Kunstprojekt im Waitzinger Park

ALB-Träume gegen Narben in Miesbach

Im Waitzinger Park soll die Installation „ALB-Träume“ an einem Platz der Baumfällung entstehen.
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Im Waitzinger Park soll die Installation „ALB-Träume“ an einem Platz der Baumfällung entstehen.

Miesbach – Die ALB-Fällungen sorgten in Miesbach für viele Emotionen, Diskussionen und auch Veränderungen im Stadtbild. Nun will ein Kunstprojekt im Waitzinger Park die Thematik aufgreifen.

Das soll an einem ehemaligen Baumplatz in der Nähe von der Trachtenhütte unterhalb des Waitzinger Kellers entstehen. Die Idee und Inspiration für ihre Installation „ALB-Träume“ stellte Künstlerin Lisa Mayerhofer am vergangenen Montag dem städtischen Kultur- und Tourismusausschuss vor. 

„5000 Gehölze sind in Miesbach gefallen und haben Narben hinterlassen“, erklärte Mayerhofer. Sie liebe die Riviera und den Waitzinger Park als Erholungsräume. Zu letzterem hat sie auch als Teammitglied im Waitzinger Keller einen weiteren Bezug. Thematisch wolle sie nicht auf die Fällungen eingehen, erklärte die Künstlerin. „Es geht mir darum, dass man sieht, da ist was passiert, darum ein Bewusstsein zu schaffen. Auch dafür, dass da vielleicht etwas Neues entstehen kann.“
Seit rund 23 Jahren ist Mayerhofer als Bildhauerin tätig, hat national und international ausgestellt. Dabei zeigte sie einige ihrer teils begehbaren Arbeiten – Papierinstallationen, die sie in England, Berlin und Irland realisierte. In diesen Fällen teils mit großem Ausmaß und bis zu fünf Tonnen Gewicht. So umfangreich soll die Installation in Miesbach nicht werden. „Ich würde gerne drei Baumgeister bauen, die nach oben zusammenwachsen, damit man vielleicht drunter durchgehen kann“, beschrieb Mayerhofer die „ALB-Träume“. Als Materialien würden Holz, Jute, Gips und Mullbinden zum Einsatz kommen. Letztere sollen wie Blätter wehen. Als Standzeit visiert die Künstlerin drei, als Bauzeit rund zweieinhalb Wochen an. „Meine Arbeit würde ich zur Verfügung stellen. Für das Material würde ich mich über Unterstützung freuen“, sagte Mayerhofer. Das sei aber nicht teuer, belaufe sich auf rund 200 Euro. 

Der Ausschuss zeigte sich sehr angetan vom Projekt. Dass man „da gestalterisch was macht“ findet Verena Assum (CSU) sehr gut und lobte auch die Standortwahl als gut sichtbar, aber nicht störend. „Ich finde es ganz toll, dass Sie Miesbach etwas geben wollen“, freute sich Aline Brunner (FW). „Aber wollen Sie kein Geld für Ihre Arbeitszeit?“. Aktuell sei sie in Kurzarbeit, erläuterte Mayerhofer: „Und ich denke, die Stadt hat momentan andere Probleme, als eine Künstlerin zu bezahlen.“ Die Anfrage nach dem Einbeziehen von Kindern im künstlerischen Prozess musste sie ablehnen, da sie in der Haftung sei. Auf letztere nahm auch Andreas Lechner (CSU) Bezug: „Kann man die Installation absichern, falls jemand auf dumme Ideen kommt?“ Wenn alles erstellt sei, sei das meist nicht mehr der Fall, sagte Mayerhofer. Die Gefahr von Vandalismus bestehe bei Werken im öffentlichen Raum aber immer. 

Eine erklärende Tafel zur Installation will die Bildhauerin nicht aufstellen. Sie setzt auf die intuitive Wirkung. Eine Standzeit von drei Wochen sei erst einmal anvisiert, weil man sehen müsse, wie die Witterung auf das Werk wirke und „eine temporäre Sache ist am prägnantesten, wenn sie nur kurz steht“. Der Kultur- und Tourismusausschuss befürwortete einstimmig die Übernahme der Materialkosten. Mit dem Projekt will die Künstlerin in Bälde beginnen: „Wenn ich Glück habe Mitte kommender Woche.“ Bis dahin hofft sie das Holz für die Baumgeister vom Zimmerer zu haben.     maf

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