zu einer deutschen Partnergemeinde knüpfen konnte. Diese Partnerschaften seien ein wichtiger Beitrag zu Verständigung und Frieden, betonte Michel und schloss mit dem Ausruf „Es lebe Miesbach, es lebe Marseillan, es lebe Europa!“

Nach einem Schuhplattler folgte als Höhepunkt die Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages. Zu den Klängen der Miesbacher Musikanten wurde dann auf die Besiegelung angestoßen: Marseillan und Miesbach prosteten sich mit Rotwein und Weißbier zu – in T-Shirts mit dem Aufdruck „Miesbach 2020 Marseillan“. ger

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