Visitenkarte der Stadt bewertet

Aus diesem Grund fordern Experten einen autofreien Markt in Miesbach

Im Juli 2018 eröffneten die „vier Weisen“ (v.l.) Vize-Bürgermeister Paul Fertl, Markus Seemüller, Astrid Güldner und Dirk Thelemann den frisch umgestalteten Marktplatz. Nun haben auch Experten ihre Einschätzung abgegeben.
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Im Juli 2018 eröffneten die „vier Weisen“ (v.l.) Vize-Bürgermeister Paul Fertl, Markus Seemüller, Astrid Güldner und Dirk Thelemann den frisch umgestalteten Marktplatz. Nun haben auch Experten ihre Einschätzung abgegeben.

Miesbach – Ein autofreier Markt muss das Ziel sein – zu diesem Ergebnis kommt eine erste Bilanz nach dem Umbau. Doch nächste Schritte wird es erst nach den Wahlen geben.

Ein Probeversuch oder ein erster Schritt? Gelungen oder nicht? Sicher? Funktional? Eins auf jeden Fall: die Miesbacher bewegend. Der umgestaltete Marktplatz sorgt für unterschiedliche Meinungen in der Stadt. Seit inzwischen mehr als einem Jahr ist die Verkehrsführung verändert und finden sich neue Elemente wie ein Bücherschrank, Kuh und Kälbchen sowie eine Ladestelle für E-Bikes in Miesbachs guter Stube. So kontrovers die Meinungen dazu sind, so sicher scheint auch: Schnell ändern wird sich nichts. Auch Experten raten vor kurzfristigen Maßnahmen ab.

Der Stadtrat hatte sich – obwohl es vielen schwergefallen ist – einen Diskussionsstopp auferlegt und wollte eine erste Bilanz abwarten. Inzwischen hat sich auch ein Fachkreis aus Vertretern von Politik, Verwaltung und der Stadtgesellschaft sowie die externen Fachleute Otto Kurz (der Stadtplaner ist schon seit längerem für Miesbach tätig) und Reiner Neumann (Verkehrsplaner) zur Evaluierung getroffen.

Laut einer Pressemitteilung der Stadt bezeichneten die beiden Experten den Probebetrieb am Marktplatz als Schritt in die richtige Richtung. Neumann finde, der Platz funktioniere „aus verkehrstechnischer Sicht im Regelfall einwandfrei“, heißt es in der Mitteilung. Für die Zukunft könnte sich Neumann aber durchaus eine autofreie Gestaltung im zentralen Bereich zwischen nördlicher Bebauung und dem Brunnen vorstellen. Bemerkenswert sei, „dass bei all den unterschiedlichen Äußerungen aus der Bevölkerung keine Kritik wegen der Reduzierung der Parkplätze vorgebracht wurde“.

Für Stadtplaner Kurz zeige der Probeversuch, dass überall, wo Verkehrsflächen zurückgenommen wurden, belebte Bereiche etwa vor Cafés und Läden entstanden. Die Befürchtung, dass geschaffene Freiflächen nicht so gut angenommen werden, sei nicht eingetreten. Wenngleich die beiden Experten die Umgestaltung also positiv bewerten, warnten sie davor, den Probebetrieb nun mit kleinen Einzelschritten zu ergänzen. Stattdessen empfahlen sie, ein Gesamtkonzept zu entwickeln.

Lisa Hilbich, als Vertreterin der Initiative Marktplatz ebenfalls bei dem Gespräch dabei, ist die Mitteilung der Stadt zu verhalten. Deshalb hat sie selbst auch ein Statement verfasst, in dem sie von Lob der beiden Experten für die Neugestaltung schreibt. Die Veränderungen seien ein qualitativer Zugewinn. Neumann wird von Hilbich mit den Worten zitiert: „Sie haben alles richtig gemacht.“ Ziel sei es, den Platz verkehrsfrei zu bekommen.

Allerdings sollte das nicht überhastet geschehen. Neben dem Gesamtkonzept raten die Fachleute dazu, mit weiteren Planungen noch etwas zu warten. Nämlich bis nach den Wahlen im kommenden Frühjahr. Wer dann neu auf dem Chefsessel im Rathaus sitzt soll sich zusammen mit dem neu gewählten Stadtrat Gedanken über die Gestaltung und das weitere Vorgehen machen.

Für die GWM ist der Stillstand eine „unbefriedigende Situation“ wie Vorsitzender Florian Brunner sagt. „Wir haben die Befürchtung, dass sich das hinziehen wird“, erklärt er auf Nachfrage. Die GWM ist mit dem jetzigen Zustand keineswegs glücklich. Das wurde bereits in einer schriftlichen Erklärung im vergangenen Sommer deutlich, wonach unter anderem die Kunden die verschärfte Parksituation bemängeln.Für Brunner wäre es dringend notwendig, auch umliegende Bereiche in die Überlegungen einzubeziehen. Über alternative Parkmöglichkeiten und ein Parkleitsystem müsste nachgedacht werden.

Es sei ganz wichtig, in der weiteren Entwicklung die Bürger mitzunehmen, betont Bürgermeisterin Ingrid Pongratz. Der Prozess müsse zudem unter professioneller Federführung vonstatten gehen. Dann, so glaubt sie, könne auch eine Lösung gefunden werden, die von der breiten Mehrheit getragen wird. Was dann noch bleibt, ist die Frage, wie die Umsetzung finanziert werden kann. Aber auch diese Frage wird erst das neu gewählte Stadtparlament beantworten müssen.

Kurz und Neumann empfehlen jedenfalls schon jetzt, „ein eindeutiges Votum aus dem Stadtrat mit der Zielsetzung eines im Kernbereich möglichst autofreien Marktplatzes einzuholen“, erklärt die Stadt. Auf der Basis sollte ein Gesamtkonzept erarbeitet werden. ft

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