Alles neu an der Spitze

Erste Misstöne im neuen Miesbacher Stadtrat bei der Wahl des Zweiten Bürgermeisters

Sie repräsentieren die Stadt bei allen offiziellen Angelegenheiten: Miesbachs Rathauschef Gerhard Braunmiller (M.), Stellvertreterin Astrid Güldner und Dritter Bürgermeister Franz Mayer.
+
Sie repräsentieren die Stadt bei allen offiziellen Angelegenheiten: Miesbachs Rathauschef Gerhard Braunmiller (M.), Stellvertreterin Astrid Güldner und Dritter Bürgermeister Franz Mayer.

Miesbach – Der Miesbacher Stadtrat hat sich konstituiert und direkt Weichen gestellt: Astrid Güldner ist nun Zweite Bürgermeisterin, Paul Fertl wurde nach vielen Jahren abgewählt.

Feierlich ging es bei der konstituierenden Sitzung des Miesbacher Stadtrats zu – mit Vereidigungen und einer ersten Ansprache des neuen Bürgermeisters Gerhard Braunmiller, in der er trotz Corona-Zeiten zuversichtlich in die Zukunft blickte. Doch es gab auch bereits die erste angespannte Stimmung. Sie kam mit der Wahl für das zweite Bürgermeisteramt auf.

„Es ist ein bewegendes Gefühl, der neue Bürgermeister der Stadt Miesbach zu sein“, startete Braunmiller seine Antrittsrede gerührt. Dabei dankte er seiner Vorgängerin Ingrid Pongratz für deren 17-jähriges Engagement. In diese Zeit seien sehr viele wichtige Projekte gefallen. Den Bürgern – jenen, die ihn gewählt und auch jenen, die ihn nicht gewählt hätten – versprach Braunmiller, sehr hart zu arbeiten.

Dabei sieht er sich in der Rolle eines Kapitäns. Der könne aber alleine nichts bewirken, sondern nur mit einer guten Mannschaft, namentlich der Verwaltung, dem Stadtrat und den Bürgern. Die Basis dafür müsse Vertrauen sein. Bei seiner Tätigkeit will der neue Bürgermeister jedoch nicht nur seine Amtszeit in den kommenden sechs Jahren im Blick haben, sondern die Dinge langfristig sehen, mit einer Ausrichtung auf kommende Jahrzehnte.

Momentan seien die Zeiten mit Coronavirus, ALB und schlechten Wirtschaftsaussichten nicht rosig. „Aber das soll uns nicht aufhalten. Ich habe Vertrauen in die Zukunft.“ Die Verwaltung und ihre Kompetenzen bewertete Braunmiller dabei sehr positiv und der Stadtrat sei eine tatkräftige Mannschaft. Als Projekte sieht er unter anderem die Kinderbetreuung, Müller am Baum, die Parksituation und den Hochwasserschutz in Bergham-Parsberg. Ebenso die Bürgernähe mit Bürgersprechstunde und digitalem Rathaus. „Pack ma‘s o“, stimmte Braunmiller den Stadtrat ein.

Der war auch aufgerufen, einen Zweiten Bürgermeister zu wählen. Dabei geriet die Wortmeldung von Markus Seemüller (FW) zuerst etwas ominös. Der Stadtrat habe in der Bevölkerung ein ausbaufähiges Image. Dieses gelte es zurechtzurücken. Traditionell habe die zweitstärkste Fraktion, aktuell sind das die Freien Wähler, den Zweiten Bürgermeister gestellt. Teils verständlich, aber es habe Situationen gegeben, in denen Parteien und Personen bevorzugt worden seien und nicht das Wohl der Stadt Miesbach betrachtet wurde.

Entgegen Fraktionsstärken und Kräfteverhältnissen, schlug Seemüller Paul Fertl (SPD) zu einer Wiederwahl als Zweiten Bürgermeister vor. Er habe hervorragende Arbeit geleistet. Dem pflichtete Inge Jooß (SPD) bei und verwies auf Fertl als verlässlichen Amtsinhaber seit drei Perioden. Er sei sachlich und bringe sehr viel Erfahrung mit.

Einen anderen Vorschlag der CSU-Fraktion brachte Franz Mayer aufs Tableau. Die Verdienste Fertls zweifle niemand an, meinte er. Aber der Bürger habe entschieden. Die Grünen hätten einen beachtlichen Zuwachs der Stimmen erfahren. Dementsprechend schlage die CSU Astrid Güldner (Grüne) als Zweite Bürgermeisterin vor. Sie sei Kreisrätin, eine Frau und habe das zweitbeste Stimmenergebnis bei der Stadtratswahl errungen. „Ich glaube, wie beim Ersten Bürgermeister sollten wir auch hier eine Neubesetzung machen“, schloss Mayer. Bei der Wahl setzte sich Güldner (15 Stimmen) gegen Fertl (9 Stimmen) durch.

Für den Posten des Dritten Bürgermeisters gab es im Anschluss keine Vorschläge. Dementsprechend schritt man gleich zu Wahl und Auszählung. Die Ergebnisse: Franz Mayer (12 Stimmen, CSU), Michael Lechner (5 Stimmen, FW), Markus Seemüller (3 Stimmen, FW), Paul Fertl (2 Stimmen, SPD) und Christian Mittermaier (1 Stimme, CSU).

Als neue Miesbacher Stadträte wurden (v.l.) Malin Friese (Grüne), Florian Hupfauer (FDP), Alois Fuchs (CSU), Aline Brunner (Freie Wähler Miesbach-Parsberg-Wies), Florian Perkmann (SPD), Andreas Lechner (CSU) und Petra Six (CSU) vereidigt.

Bei der konstituierenden Sitzung wurden natürlich auch die sieben neuen Stadtratsmitglieder vereidigt und begrüßt: Aline Brunner (FW), Malin Friese (Grüne), Florian Hupfauer (FDP), Florian Perkmann (SPD), Alois Fuchs, Andreas Lechner und Petra Six (alle CSU). Als Fraktionsvorsitzende fungieren Erhard Pohl (CSU), Markus Seemüller (FW), Paul Fertl (SPD) und Manfred Burger (Grüne).

Es folgte praktisch einmütig die Benennung von Stadtratsmitgliedern für die einzelnen Referate: Michael Lechner (FW, Anlagen-, Bau- und Friedhofsreferat), Erhard Pohl (CSU, Bad), Florian Hupfauer (FDP, Bauhof und Wasser), Malin Friese (Grüne, Familienreferat), Manfred Burger (Grüne, Gebäude, Energie und Umwelt), Inge Jooß (SPD, Integration), Christian Mittermaier (CSU, Jugend), Verena Assum (CSU, Kultur und Tourismus), Florian Ruml (FW, Mobilität), Hedwig Schmidt (SPD, Sozialreferat) und Aline Brunner (FW, Sport). maf

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Coronavirus im Landkreis Miesbach: 7-Tage-Inzidenz steigt weiter
Coronavirus im Landkreis Miesbach: 7-Tage-Inzidenz steigt weiter
Coronavirus im Landkreis Miesbach: Die wichtigsten Beschlüsse des Corona-Gipfels
Coronavirus im Landkreis Miesbach: Die wichtigsten Beschlüsse des Corona-Gipfels
Tödlicher Unfall nahe Holzkirchen: Frau (56) wird eingeklemmt und stirbt
Tödlicher Unfall nahe Holzkirchen: Frau (56) wird eingeklemmt und stirbt
Schönheitskur für Markt: So wird Holzkirchens Wohnzimmer umgestaltet
Schönheitskur für Markt: So wird Holzkirchens Wohnzimmer umgestaltet

Kommentare