Hilfe, die ankommt

Frauenbund Miesbach sammelt für Projekt in Afrika

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Pater Primus Asega (Mitte) freut sich über die Spende des katholischen Frauenbundes für sein Projekt in Afrika.

Miesbach/Arua - Ein Herzensprojekt von Pater Primus Asega wird mit den gespendeten 500 Euro im afrikanischen Land Uganda unterstützt. Und es stehen bereits die nächsten Aufgaben an.

Misstrauen ist meist die erste Reaktion, wenn es um Spenden ans Ausland geht. Dass der Scheck des katholischen Frauenbunds Miesbach in besten Händen ist, dafür steht Monsignore Pater Primus Asega allerdings persönlich ein. Für viele Miesbacher ist der promovierte Moraltheologe ein vertrautes Gesicht. Seit 2000 hilft der Kirchenmann, der in seiner Heimat Generalvikar des Bistums Arua im Norden Ugandas ist, in der Urlaubszeit im Miesbacher Pfarrverband aus.

Pater Primus spricht bestes Deutsch und lächelt beim Gedanken an das Herzensprojekt in seiner Heimat – eine Schule am Rand von Arua-Stadt, die gerade aufgebaut wird. Seit er als Seelsorger die Zusammenarbeit mit der Schule übernommen hat, ist dort vieles geschehen. Aus einem Privathaus, in dem mehr schlecht als recht 13 Kinder für den Unterricht untergebracht waren, ist ein kleiner, aber funktionaler Komplex entstanden, der 150 Kindern und bis zu 16 Lehrern ein effektives Arbeiten ermöglicht.

Auch wenn vieles in Eigenarbeit gebaut wird und die größte Unterstützung von einem ugandischen Hilfsfonds für den Ausbau des ländlichen Nordens in Uganda kam, haben Spenden aus Miesbach beigetragen, diesen Erfolg zu ermöglichen. Diesmal sind es 500 Euro aus dem Verkauf der Osterkerzen. Wofür die verwendet werden? Pater Primus zeigt auf seinem Laptop ein Foto mit einem einfachen Wasserhahn, der etwa 50 Zentimeter aus dem Boden ragt. Davor steht eine Frau in bunter afrikanischer Kleidung, die Wasser in einen Kanister füllt. „Das ist eine unserer Köchinnen“, erklärt er. „Sie muss dort das Wasser für die Schulküche holen. Die Spende des Frauenbundes verwenden wir in erster Linie für den Ausbau der Wasserleitungen auf dem Schulgelände. Wir brauchen fließendes Wasser – nicht nur in der Küche und im kleinen Unterrichtslabor, sondern auch im Lehrer-WC.“

Nach dieser Erklärung versteht man besser, was es heißt, wenn Pater Primus Asega sagt: „Wir kämpfen im Norden Ugandas um vieles, das hier ganz selbstverständlich ist.“ So werden im Bistum Arua, das im Westen an die Demokratische Republik Kongo und im Norden an den jungen Staat Südsudan grenzt, dringend fließendes Wasser und Strom benötigt. Es gibt fast keine Industrie und nur wenige Schulen. Die Bevölkerung lebt von Landwirtschaft, kann aber kaum etwas auf dem Markt in der Hauptstadt Kampala verkaufen, weil die Straßen im äußersten Nordwesten des Landes so schlecht sind.

Die Armut – eines der größten Probleme Ugandas – macht auch vor dem Bistum Arua und der Pfarrei Christ the King nicht Halt. 58 Prozemt der Einwohner des über 10.000 Quadratkilometer großen Bistums gehören dem katholischen Glauben an – das sind fast 1,7 Millionen Menschen. In der Pfarrei Christ the King betreuen Pater Primus Asega und seine Kollegen 13.000 Katholiken. „Wir müssen Vorbilder sein in der Schule und als Pfarrer“, ist er überzeugt. „Der Staat Uganda kämpft seit dem Ende der britischen Kolonialzeit mit moralischen Problemen. Staatliche Schulen können Vorkommnisse wie Korruption gar nicht thematisieren. Wir können das – und deshalb müssen wir das auch.“

Die Erziehung der Kinder im christlichen Glauben ist ihm ein wichtiges Anliegen. „Wir haben momentan 150 Schüler in der Schule – 88 Jungen und 62 Mädchen – alle im Alter von zwölf bis 18 Jahren.“ Sieht man Fotos des baulichen Fortschritts der Schule seit ihrer Gründung 2004, weiß man, dass in dieser Schule jeder Cent mit Bedacht eingesetzt wird. Den Gesamtbedarf für den weiteren Ausbau in den nächsten fünf bis sechs Jahren sieht Pater Primus bei mehreren zehntausend Euro. Damit sollen eine Vielzweckhalle sowie ein eigener Trakt mit Unterrichtsräumen und Labors für die naturwissenschaftlichen Fächer entstehen. Wichtig wäre auch, das Lehrerzimmer und die Schulküche zu trennen, da sie momentan noch nebeneinander liegen. Professioneller soll die Schule werden, denn sie ist eine Stätte, die gerade auch armen Familien Zugang zu Bildung ermöglicht.

Etwa 90 Euro beträgt das jährliche Schulgeld, hinzu kommen 11,25 Euro für Frühstück und 45 Euro für Mittagessen – zusammen also 146,25 Euro pro Jahr. Und wer selbst das nicht bezahlen kann, wird unterstützt. Dafür erhalten die Kinder in der vierstufigen Secondary School eine solide Ausbildung, die sie für einen Beruf qualifiziert. Wer noch einmal zwei Jahre dranhängt, kann an der Prüfung teilnehmen, die zum Besuch einer Hochschule berechtigt.

Dafür wurde 2013 ein neuer Trakt von Bischof Sabino Ocan Odoki eingeweiht. Dort finden seitdem auch die Prüfungen statt. 2014 bestanden die ersten Schüler die harten Tests, die ihnen ein Leben mit Chancen ermöglichen, von denen ihre Eltern nur träumen konnten. zem

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