Barrierefrei rundherum

Wie der Miesbacher Marktplatz künftig aussehen soll

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CSU-Bürgermeisterkandidat Gerhard Braunmiller möchte den Miesbacher Marktplatz neu gestalten – barrierefrei und verkehrsberuhigt.

Miesbach – Barrierefrei rundherum – so stellt sich CSU-Bürgermeisterkandidat Gerhard Braunmiller den Marktplatz vor. Die Idee ist nicht ganz neu.

Der Marktplatz sorgt in Miesbach immer wieder für Diskussionen. Nach der Umgestaltung verliefen sie hitzig, der Stadtrat verordnete sich eine Schweigephase, die spätere Evaluation brachte für viele überraschende Ergebnisse. Und nun hat die Miesbacher CSU mit ihrem Bürgermeisterkandidaten Gerhard Braunmiller das Thema für den Wahlkampf aufgegriffen. Am Donnerstagabend (9. Januar) präsentierte Braunmiller ein Konzept für Miesbachs gute Stube, das gut ankam – und bei dem von der neuen Gestaltung nicht mehr viel übrig bleiben würde.

Mit einem Paukenschlag, wie Braunmiller sagte, wolle er in die „heiße Phase des Wahlkampfs“ starten. Dazu nahm er sich dem Miesbacher „Dauerbrennerthema“ an: Der Parksituation in der Innenstadt und der Zukunft des Marktplatzes. Für dessen Gestaltung hat Braunmiller drei Vorgaben gemacht: Barrierefrei solle der Platz sein, verkehrsberuhigt und flexibel nutzbar. Und zwar vom Norden beim Wäschehaus Grabmaier bis in den Marktwinkl hinter dem Himmisepp. Das gehöre zusammen, sagte Braunmiller.

Die neuen Entwürfe – entstanden in Abstimmung zwischen Braunmiller, seiner Stadtratsfraktion und dem CSU-Ortsverband – basieren auf dem Schott-Konzept von 1996. Schon damals sollten sowohl der Osten als auch der Westen des Marktplatzes barrierefrei werden – aber nur auf der Bräuwirtseite wurde das umgesetzt.

Konzept für Marktplatz: Alles ebenerdig – bis auf eine Stelle

Nun möchte Braunmiller gleichberechtigte Nutzungsmöglichkeiten auf beiden Seiten schaffen. Also sollen auch vor dem Marktcafé, der Bäckerei Grabmaier und den weiteren Läden die Gehwege und Stufen verschwinden. Nur vor dem Picolino „bringen wir sie nicht weg“, sagte Braunmiller. Aber über eine Rampe sei dennoch Barrierefreiheit zu erreichen, der Sockel laufe Richtung Süden aus. Auch der Gehweg vor dem Friseursalon Wolf soll verschwinden, bis zum Himmisepp soll künftig alles ebenerdig sein. Und der Verkehr soll laut dem Plan in Einbahnstraßen – langsam – um den Marktplatz fließen.

Damit würde die Verkehrsführung am Knotenpunkt, den die CSU als einen der Hauptschwachpunkte am Ist-Zustand ausgemacht hat, wieder geändert werden. Die Straße würde auf beiden Seiten des Märchenbrunnens vorbeiführen. Allerdings sieht das Konzept für den gesamten Marktplatz einen sogenannten Shared-Space vor. Auf den Verkehrsflächen wären Autofahrer, Radler und Fußgänger gleichberechtigt. Letzteren gehöre der Raum auch, sagte Braunmiller. Diese Gemeinschaftsstraße, ähnlich dem Campus zwischen Realschule und Gymnasium, würde durch Schilder und Bodenmarkierungen gekennzeichnet.

„Für uns ist das ein schlüssiges Konzept“, sagte Braunmiller. Er kann sich vorstellen, dass während der Sommermonate die Fläche vor dem Wäschehaus Grabmaier zum Sitzen und Ratschen freigehalten wird, das heißt der Verkehr nördlich herumgeführt wird – im Winter dagegen davor, weil eine Freifläche dann nicht benötigt wird. Rund um den Brunnen sollen Fahrradständer angebracht werden. Das Konzept ermögliche auch eine flexible Nutzung des Marktplatzes, beispielsweise für Feste und Veranstaltungen, erklärte Braunmiller. Das Miesbacher Wohnzimmer könne komplett oder auch nur teilweise gesperrt werden. „Wir wollen, dass der Marktplatz gut genutzt wird“, betonte Braunmiller.

Konzept für Marktplatz: Parkdeck an der Eishalle

In seinen Überlegungen sind nach wie vor Parkplätze in der Mitte des Platzes vorgesehen. Sogar mehr als derzeit. Weil aber auf der Westseite die Längsparker wegfallen würden, wären es insgesamt fünf Parkplätze weniger als jetzt. Laut Braunmiller ist das kein Problem, weil bis zu einer erneuten Neugestaltung alternative Stellflächen geschaffen werden sollen. Und zwar schon im kommenden Jahr.

Braunmiller hat dazu einen konkreten Vorschlag: ein Parkdeck neben der Eishalle mit einer oder zwei Ebenen. Je nachdem würde das in Stahlbauweise 465.000 oder 885.000 Euro kosten. Standardmodule ließen Erweiterungsmöglichkeiten und seien schnell auf- und gegebenenfalls auch schnell wieder abgebaut. Von einer vierwöchigen Montagezeit sprach Braunmiller. Im Falle seiner Wahl wolle er das sofort anpacken, dann könnte das Parkdeck im September 2021 zur Verfügung stehen und 25 beziehungsweise bei zwei Ebenen 57 zusätzliche Stellplätze bieten.

Und weil solche zentrumsnahen Parkplätze für den Kandidaten Voraussetzung für Änderungen am Marktplatz sind, möchte Braunmiller diese dann im Anschluss angehen. 2022 also. Wie es danach aussehen könnte, sahen die Besucher im sehr gut gefüllten Bräuwirtsaal anhand ausführlicher Visualisierungen. „Mit so einem Modell kann man mit den Leuten reden“, sagte der Bürgermeisterkandidat. So möchte er eine Bürgerbeteiligung ankurbeln. „Das ist meine Handschrift“, sagte er zu der Art der Präsentation und dem angestrebten Ablauf der Neugestaltung.

Dieser Prozess wird noch eine Weile dauern und die Miesbacher sicher noch intensiv beschäftigen. Viele Details werden zu klären sein, nicht zuletzt wird es auch um die Kosten gehen. Dazu hat Braunmiller keine Aussage gemacht. Es sind also noch viele Gespräche zu erwarten. Am Donnerstag gab es allerdings zunächst einmal viel Lob für die Pläne. Diskutiert wurde kaum – und das ist ungewöhnlich,wenn es um den Marktplatz geht. ft

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