Sortenerhaltungsprojekt in der Kreisstadt

Miesbach sucht Flächen für Äpfel und Birnen

Neu gepflanzte Obstbäume auf Feld, Äpfle und Birnen
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150 nachgezogene Apfel- und Birnensorten aus dem Alpenvorland suchen eine neue Bleibe.

Miesbach - Die Kreisstadt möchte sich am Projekt „Apfel, Birne, Berge – alte Obstsorten im Alpenvorland“ beteiligen. Es ist ökologisch wertvoll und bietet viele Chancen.

Freiherr von Berlepsch, Herzogin Olga und Kaiser Wilhelm. Sie könnten vielleicht bald in Miesbach anzutreffen sein, genauso wie der Linsenhofer Sämling. Sie sind vier von insgesamt 150 nachgezogenen Apfel- und Birnensorten, die im oberbayerischen Voralpenland wachsen sollen. Dafür sind allerdings geeignete Flächen nötig. In Miesbach wird gerade geprüft, ob es welche gibt und ob die Stadt sich am Projekt „Apfel, Birne, Berge – alte Obstsorten im Alpenvorland“ beteiligt.

Bereits zur Stadtratssitzung im Juni hatte Astrid Güldner für die Grünen-Fraktion beantragt, dass die Stadt ihre eigenen Fläche prüft, ob diese geeignet sind. Gegen drei Stimmen beauftragte der Stadtrat die Verwaltung. Wie Güldner auf Nachfrage erklärte, sind nun zwei Flächen in der engeren Auswahl: eine kommunale und eine private. Da nicht endgültig geklärt ist, ob es auf einer der beiden auch wirklich klappt, hätte Güldner auch nichts gegen weitere Vorschläge: „Vielleicht hat ja noch ein Landwirt eine geeignete Wiese.“ Diese sollte 5000 Quadratmeter groß sein – und damit genug Platz bieten, um 50 Bäume zu pflanzen und diese dann auch anschauen zu können. Denn das Ziel ist nicht nur der Erhalt der Sorten.

Die Streuobstwiesen stellen auch Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten dar und sind damit ökologisch besonders wertvoll. Was durch dieses Biodiversitätsprojekt entsteht, sollen Menschen erleben. „Das wird auch ein pädagogisch wertvoller Ort“, erklärt Güldner. Sie hält die Kreisstadt für einen idealen Standort für einen Sortenerhaltungsgarten. „Wir sind Schulstadt und zentral gelegen, sodass uns Interessierte aus dem ganzen Landkreis gut erreichen und den Schaugarten besuchen und nutzen können“, sagt sie. Die Vize-Bürgermeisterin, die während ihrer Urlaubsvertretungszeit die Suche nach geeigneten Flächen vorantrieb, sieht großes Potenzial: Schulklassen könnten den Garten besuchen, ein Streuobstpädagoge würde Führungen anbieten, Gartenbauvereine könnten dort beispielsweise ihre Obstbaumschnittkurse abhalten. Auch touristisch sei das Projekt wertvoll, findet Güldner. „Da könnte Miesbach schon einiges rausholen“, ist sie überzeugt.

Dabei kommt auf die Stadt kaum Arbeit zu. Die Kosten für die Pflanzungen übernimmt der Projektträger, genauso die Pflege des Sortenerhaltungsgartens. Mit dabei sind die Landkreise Traunstein, Rosenheim, Miesbach, Bad Tölz-Wolfratshausen und Weilheim-Schongau sowie die Biosphärenregion Berchtesgadener Land und der Bezirksverband Oberbayern für Gartenkultur und Landespflege. Im Auftrag der Regierung von Oberbayern wurden in den sechs Voralpenlandkreisen seit 2015 seltene Apfel- und Birnensorten gesucht und bisher rund 250 entdeckt. Diese laut Projektbeschreibung vergessenen Sorten werden nachgezogen und in Sortenerhaltungsgärten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Vielleicht bald auch in Miesbach. ft

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