Direkter Draht

Frauen- und Mädchennotruf bald auch im Landkreis Miesbach erreichbar

Gewalt hat viele Facetten und kommt nicht nur in sozialen Brennpunkten vor. Oft sind Frauen und Kinder betroffen.
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Gewalt hat viele Facetten und kommt nicht nur in sozialen Brennpunkten vor. Oft sind Frauen und Kinder betroffen.

Landkreis – Derzeit betreibt der Frauen- und Mädchennotruf Rosenheim lediglich eine Interventionsstelle im Landkreis Miesbach. Bald sollen Berater vor Ort jedoch direkt erreichbar sein.

Die Hürden sind oft hoch. Bis jemand bei häuslicher Gewalt den Schritt nach außen wagt, braucht es meistens viel Zeit. Im Landkreis Miesbach zum Beispiel muss zunächst die Polizei eingeschaltet werden, ehe Betroffenen geholfen wird. Das kostet Überwindung, soll sich aber bald ändern, indem der Frauen- und Mädchennotruf auch in Miesbach etabliert wird.

Aktuell betreibt der Frauen- und Mädchennotruf des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes vor Ort lediglich eine sogenannte Interventionsstelle. Das heißt, die Berater schreiten nur ein, wenn sie den Auftrag dazu erhalten, agieren jedoch nicht als direkter Ansprechpartner. Zudem dürfen sie Betroffene maximal für vier Termine betreuen.

Im Nachbarlandkreis Rosenheim läuft das anders. Dort können sich Betroffene in der Not am Ludwigsplatz in der Stadt direkt an die Berater wenden. Nun hat der Jugendhilfeausschuss jüngst einstimmig beschlossen, auch in Miesbach eine solche Beratungsstelle mit zehn Wochenstunden einzurichten. Einen Zuschuss in Höhe von 13.400 Euro habe man bereits am Runden Tisch Haushalt berücksichtigt, erklärte Landrat Wolfgang Rzehak während der Sitzung den Anwesenden.

Da erläuterten auch zwei Vertreterinnen des Frauen- und Mädchennotrufs in Rosenheim den anwesenden Mitgliedern im Jugendhilfeausschuss die Pläne für den Landkreis Miesbach. Ziel sei es, ein flächendeckendes Netz gegen häusliche und sexuelle Gewalt aufzubauen. Seit dem Inkrafttreten des Gewaltschutzgesetzes im Jahr 2002 werde dies verfolgt, erklärte Gudrun Gallin. Seit 2015 gibt es nun auch die Interventionsstelle mit sechs Wochenstunden in einem Raum des Kinderschutzbundes in Miesbach, die den Bedarf aber bei Weitem nicht abdeckt. Zudem sollen Hürden abgebaut werden, damit Frauen eher den Mut fassen, sich Hilfe zu suchen.

Die neue Beratungsstelle solle nach Rosenheimer Vorbild eingerichtet werden, erklärte Christiane Cremer vom Frauen- und Mädchennotruf. Die jährlichen Kosten in Höhe von 30.000 Euro würden durch einen Zuschuss über 8.000 Euro vom Freistaat gestützt. Beteilige sich der Landkreis Miesbach wie geplant, könne der Restbetrag aus eigenen Mitteln gestemmt werden.

Eine Mitarbeiterin ist ebenfalls bereits gefunden. Gudrun Gallin würde als erfahrene Fachkraft, die ihre Stunden reduzieren möchte, den Aufbau der neuen Beratungsstelle übernehmen. Der Bedarf ist da: Laut einer Studie seien sowohl Beratungs- als auch Bleibeplätze in der Region knapp. „Die nächstgelegenen Frauenhäuser in Rosenheim und Wolfratshausen sind in der Regel voll“, sagte Gudrun Gallin.

Wolfgang Hodbod, Mitglied im Ausschuss und zugleich Leiter des Caritas-Kinderdorfes in Irschenberg, konnte dem nur zustimmen. Auch das Kinderdorf nehme aufgrund der fehlenden Plätze immer mal wieder Frauen in Not und deren Kinder auf. Und bei Weitem nicht alle Fälle häuslicher und sexueller Gewalt werden bekannt. Die Dunkelziffer dürfte noch höher liegen.

Die stellvertretende Vorsitzende des Kinderschutzbundes, Claudia Bernrieder, hatte zudem noch eine gute Nachricht im Jugendhilfeausschuss: Man prüfe momentan, ob die Beratungsstelle ebenfalls in den eigenen Räumen untergebracht werden könne. „So könnten sich Synergieeffekte ergeben“, sagte sie. Denn häusliche und sexuelle Gewalt gegen Frauen gebe es in allen Gesellschaftsschichten, wie Landrat Wolfgang Rzehak abschließend feststellte – auch im eher wohlhabenden Landkreis Miesbach. ksl

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