Verlust unzähliger Bäume in Miesbach

Kunstwerk im Waitzinger Park erinnert an ALB-Traum

Bildhauerin und Land-Art-Künstlerin Lisa Mayerhofer hat ihr Werk im Waitzinger Park in Miesbach passenderweise „ALB-Träume“ genannt.
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Bildhauerin und Land-Art-Künstlerin Lisa Mayerhofer hat ihr Werk im Waitzinger Park in Miesbach passenderweise „ALB-Träume“ genannt.

Miesbach – Um den ALB zu bekämpfen, sind in Miesbach unzählige Gehölze gefallen. Eine Installation von Lisa Mayerhofer im Waitzinger Park thematisiert das Drama.

In den vergangenen Monaten ist die Kreisstadt Miesbach nicht nur durch die Corona-Pandemie geprägt worden. Viel offensichtlicher ist das tagelange Röhren von Motorsägen und das anschließende Fallen zahlreicher Bäume gewesen. Vor allem am Harzberg und in der Riviera sind die Spuren deutlich zu erkennen.

Bildhauerin und Land-Art-Künstlerin Lisa Mayerhofer hat das Drama mit dem Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB) im Waitzinger Park in einem Kunstprojekt verarbeitet. Aus vierkantigen Holzstangen, die mit Jutestreifen und Gips zusammengefügt sind, hat sie drei baumähnliche Strukturen geschaffen. Auf der Anhöhe zum Waitzinger Keller hin sind die kunstvollen Bäume weithin zu sehen – als eine Art Mahnmal.

Fast 5.000 Gehölze sind im Frühjahr in Miesbach gefallen. Viele sind noch relativ klein und unscheinbar gewesen. Aber auch einige der alten großen Bäume mussten umgesägt werden, um den ALB zu bekämpfen.

„Das löst auch Zukunfts­ängste aus“, sagte Vize-Bürgermeisterin Astrid Güldner jüngst bei der Eröffnung in ihrem Grußwort. Bäume, die Jahrhunderte überdauert haben, sind innerhalb weniger Momente verschwunden. Treffend hat Lisa Mayerhofer das Kunstwerk „ALB-Träume“ genannt. „Es geht um Träume, aus denen man schweißgebadet aufwacht“, erläutert Astrid Güldner. „Das erleben wir jetzt immer wieder.“ Auch wegen der Corona-Pandemie.

Die Idee zu dem Kunstwerk ist auf ein Erlebnis der Künstlerin zurückzuführen. An einer Linde auf der anderen Seite am Parkplatz ist die 52-Jährige vor einiger Zeit während eines Gewitters vorbeigekommen. Ein Windstoß ist damals in die Krone gefahren und hat für einen Regen aus Tausenden goldenen Blättern gesorgt. Ein einschneidendes Erlebnis für die Künstlerin.

Sie hat hautnah miterlebt, wie Baum für Baum aus der Stadt verschwunden ist. Wer ebenfalls seine Erinnerungen an Miesbachs ALB-Traum teilen möchte, kann dies in einem Buch tun, das am Rande in einer kleinen Kiste untergebracht ist. Dieses Buch wird die einzige Erinnerung an das Kunstwerk bleiben, denn es wird in einigen Wochen gefällt. „Wahrscheinlich von mir selbst“, sagt Lisa Mayerhofer. ksl

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