17 Jahre in Miesbach im Amt

So hat Ingrid Pongratz ihre Zeit als Bürgermeisterin erlebt

Bei ihrem rund eineinhalbstündigen Rückblick berichtete Ingrid Pongratz nicht nur von Höhepunkten, sondern auch von belastenden Themen ihrer Amtszeit.
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Bei ihrem rund eineinhalbstündigen Rückblick berichtete Ingrid Pongratz nicht nur von Höhepunkten, sondern auch von belastenden Themen ihrer Amtszeit.

Miesbach –  Merkel und Gauck sind zu Gast gewesen und vieles mehr. Beim Neujahrsempfang blickte Ingrid Pongratz auf ihre Zeit als Bürgermeisterin zurück.

Fast 17 Jahre lang hat Ingrid Pongratz als Bürgermeisterin die Stadt Miesbach gestaltet. Nun steht das Ende ihrer Amtszeit bevor, bei den Wahlen im März kandidiert sie nicht mehr. Den Neujahrsempfang nahm Pongratz deshalb zum Anlass, über Aktuelles zu informieren und auf ihre Zeit als Rathaus­chefin zurückzublicken.

So erinnerte sie ausführlich an viele politische Projekte und kulturelle Ereignisse in Miesbach, die sich seit ihrem Amtsantritt 2003 getan haben. Darunter die Feierlichkeiten zur Ersterwähnung Miesbachs vor 900 Jahren, die 2014 auch vom damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck besucht wurden. Zwei Jahre zuvor gab sich zudem Bundeskanzlerin Angela Merkel die Ehre in Miesbach. „Diese Besuche haben mich schon stolz gemacht“, sagte Pongratz.

2018 wurde wieder gefeiert: 150 Jahre Freiwillige Feuerwehr Miesbach und 100 Jahre Stadterhebung. Den großen Festzug verfolgte damals auch Ministerpräsident Markus Söder. „Miesbach ist in meinen Augen ein Juwel in Sachen Kultur, man muss dieses nur erkennen!“ Für die Jugend wurde der Haindlkeller als Kulturtreffpunkt ausgebaut und 2013 eröffnet. Auch die Stadtbücherei erhielt 2015 zum 50-jährigen Bestehen eine Verschönerungskur. Viel Applaus gab es aus dem fast voll besetzten Waitzinger Saal außerdem für die Bemühungen der Stadtspitze, Miesbach als Schulstadt zu erhalten.

Flüchtlingskrise 2015: Asylbewerber auf der Waitzinger Wiese

Gut erinnern kann sich Ingrid Pongratz auch heute noch an die Ängste mancher Bürger, als 2015 zahlreiche Asylsuchende in Containern auf der Waitzinger Wiese und in der Berufsschulturnhalle untergebracht wurden. „Doch dank der großartigen Unterstützung der Helferkreise, hier zu nennen Max Niedermeier und Inge Jooß, kam es in Miesbach nur sehr selten zu Ausschreitungen. Auch euren Mitstreitern ein herzliches Dankeschön!“

Auf belastende und heikle Themen wie den Hochwasserschutz in Bergham und Kleinthal sowie manche Straßenbauprojekte, insbesondere die Brückensanierungen, blickte die Bürgermeisterin ebenfalls zurück. Während ihrer Amtszeit entstanden außerdem der Hochbehälter am Harzberg, der heutige Hagebau- sowie der Aldi- und Rewe-Einkaufsmarkt im nördlichen Gewerbegebiet und das Oberlandcenter auf dem ehemaligen Ladebahnhof, um nur einige Projekte zu nennen. Auch das Rathaus erhielt 2009 ein zeitgemäßeres Gesicht. Während das Dach neu eingedeckt wurde, arbeiteten Maurer und Maler damals unentgeltlich und die Stadt bekam ein neu verputztes und gestrichenes Rathaus geschenkt. „Diese Freude, die mir hier zuteil wurde, werde ich nie vergessen.“

Auch für den Verbleib des Zuchtverbands für oberbayerisches Fleckvieh in Miesbach machte sich die Stadtspitze stark. Schließlich brach Pongratz noch eine Lanze für die Landwirte. „Für unser Alpenvorland ist es von immenser Bedeutung, unsere Landwirte zu stützen und sie zu motivieren, die Landwirtschaft weiter zu betreiben. Es muss ein Umdenken stattfinden“, forderte sie. „Leider fokussiert sich unsere heutige Gesellschaft auf die Schreier und nicht auf diejenigen, die ordentliche Arbeit leisten und keine Zeit haben, sich dementsprechend bemerkbar zu machen.“ Dafür erhielt die Bürgermeisterin donnernden Beifall. Beim Blick auf die Finanzen der Stadt konnte Pongratz von einem fast verdoppelten Haushaltsvolumen im Vergleich zu 2003 berichten. „Wenn man betrachtet, dass die Schulden 2003 um 3 Millionen Euro höher waren als das Haushaltsvolumen, und 2019 die Schulden circa 56 Prozent des Haushaltsvolumens betragen, so ist dies eine erfreuliche Entwicklung.“

Ausblick: Noch viel zu tun in Miesbach für neuen Bürgermeister

„Auch in Zukunft gibt es noch viel zu tun“, sagte Pongratz und gab einen Ausblick auf die Themen und Vorhaben, denen sich der neu gewählte Stadtrat samt Bürgermeister oder Bürgermeisterin ab Mai werde widmen müssen, darunter die weiteren Planungen des Markt- sowie des Bahnhofplatzes und der Um- oder Neubau des Bahnhofs. „Ich bin dankbar, dass ich meiner Heimatstadt fast 17 Jahre dienen durfte. Mit Sicherheit habe ich meine Fehler gemacht und bin auch dem einen oder anderen auf die Füße getreten. Doch allen Menschen Recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann“, sagte Pongratz, die ihre letzte Amtsperiode als zum Teil mühsam und unerfreulich bezeichnete. Dennoch habe sie ihre Zeit als Bürgermeisterin ausgesprochen lehrreich und ergebnisorientiert gesehen – keinen Tag wolle sie missen.

Nach guten Wünschen für das Jahr 2020 schloss die scheidende Rathauschefin ihre Rede mit dem Zitat: „Niemand weiß, was er kann, wenn er es nicht versucht.“ Das Publikum dankte ihr mit großem Applaus und stehenden Ovationen, die Pongratz sichtlich rührten. Auf ihren ausdrücklichen Wunsch spielte die Band „Swing it Up“, den Casablanca-Klassiker „As Time Goes By“, bevor der offizielle Teil des 27. Neujahrsempfangs der Stadt feierlich mit der Bayernhymne beschlossen wurde und in den gemütlichen Teil überging, der Weißwurstbrotzeit in den Gewölben. sko

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