Anreize zum Investieren

IHK-Konjunkturumfrage: Stimmung stabilisiert sich, aber Unsicherheit bleibt

Geld
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Landkreis – Die IHK-Konjunkturumfrage zeigt, dass sich die Stimmung stabilisiert, aber die Unsicherheit bleibt. Reinhold Krämmel fordert Anreize zum Investieren.

Die Stimmung der Wirtschaft im Oberland hat sich stabilisiert. Nach ihrer Talfahrt im Herbst 2019 ist der Konjunkturindex zu Jahresbeginn 2020 um sieben Zähler auf 127 Punkte gestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt die Konjunkturumfrage der IHK für München und Oberbayern unter Unternehmen im Oberland. Die wirtschaftspolitischen Sorgen der Betriebe haben jedoch weiter zugenommen, was sich in den Investitionsplänen der Unternehmen widerspiegelt, die deutlich gedämpft sind.

Laut Umfrage sind die in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach, Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau ansässigen Unternehmen mit ihrer aktuellen Geschäftslage zum Jahresbeginn 2020 zufriedener als im Herbst vergangenen Jahres. Der Saldo aus positiven und negativen Lageurteilen stieg um sechs Zähler auf 47 Punkte. Insgesamt ist jedes zweite Unternehmen mit seiner derzeitigen Geschäftslage zufrieden. Nur drei Prozent der Unternehmen äußerten sich unzufrieden.

Positiv gestimmt sind die Betriebe auch mit Blick auf die Geschäftsentwicklung in den kommenden zwölf Monaten. Das wirkt sich auf die Personalplanungen aus: Per Saldo steigen die Beschäftigungspläne von minus drei auf sechs Punkte. 20 Prozent der Unternehmen wollen zusätzliches Personal einstellen, 14 Prozent wollen Stellen streichen.

Festzustellen ist, dass sich die Stimmung auf dem Arbeitsmarkt wandelt. Gleichzeitig wächst die Sorge der Unternehmen um die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Mit 55 Prozent der Nennungen sehen darin so viele wie zuletzt zum Höhepunkt der Euroschuldenkrise 2012 ein Geschäftsrisiko. Konkret verweisen die Unternehmen auf die überbordende Bürokratie und schleppende Genehmigungsverfahren, die ihren unternehmerischen Alltag belastet. Hinsichtlich der Investitionsbereitschaft sinkt die Zahl der dazu bereiten Unternehmen von 27 Prozent im Herbst auf jetzt 23 Prozent. Elf Prozent wollen weniger investieren. Auf Investitionen gänzlich verzichten wollen 13 Prozent. Das deutet auf eine schwache Investitionstätigkeit im Oberland hin.

Reinhold Krämmel, Sprecher des IHK-Forums Region Oberland, fordert: „Es ist höchste Zeit, die Standortbedingungen für die Unternehmen wieder in den Blick zu nehmen und eine Wirtschaftspolitik zu verfolgen, die die Unternehmen stärkt und ihre Wettbewerbsfähigkeit unterstützt. Vor allem brauchen wir eine Wiederbelebung der Konjunktur. Dafür müssen mehr Investitionsanreize geschaffen werden.“

Deutschland als Höchststeuerland lasse den Unternehmen zu wenig finanzielle Spielräume. Als erster Schritt müsse die Gesamtsteuerbelastung für Unternehmen einschließlich Gewerbesteuer von derzeit über 30 Prozent auf das international übliche Niveau von 25 Prozent sinken. Zudem solle Personengesellschaften das Recht eingeräumt werden, wie Kapitalgesellschaften besteuert zu werden. Außerdem seien bessere Abschreibungsregeln notwendig.

Als Sofortmaßnahme, um eine schnellere Digitalisierung zu erreichen, empfiehlt Krämmel realitätsnahe und damit deutlich kürzere Abschreibungszeiträume für die Anschaffung von Hard- und Software. „Diese Maßnahmen kurbeln Investitionen und Gewinne an und wären alles in allem nahezu aufkommensneutral“, bekräftigt der Wolfratshauser Unternehmer. Laut Krämmel würde die Politik mit solchen Maßnahmen, die faire Wettbewerbsbedingungen für die heimische Wirtschaft schaffen, ein wichtiges und glaubwürdiges Signal an die Unternehmen senden. ksl

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