Auch sechs Räte scheiden aus

Miesbachs Bürgermeisterin erhält gutes Zeugnis in ihrer letzten Stadtratssitzung

Am Donnerstag hat Ingrid Pongratz zum letzten Mal als Bürgermeisterin an ihrem Schreibtisch im Miesbacher Rathaus Platz genommen.
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Am Donnerstag hat Ingrid Pongratz zum letzten Mal als Bürgermeisterin an ihrem Schreibtisch im Miesbacher Rathaus Platz genommen.

Miesbach – Mit einem lachenden und einem weinenden Auge hat sich Miesbachs langjährige Bürgermeisterin Ingrid Pongratz im Stadtrat verabschiedet.

Eine gehörige Portion Wehmut schwingt schon mit. Das ist zu spüren, als Ingrid Pongratz zu einer kleinen Abschiedsrede ansetzt. Bereits beim Neujahrsempfang hatte sie ausführlich auf ihre 17 Jahre als Bürgermeisterin zurückgeblickt. In ihrer letzten Stadtratssitzung, die wegen der Corona-Krise im Saal des Waitzinger Kellers stattfand, verabschiedete sie dann nicht nur die ausscheidenden Gremiumsmitglieder. Es war auch das eigene Servus und Adieu der frankophilen Miesbacher Rathauschefin nach 6.135 Tagen im Amt.

Ein Abschied falle immer schwer, und so gehe sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Pongratz ist neugierig auf die Freiheit, „die ich seit dem 25. Lebensjahr nicht mehr hatte“. Pongratz ist Maschinenbauingenieurin, war selbständig, wurde 1996 in den Stadtrat gewählt. 2003 bewarb sie sich um die Nachfolge für den überraschend verstorbenen Bürgermeister Gerhard Maier. Und setzte sich bei der Wahl durch.

Nun bezeichnet Pongratz es als Ehre, der Stadt gedient haben zu dürfen. Gleichwohl tue es nun auch gut, Verantwortung und Verpflichtung abzugeben, sagte sie in die Runde der mit gebührendem Abstand zueinander sitzenden Räte. Ihnen wünschte sie alles erdenklich Gute sowie guten Zusammenhalt im künftigen Stadtrat.

Dass dem neuen Gremium sowie ihrem Nachfolger Gerhard Braunmiller ein schwieriger Start bevorsteht, ist offensichtlich. Der Käfer (ALB), Corona und Co. stellen die Stadt vor große Herausforderungen, umso mehr wird das Miteinander gefragt sein. Pongratz wünscht ihren – jetzt ehemaligen – Ratskollegen, dass sie trotzdem „gemeinsam Beschlüsse fassen, die unsere Stadt voranbringen“.

Dass sie selbst sich immer für das Wohl Miesbachs eingesetzt habe, brachte in den Abschiedsworten der Fraktionen nicht nur CSU-Sprecher Franz Mayer zum Ausdruck. Als ihr schwierigstes Projekt nannte er, die Realschule in Miesbach zu halten. Es gelang ihr, nicht nur im Bereich des neuen Campus hat die Stadt ihr Gesicht in Pongratz‘ Amtszeit verändert. Auch fast angrenzend, wo jetzt Wohnhäuser auf dem ehemaligen Molkereigelände stehen, neben dem Rathaus, wo sich der Sundheimer befand und am früheren Ladebahnhof. Mayer bedankte sich für die stets sachliche Arbeit und Diskussion – „obwohl wir uns in der Fraktion auch nicht immer einig waren“. Besonders hob Mayer hervor: „Für dich war immer der Bürger wichtig.“ Das war auch bei ihren eigenen Worten zu spüren. „Das Schönste“, blickte Pongratz zurück, „waren die Begegnungen mit den Menschen“. Diese werden ihr fehlen.

Ihr Stellvertreter Paul Fertl (SPD) bekannte: „Wir konnten sehr gut damit leben, dass eine Frau in der Stadt das Zepter in die Hand nahm“. Auch er erinnerte an zahlreiche Projekte und ließ von der ehemaligen Lehrerin Inge Jooß ein Zeugnis der Fraktion für die scheidende Bürgermeisterin verlesen. Besondere Anerkennung sprechen die Genossen Pongratz darin aus, loben das äußere Erscheinungsbild sowie die Sprachkenntnisse sowohl im Bairischen als auch im Französischen.

Einen herzlichen Dank richtete auch Michael Lechner (FWG) an die scheidende Bürgermeisterin. Sie sei immer offen für Vorschläge gewesen und habe sich bemüht, die Stadt voranzubringen. Vieles sei in ihrer Amtszeit erreicht worden, unter anderem nannte er die optimierte Wasserversorgung. Meinungsverschiedenheiten wertete Lechner als durchaus positiv und nannte sie rückblickend Ringen für die beste Lösung. Dass die für ihn manchmal anders ausgesehen hätte, packte er charmant und humorvoll in seine Abschiedsworte. Pongratz, sagte Lechner, habe „auf ein paar große Schlagzeilen verzichtet“: die Eröffnung des autofreien Marktplatzes etwa und den Titel radfreundliche Stadt.

Für Lacher sorge auch Manfred Burger (Grüne), der ein Gedicht verfasst hatte. Er schloss mit den Worten: „Merci chérie, liebe Ingrid, jetzt bist dahi“. Von den Fraktionen und FDP-Rat Claus Fahrer, der mit Pongratz in die künftige Partnerstadt Marseillan gefahren war, gab es neben netten Worten kleine Präsente.

Darüber durften sich auch die ausscheidenden Stadträte freuen. Pongratz dankte ihnen und lobte das teilweise jahrzehntelange Engagement. So verlässt mit Dirk Thelemann (CSU) ein Urgestein den Rat. Er war 32 Jahre Mitglied des Gremiums und habe immer für Ausgleich gesorgt, wie Pongratz würdigte. Den Abschied verpasste er, obwohl Thelemann gerne bei der letzten Sitzung gewesen wäre, wie Pongratz sagte. Aber wegen eines Termins, der sich nicht verschieben ließ, konnte er nicht dabei sein. Praktisch das Gegenteil von Thelemann trifft auf Bernhard Wurm (SPD) zu, der lediglich zwei Sitzungen mitwirkte. Er war im Februar für den verstorbenen Franz Reischl nachgerückt. Zudem werden künftig nicht mehr am Ratstisch sitzen: Franz Mader (FWG, seit 2002), Walter Fraunhofer (SPD-parteilos, seit 2008), Claus Fahrer (FDP, seit 2014) und Sabine Schuhbeck (SPD, 2015 Nachrückerin für Jochen Holzkamm). ft

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