LfL zieht erste Bilanz

Analyse nach Fällungen: So stark ist Miesbach vom ALB befallen

Asiatischer Laubholzbockkäfer (ALB) im Freisinger Quarantänelabor
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Im Freisinger Quarantänelabor ist dieser Asiatische Laubholzbockkäfer geschlüpft. Er ist eines von vielen Miesbacher Exemplaren.

Miesbach – Aktuelle Fakten der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) belegen, dass die Fällungen in Miesbach wegen des Befalls mit dem Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB) berechtigt waren.

Inzwischen ist etwas mehr als ein Jahr vergangen. Und es hat sich vieles verändert. Seit im August 2019 zum ersten Mal ein Asiatischer Laubholzbockkäfer (ALB) in Miesbach gefunden wurde, wurden Proben entnommen, Bäume gefällt, eine Quarantänezone ausgewiesen. Und die Stadt hat an einigen Stellen ein neues Äußeres bekommen. Die Maßnahmen waren nötig, um den ALB wieder los zu werden. Der Eindringling hatte sich bereits erheblich ausgebreitet, wie die Bilanz zeigt. Nun hat die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) die Ergebnisse der Analyse veröffentlicht.

„An 97 Gehölzen konnte ALB-Befall festgestellt werden, wobei 77 Gehölze lebenden Befall aufwiesen“, teilt die LfL mit. Es hat Ende März mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Holzkirchen mit Fällungen begonnen nach Vorgaben des Bundes und der EU zur ALB-Bekämpfung. In den vorgegebenen 100-Meter-Radien sind von den relevanten 16 spezifizierten Pflanzen 13 Gattungen festgestellt, gefällt und untersucht worden. Die Experten der LfL haben die ALB-Verdachtsproben während der Fällungen sichergestellt und ins Quarantänelabor im Institut für Pflanzenschutz nach Freising gebracht. Sie haben 400 Eiablagen, 130 lebende Larven und 40 Käfer – davon sind sieben im Labor geschlüpft – gefunden. Einige der gefundenen Larven wurden zur DNS-Analyse geschickt, andere für weitere Untersuchungen archiviert. Die befallenen Bäume waren Ahorn, Rosskastanie, Birke und Weide.

Weil bei den Fällungen im April zwei vom ALB befallene Bäume gefunden worden waren, wurden die Radien nach Südosten und Norden erweitert. Bei der nördlichen Fläche im Bereich der Riviera handelte es sich um öffentlichen Grund. LfL und Stadt haben beschlossen, die notwendigen Fällungen unmittelbar an die laufende Maßnahme anzuschließen.

Weil bei der Entdeckung im August 2019 teilweise massiv Käfer geflogen waren, wurden die Fällungen ab Frühjahr 2020 durchgehend vorgenommen. Die LfL hat dabei auch der einsetzenden Brutzeit Rechnung getragen und die Arbeiten bis zum Flüggewerden der Jungtiere verschoben beziehungsweise in Zusammenarbeit mit den örtlichen Vogelschutzverbänden brütende Vögel umgesetzt oder Nestlinge zu einer Pflege zum Aufziehen und Auswildern gebracht.

„Die Zusammenarbeit zwischen der Stadt Miesbach, dem Bauhof, dem AELF Holzkirchen, den örtlichen Vogelschutzverbänden, der Unteren Naturschutzbehörde des Landrats­amts Miesbach, den an der Maßnahme beteiligten Firmen sowie der LfL verlief äußerst konstruktiv und zielführend“, macht LfL-Sprecherin Sabine Weindl deutlich. Nun bleibt zu hoffen, dass die Maßnahme den gewünschten Erfolg bringt und kein ALB mehr auftaucht.

Die Bürger sollen ihr Schnittgut an der Sammelstelle auf der Waitzinger Wiese entsorgen.

Fest steht, die 40 gefundenen Exemplare hätten sich heuer vermehrt. „Es war wichtig, dass man die erwischt hat“, betont Weindl. Nun werden Fangbäume, die, sofern doch noch ALB fliegen, diese anlocken sollen, regelmäßig kontrolliert. Gleiches gilt für die 22 Linden, die im Waitzinger Park stehen bleiben durften. Sie wurden von den Fällungen ausgenommen, da sie aufgrund ihres kulturellen Wertes für die Allgemeinheit unter Naturschutz gestellt wurden. Für das intensive Monitoring dieser Bäume, die als geschützter Landschaftsbestandteil erhalten bleiben sollen, wurde in enger Abstimmung mit der Stadt als Lasten- und Kostenträger sowie mit dem Landratsamt als unter Schutz stellender Behörde ein Konzept entwickelt. Dessen Kern ist ein intensives Kronenmonitoring durch speziell auf ALB-Diagnose ausgebildete Baumkletterer.

Auch die Bürger sind weiterhin aufgerufen, die Bekämpfung des ALB zu unterstützen. Sie sollen den ausgewiesenen Sammelplatz für Schnittgut auf der Waitzinger Wiese nutzen. Dort wird das Holz untersucht, gehäckselt und zum Verbrennen abtransportiert. Für eine reibungslose Untersuchung des abgegebenen Schnittguts sollten die Baumstücke eine handliche Größe von maximal zwei Metern Länge haben. „Und lassen Sie eine Lücke zwischen den einzelnen Holzhaufen. Dies erleichtert die Kontrolle durch die LfL-Inspektoren und die ALB-Spürhunde“, bittet die Landesanstalt. ft

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