Voller Saal bei Infoabend im Waitzinger Keller

Was der Asiatische Laubholzbockkäfer mit Miesbach macht

Unzählige Zuhörer sind am Mittwochabend für Informationen zum ALB in den Saal des Waitzinger Kellers gekommen.
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Unzählige Zuhörer sind am Mittwochabend für Informationen zum ALB in den Saal des Waitzinger Kellers gekommen.

Miesbach – Der ALB macht Miesbach das Leben schwer und sorgt dafür, dass sich die Stadt grundlegend verändern wird. Bei einer Infoveranstaltung sind nun die wichtigsten Fragen geklärt worden.

Fast bis auf den letzten Platz gefüllt war der Saal im Waitzinger Keller am vergangenen Mittwoch (27. November). Die Stadt Miesbach, die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) sowie das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) haben zu einer Informationsveranstaltung zum Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB) eingeladen. Dieser sorgt dafür, dass Tausende Bäume in der Stadt gefällt werden müssen. Am Mittwochabend sind binnen drei Stunden die wichtigsten Fragen geklärt und das weitere Vorgehen erläutert worden:

Welche Bäume sind von den Fällungen betroffen?

Insgesamt müssen etwa 5000 Bäume im Befallsgebiet der Stadt Miesbach gefällt werden, erklärt Tanja Bozem, Gebietsbetreuerin beim LfL. Knapp die Hälfte, also 47 Prozent, haben einen sogenannten Brusthöhendurchmesser von weniger als fünf Zentimetern. Der Brusthöhendurchmesser (BHD) wird in 1,30 Metern Höhe gemessen. Bei diesen Gehölzen handelt es sich um Sträucher und Bäumchen. Der ALB nutzt Gehölze ab einem Zentimeter Durchmesser. Etwa ein Viertel der betroffenen Gewächse, also 27 Prozent, sind kleine Bäume mit einem BHD von sechs bis 15 Zentimetern. Danach folgen 14 Prozent Kleinstgehölze und sieben Prozent mittlere Bäume mit einem BHD von 16 bis 30 Zentimetern sowie drei Prozent Großbäume bis 50 Zentimeter BHD und zwei Prozent Altbäume mit einem Brusthöhendurchmesser von mehr als 50 Zentimetern.

Welche Baumarten müssen entfernt werden?

Von den 5000 betroffenen Bäumen sind etwa 1350 Ahorne. Diese machen den Großteil der zu fällenden Gehölze aus, erklärt Tanja Bozem. Etwa zwei Drittel davon haben einen Brusthöhendurchmesser von weniger als fünf Zentimetern. Etwa 20 Prozent der betroffenen Gehölze sind Rotbuchen. Danach folgen Hainbuche (knapp 16 Prozent), Haselnuss (11,5 Prozent), Esche (etwa acht Prozent), Linde (zirka fünf Prozent) und Birke (knapp vier Prozent) sowie Rosskastanie, Weide, Erle, Ulme und Pappel (jeweils rund ein Prozent).

Wie werden die Fällungen ablaufen?

Bevor mit der Aktion begonnen wird, erhalten Grundstückseigentümer einen Bescheid, erklärt Frank Nüßer vom LfL. Dem beigefügt ist eine Karte, auf der die betroffenen Bäume angezeigt werden, die naturschutzrechtliche Allgemeinverfügung und eine Einverständniserklärung an die Kommune zur Fällung. Damit tritt der Besitzer das Recht am Baum an die Stadt ab und hat keine Kosten beim Entsorgen der betroffenen Bäume. Gestartet wird mit dem Holzschlag wahrscheinlich am Finanzamt. Von dort aus werde man sich nach außen bewegen, sagt Tanja Bozem. Die Bäume werden mit Teleskopladern, Baumkletterern oder motormanuell gefällt. Danach folgt eine erste Kontrolle mit Spürhunden. In der Regel werden zwei Durchgänge vorgenommen, um ein sicheres Ergebnis zu haben. Alles wird dokumentiert. Zudem werden Proben genommen. Wenn das erledigt ist, werden die gefällten Gehölze zum Häckselplatz an der Volksfestwiese gebracht und zerstückelt. Im Anschluss daran muss das übrig gebliebene Holz innerhalb von 24 Stunden verbrannt werden. Die Proben und auch Holz mit weiteren Befallssymptomen werden im Labor der LfL analysiert.

So sieht der Asiatische Laubholzbockkäfer (ALB) aus.

Wann genau gefällt wird, ist noch offen. „Wir müssen europaweit ausschreiben und dabei verschiedene Vorgaben und Zeiten einhalten“, erläutert Bürgermeisterin Ingrid Pongratz. „Mit einem Ergebnis ist frühestens Mitte oder Ende Februar zu rechnen.“ Dabei komme bereits ein beschleunigtes Verfahren zum Einsatz, fügt Jürgen Brückner vom Tiefbauamt hinzu.So gilt eine verkürzte Angebotsfrist von 15 Tagen. Zudem stünden Weihnachten und der Jahreswechsel vor der Tür. In dieser Zeit haben viele Betriebe geschlossen. Auch dadurch gehe Zeit verloren. Er spricht zudem von einer mittlerweile siebenstelligen Summe an Kosten, die auf die Stadt zukommen wird.

Wie geht es nach den Fällungen weiter?

Für vier Jahre gilt die Quarantänezone in und rund um Miesbach. Gibt es in dieser Zeit neue ALB-Funde, tickt die Uhr von Neuem. Unterdessen wird der Bereich intensiv überwacht. So werden die Baumkronen regelmäßig von Baumkletterern überprüft und kommen Spürhunde zum Einsatz. Zudem wird über sogenannte Fangbäume in der Befallszone und an Risikoplätzen nachgedacht. Dabei handelt es sich um junge Ahorne, die einmal pro Woche kontrolliert und alle zwei Jahre ausgetauscht werden. Damit soll verhindert werden, dass der Käfer auf weitere Gattungen übergreift, erläutert Tanja Bozem. Zudem sollen 2020 rund 60 Pheromonfallen dabei helfen, den ALB im Befallsgebiet anzulocken. So kann kontrolliert werden, ob es noch Käfer gibt. ksl

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