Runder Tisch Mountainbike

Der Landkreis Miesbach kämpft mit dem hohen Freizeitdruck

Beim ersten runden Tisch Mountainbike diskutierten ATS-Vorstand Harald Gmeiner, Landrat Olaf von Löwis und ATS-Geschäftsführer Thorsten Schär (v.l.) im Waitzinger Keller mit Vertretern aller betroffen Berufsstände, Verbände und Kommunen sowie Freizeitsportlern.
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Beim ersten runden Tisch Mountainbike diskutierten ATS-Vorstand Harald Gmeiner, Landrat Olaf von Löwis und ATS-Geschäftsführer Thorsten Schär (v.l.) im Waitzinger Keller mit Vertretern aller betroffen Berufsstände, Verbände und Kommunen sowie Freizeitsportlern.

Miesbach – Mit fast 30 Teilnehmern fand kürzlich auf Einladung von Landrat Olaf von Löwis der erste „Runde Tisch Mountainbike“ im Waitzinger Keller in Miesbach statt.

Wie von Löwis sagte, war nicht der tätliche Angriff eines Mountainbikers auf einen Gebietsbetreuer im Spitzingsee-Gebiet vor wenigen Tagen (wir haben berichtet) der Auslöser, sondern intensives Drängen einiger Almbauern und die eskalierende Situation mit vielen illegalen Trails auf dem Taubenberg. Wie sich herausstellte, macht der Freizeitdruck nicht nur vor den Bergen keinen Halt, sondern belastet auch Seen und Wiesen. Mit vielen Hausaufgaben im Rucksack soll sich die Runde in kleinerer Form demnächst als Task-Force treffen und gezielt Maßnahmen umsetzen. 

Gebietsbetreuer Florian Bossert, Opfer des hirnlosen Angriffs eines uneinsichtigen Mountainbikers, trat nicht nach, als er über seine bisherigen Gespräche mit den Radlern berichtete: „Die meisten sind vernünftig, nur etwa vier Prozent sind zu keinem Gespräch bereit und werden beleidigend. An die 14 Prozent sind trotz eines Gesprächs uneinsichtig.“ Wie Florian Faas von der unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt sagte, blieben die Zahlen in den vergangenen Jahren ziemlich konstant, das Problem sei, dass sich durch den enormen Freizeitdruck die Pro-Kopf-Anzahl deutlich erhöht hat. Harald Gmeiner, Vorstand der Alpenregion Tegernsee-Schliersee (ATS), gab zu bedenken, dass sich über die Jahre auch der MTB-Sport verändert hat. Selbstkritisch stellte er fest: „Unser Streckennetz stammt aus 2002, seither hat sich einiges verselbständigt.“
Ganz untätig war die ATS aber nicht, wie Geschäftsführer Thorsten Schär aufzählte. Unter anderem wurden ein „Almknigge“ verteilt und Lenkungsstrategien mit einem digitalen Tagesplaner als Live-Ticker auf den Weg gebracht. „Der extrem hohe Druck auf die Natur macht aber eine noch bessere Lenkung und Optimierung notwendig“, sagte Schär. Vielfach werden auch gesperrte Wege in Internetportalen und Druckerzeugnissen als besonders reizvolle MTB-Strecken beworben. Daher schlug Tim Coldewey (ATS) vor, diese aus dem System OpenStreetMap zu löschen: „Damit wäre schon viel erreicht. Wichtig ist, den Status Quo zu halten und keine zusätzliche Werbung zu machen.“ Das wäre im Sinn von Almerer und Jäger Georg von Preysing: „Durch die massive Bewerbung in diesen Portalen werden aus gesperrten und teuer hergerichteten Wegen Rinnen und Bäche. Außerdem findet das Wild kaum noch Rückzugsorte.“ Neben einer Kennzeichnung der Räder forderte er daher von der Politik eine Verschärfung des Betretungsrechtes: „Betreten ja, aber nicht zu jeder Jahres- sowie Tages- und Nachtzeit.“ Dass diese „Heilige Kuh“, wie sie Hanspeter Mair vom Deutschen Alpenverein bezeichnete, angetastet wird, ist aber fraglich. 

Einig ist sich von Preysing mit Almbäuerin Brigitta Regauer, die fragte: „Muss denn überall alles möglich sein?“ Sie forderte, die schwarzen Schafe aus der Anonymität herauszuholen und kräftig zur Kasse zu bitten: „Das muss wehtun.“ Momentan gibt es aber, wie Mair, feststellte, ein Vollzugsdefizit. Sollte sich das ändern, würde sich das in der Szene schnell herumsprechen. Für die ambitionierten Bergradler muss es nach Überzeugung von Kreuths Bürgermeister Josef Bierschneider und seinem Bayrischzeller Amtskollegen Georg Kittenrainer aber Alternativen geben. Kittenrainer, selbst Almbauer und wie er sagte begeisterter MTBler, schlug vor, in Zusammenarbeit mit allen Beteiligten „nicht zu viele, aber einige wirklich attraktive Strecken“ zu schaffen. Dann können und müssen nach Überzeugung beider Rathauschefs aber auch die Sperrrungen hart durchgesetzt werden. Damit könnte Stefan Niermaier leben, der für die Mountainbiker das Wort ergriff. „Ich möchte zu einem guten Miteinander von Grundstückseignern und MTBlern zurück. Sanktionen ja, aber bitte auch ein Angebot schaffen, wo es verträglich ist und dann nicht wieder vom Naturschutz blockiert wird.“ Seit 15 Jahren werde darüber geredet, jetzt hofft Niermaier, dass dieser Runde Tisch nicht wieder einer ist, bei dem nur Zeit verschwendet wird, sondern etwas Gutes herauskommt: „Ich bin dabei, weil auch eins klar ist, der Radler ist ein Zeck und überall.“ 

Darum, dass bei der Lenkung und Aufklärung in Sachen Naturtourismus nicht nur an die Berge gedacht wird, bat Gerhard Kinshofer vom Landesbund für Vogelschutz. „Bei meinen Rundgängen an den Seen stelle ich immer öfter fest, dass Schutzzonen im Uferbereich ignoriert werden. Sagt man was, wird man mit dem Paddel oder verbal bedroht.“ Eine Beobachtung, die Kreisbäuerin Marlene Hupfauer teilte: „Betretungsrecht schön und gut, aber wenn Wiesen und Felder niedergetrampelt werden, hört es auf. Es ist traurig, wie weit es mit dem Verständnis der Menschen für die Natur gekommen ist.“ Dennoch beendete von Löwis die Veranstaltung mit einem positiven Fazit: „Der offene Gedankenaustausch aller Beteiligten war ein Auftakt, aus dem viele Hausaufgaben für die nächsten Treffen entstanden sind.“ Wie er sagte, wolle er dazu niemanden ausladen, schlug aber vor, dass eine Task-Force in kleinerer Runde tagen und konkrete Maßnahmen einleiten soll. Unter anderem ist dabei an eine weitere Sensibilisierung durch Kampagnen und begleitenden personellen Einsatz sowie an die Lenkung durch bessere Beschilderung und Schaffung eines attraktiven Angebotes gedacht. Außerdem sollen ein juristisch abgesichertes Vorgehen gegen die Veröffentlichung von gesperrten Wegen geprüft werden sowie Fragen zur Haftung geklärt und Betreiberkonzepte erarbeitet werden.     hac

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