Erschütternder Vorfall

Mountainbiker schlägt Gebietsbetreuer: So reagiert der Landkreis

So ruhig wie hier ist es selten im Voralpenland – und es kommt immer wieder zu Problemen mit Mountainbikern.
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So ruhig wie hier ist es selten im Voralpenland – und es kommt immer wieder zu Problemen mit Mountainbikern.

Miesbach/Landkreis – Die Probleme mit Freizeitsuchenden werden größer. Nun ist eine neue Stufe des Konflikts erreicht. Landrat Olaf von Löwis will daher nun zügig reagieren.

Das bayerische Voralpenland und damit auch der Landkreis Miesbach bieten wunderschöne Touren für Wanderer, Bergsteiger und Radsportler. Ob die hügelige Landschaft oder die Berge im Süden – sie ziehen eine Vielzahl an Outdoor-Begeisterten an. Sie genießen die Natur auf den vielen Wegen und Routen. In der Regel klappt das alles gut, doch es gibt auch Probleme. Und sie nehmen zu, wie nicht zuletzt im Umweltausschuss am vergangenen Mittwoch deutlich wurde. Ein besonders drastischer Vorfall ereignete sich am vergangenen Sonntag, als ein Mountainbiker – ein E-Biker Ü60 und kein junger Wilder – Gebietsbetreuer Florian Bossert schlug.

„Erschütternd, nicht hinnehmbar“, echauffierte sich Landrat Olaf von Löwis in der Sitzung des Kreisausschusses drei Tage später. Die Empörung war bei allen Mitgliedern groß. Sie berichteten über ein Vielzahl von Problemen vor allem, aber nicht nur mit Mountainbikern. Für kommenden Montag kündigte der Landrat einen Runden Tisch an, um Lösungen zu erarbeiten.

Der Vorfall vom Sonntag sorgt für Erschütterung. Bossert, Gebietsbetreuer für das Mangfallgebirge im Landkreis Miesbach, war wieder einmal im Rotwandgebiet unterwegs, um Erholungssuchende und Mountainbiker über das Landschaftsschutzgebiet aufzuklären. „Bis zum frühen Nachmittag führte der Beauftragte über hundert Gespräche“, teilt die Polizei mit. Da ging alles gut.

Nicht so gegen 13.30 Uhr, als er zwei etwa 65 Jahre alte Radler ansprach, die sich laut Polizeibericht im Bereich des Pfannengrabens völlig unbeeindruckt von den Verordnungen des Landschaftsschutzgebietes zeigten. Einer der beiden Männer ging dann plötzlich auf den Mitarbeiter des Landratsamtes los, der durch seine Kleidung auch als solcher zu erkennen war, schlug ihn, schubste ihn zu Boden und baute sich bedrohlich über ihm auf. Eine Wandergruppe wurde darauf aufmerksam, sodass die beiden älteren Mountaibiker von Florian Bossert abließen und davonfuhren.

Für Olaf von Löwis, der den Vorfall scharf verurteilte, forciert dieser den Handlungsbedarf. „Wir müssen uns noch intensiver damit beschäftigen“, sagte er. Ein dazu passender Punkt – zwei Vollzeitstellen für Ranger – hatte auf der Tagesordnung gestanden, wurde aber kurzfristig abgesetzt. Das habe nichts mit dem Angriff auf Bossert zu tun, sondern mit einer unausgegorenen Vorlage. „Überraschend ist auch das Thema Jagd hinzugekommen“, erklärte der Landrat. Darüber erst später zu entscheiden, bedeute keinen Zeitverlust, sagte er. Denn die beiden Posten seien ohnehin erst im Stellenplan für 2021 vorgesehen.

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Schnell gehen soll es aber bei der Arbeit an Lösungen zu den Thema Naturschutz, Mountainbike, Freizeitdruck. Am kommenden Montag werden Vertreter der Tourismusorganisationen ATS und TTT, Bürgermeister, Almbauern, Deutscher Alpenverein, Forst, AELF und Mitarbeiter des Landratsamtes zusammenkommen. Dass es wohl um mehr gehen wird als nur um Mountainbiker, zeigte sich in der Diskussion. Christian Köck (CSU) möchte nicht alle über einen Kamm scheren, wusste aber auch von ungenehmigt eingerichteten Kletterrouten in Schutzgebieten in seiner Gemeinde zu berichten. „Da wird campiert und Müll liegengelassen“, ärgert er sich.

„Wir haben die Probleme auch auf landwirtschaftlichen Flächen“, sagte Alois Fuchs (CSU). Dass man nicht durch langes Gras geht und radelt interessiere kaum jemanden. Dass Wiesen zwischen April und Oktober ohnehin tabu sein sollten, wisse kaum jemand. Früher sei das in der Schule vermittelt worden. „Die Ich-Mentalität ist das Schlimmste“, sagte Martin Taubenberger (FWG). Und Martin Beilhack (BP) möchte das Eigentum wieder stärken. Dass der Respekt verloren gegangen sei, zeigen beispielsweise illegal in Wäldern angelegte Biketrails. „Bei vielen ist der gesunde Menschenverstand verloren gegangen“, findet Leonhard Obermüller (CSU). Ein wenig helfen könne da die geplante Projektwoche für Grundschüler, erklärte Marlene Hupfauer (FWG).

Für Robert Wiechmann (Grüne) ist die fehlende Verhältnismäßigkeit ein großes Problem, um zu sanktionieren. „Ein polizeiliches Vorgehen wird uns nicht weiterhelfen“, glaubt er. „Da sind die Strafen zu gering.“ Für 20 Euro könne man keinen Zwang anwenden. Wiechmanns Ansatz: „Aufklärung in der Fläche.“ Sein Fraktionskollege Gerhard Waas plädierte dafür, ein Zeichen zu setzen mit einem Beschluss, obwohl der Tagesordnungspunkt vertagt worden war. So stimmte das Gremium dann auch dafür, weiter daran zu arbeiten, Ranger einzusetzen. Lediglich Beilhack plädierte aus Kostengründen für Ehrenamtliche.

Landrat von Löwis ist zudem wichtig, dass die Mitarbeiter und Helfer grundsätzlich zu zweit unterwegs sind. Das gebe Sicherheit. „Und man hat einen Zeugen“, sagte von Löwis. ft

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