Verbotene Touren in Schutzgebieten löschen

Mountainbike-Routen: Wie der Verlag auf den Appell des Miesbacher Landrats reagiert

Immer häufiger gibt es Konflikte mit rücksichtslosen Mountainbike-Fahrern. Der Landkreis Miesbach reagiert nun darauf.
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Immer häufiger gibt es Konflikte mit rücksichtslosen Mountainbike-Fahrern. Der Landkreis Miesbach reagiert nun darauf.

Landkreis – Mountainbiken ist in Landschaftsschutzgebieten verboten. Landrat Olaf von Löwis hat an einen Verlag appelliert und dazu aufgefordert, Routen aus seinen Karten im Landkreis Miesbach zu löschen.

Am „Runden Tisch Mountainbike“ wurde vereinbart, dass der Herausgeber der beliebten Super-Trail- Map für Tegernsee/Schliersee und Chiemgau-West aufgefordert werden soll, Strecken aus den Karten herauszunehmen, für die Fahrverbote bestehen. Nach einem Appell von Landrat Olaf von Löwis hat der Schweizer Verlag Outdoor Publishing GmbH nun den Verkauf der Karten eingestellt und Gespräche angeboten.

Das rücksichtslose Verhalten einiger Mountainbiker hat im Landkreis zu einem extrem hohen Konfliktpotenzial geführt. Um lösungsorientierte Gegenmaßnahmen zu diskutieren, wie dem Treiben Einhalt geboten werden kann, hatte das Landratsamt Anfang Juli zum „Runden Tisch Mountainbike“ geladen.

Ein Vorschlag aus der Runde war, dass Verlage und Online-Portale aufgefordert werden sollen, mehrere Routen aus ihren Karten zu nehmen. Dem kam Landrat Olaf von Löwis mit einem Schreiben an den Herausgeber der Super-Trail-Maps, dem Schweizer Verlag Outdoor Publishing GmbH, nach. Darin führte von Löwis aus, dass es durch die Veröffentlichung und Bewerbung von Trails, die teilweise über gesperrte Wanderwege, Steige und Pfade führen, zu negativen Einflüssen auf Land- und Almwirtschaft, Jagd sowie Wegqualität kommt. Dies habe maßgeblich zu diesen Problemen beigetragen und könne nicht mehr toleriert werden. Gelöscht werden sollen Strecken, die durch die Landschaftsschutzgebiete Rotwand und Suttensee sowie den Bereich Gindelalm führen und für die ein entsprechendes Fahrverbot vorliegt. Außerdem forderte von Löwis, dass die Abfahrten Sonnbergalmen – Klamm in Kreuth und Wendelstein in Bayrischzell aus der Karte getilgt werden sollen, da sie wegen einer Breite von unter 80 Zentimetern und treppenartiger Anlage offensichtlich nicht geeignet seien.

Er forderte den Verlag auf, alle diese Wege bis spätestens zur nächsten Auflage alternativlos aus den Karten zu entfernen und nannte dazu als Termin den 30. September. Ergänzend stellte er fest, dass mit dem Online-Portal Komoot bereits Fortschritte im Landschaftsschutz erzielt werden konnten.

Wie Stefan Becker, Sprecher des Schweizer Verlags Outdoor Publishing GmbH, erklärt, hat das Unternehmen auf den Appell von Landrat Olaf von Löwis hin unmittelbar reagiert: „Wir haben die beiden Super-Trail-Maps Tegernsee/Schliersee und Chiemgau-West bereits aus dem Webshop herausgenommen. Auch findet kein Versand mehr von Lagerbeständen über angeschlossene Warenhäuser statt.“ Allerdings könne der Verlag den Verkauf von Karten nicht verhindern, die bereits an Drittanbieter abgegeben wurden: „Da sind uns leider die Hände gebunden. Zumindest dürften das aber nach unserem Kenntnisstand keine großen Stückzahlen mehr sein.“

Stefan Becker verweist aber auch darauf, dass das Kartenwerk 2016 nicht im Alleingang, sondern in Zusammenarbeit mit dem kreiseigenen Kommunalunternehmen Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS) entstanden ist. Da es aber nicht im Interesse des Verlags liege, weitere Konflikte zu schüren, habe man sich für den sofortigen Verkaufsstopp entschieden.

Weiter sagt Verlagssprecher Stefan Becker, dass man sich bei einer Neuauflage gerne wieder mit den Verantwortlichen des Landkreises zusammensetzen würde: „Unsere Kartennutzer sollen verlässlich wissen, wo sie fahren dürfen und wo nicht und wo aufgrund des höher werdenden Freizeitdrucks besondere Rücksicht zu nehmen ist.“

Auch soll den Mountainbikern in der Karte wie schon bisher ein Verhaltenskodex an die Hand gegeben werden. Dazu meint Stefan Becker: „Viele Biker sind sich oft gar nicht bewusst, welche Reaktionsketten sie bei dessen Nichtbeachtung beispielsweise für die Jagdausübung auslösen. Im Sinne eines guten Miteinanders sehen wir uns auch hier in der Verantwortung, unsere Kunden über solche Zusammenhänge zu informieren.“ hac

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