Tag der offenen Tür bei Oberland-Werkstätten

Womit Miesbacher mit Handicap die Sozialministerin begeistern

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OLW-Mitarbeiterin Melanie Buchberger zeigte (v.r.) Sozialministerin Kerstin Schreyer, Oliver Gosolits, Geschäftsführer der Oberland-Werkstätten, und Landrat Wolfgang Rzehak ihre Tätigkeit – die Montage von Rollensystemen mit Kugelelementen.

Miesbach - Beim Tag der offenen Tür in den Oberland-Werkstätten haben Menschen mit Behinderung gezeigt, was sie können. Zudem gab es hohen Besuch aus München.

„Hier gibt es Chancen für Menschen im Landkreis, die es nicht so einfach haben. Danke“, lobte Landrat Wolfgang Rzehak die Oberland-Werkstätten. Die Institution im Miesbacher Gewerbegebiet-Nord bot an ihrem gut besuchten Tag der offenen Tür am vergangenen Freitag ein kurzweiliges und informatives Programm. Dabei wurde die Arbeit der Oberland-Werkstätten vorgestellt, von der sich auch die bayerische Sozialministerin Kerstin Schreyer (CSU) ein Bild machte.

Zudem lag der Fokus diesmal auf Menschen mit psychischen Behinderungen. Dazu haben die Werkstätten ein neues Angebot: den Oberland-Impuls. Ein Fachreferat zum Thema Depression und Burn-out bot Michael Landgrebe, Chefarzt der kbo-Lech-Mangfall-Klinik Agatharied. Abgerundet wurde der Tag mit der Vorstellung eines Mitarbeiters mit Behinderung, der durch die Oberland-Werkstätten eine Festanstellung bei der Firma Bergzeit gefunden hat.

„Als Psychiater muss man keine Angst haben, arbeitslos zu werden“, begann Landgrebe sein Referat. Psychische Störungen würden immer mehr und beträfen inzwischen 40 Prozent der europäischen Bevölkerung. Zudem gäbe es dadurch auch immer mehr Fehltage im Arbeitsleben. Bei anderen Erkrankungen stagniere deren Anzahl weitestgehend. Zur Entstehung von Depressionen und Burn-out würden verschiedene Faktoren beitragen, etwa chronische Erkrankungen, Veränderungen im Tag-Nacht-Rhythmus oder auch akute Verluste wie Tod und Scheidung.

Ein Problem bei Depressionen stelle zudem deren Stigmatisierung dar. „Aber da muss man sich nicht schämen. Das ist eine Erkrankung – wie ein Herzinfarkt“, sagte Landgrebe. Ein Burn-out äußere sich als emotionale Erschöpfung, ein klarer Mangel an Begeisterungsfähigkeit und einer subjektiv erlebten, reduzierten Leistungsfähigkeit. Es könne sich eine Depression entwickeln, bei der man nichts mehr freudvoll wahrnehme und immer mehr in Zynismus verfalle. Wenn der Zustand vier Wochen bestehe, müsse man sich Hilfe suchen.

Wichtig beim Erkennen des Burn-outs sei die Achtsamkeit gegenüber sich selbst, die Wahrnehmung des Problems. Zur Prävention sollte man eine gute Work-Life-Balance etablieren, sich Freiräume schaffen, auch einmal Nein sagen und sich nicht isolieren, lautete der Rat des Chefarztes.

Beim Tag der offenen Tür informierten sich die Besucher über die Oberland-Werkstätten.

Am späteren Nachmittag traf dann Besuch aus München bei den Oberland-Werkstätten ein: Sozialministerin Schreyer nahm – wie viele andere Gäste – die Möglichkeit wahr, die verschiedenen Arbeitsbereiche der Institution für Menschen mit Behinderungen kennenzulernen. Dabei zeigte sie sich sehr angetan.

Die Ministerin – selbst Diplom-Sozialpädagogin – erklärte, dass sie sich bereits viele Einrichtungen angesehen habe und sich nach wie vor gerne vor Ort informiere. „Ich bin immer wieder begeistert, mit wie viel Liebe zu den Menschen und Fachkenntnis hier gearbeitet wird“, war sie beeindruckt.

Welche Ziele sie für die Inklusion habe, wollte Moderator Christoph Götz von Radio Alpenwelle bei einem Interview auf der Bühne wissen. Bewährtes solle beibehalten und mit neuen Angeboten ergänzt werden, sagte Schreyer: „Wir müssen die Politik auf den Einzelnen zuschneiden – mit und ohne Behinderung.“

Wie viel Menschen mit Behinderung leisten, zeigte im Anschluss Patrick Steger, der nach zwei Jahren nun eine Festanstellung im Lager der Firma Bergzeit hat. Er freute sich über seine erfolgreiche Übernahme: „Es ist zu schaffen, wenn man Interesse an den Artikeln mitbringt und Teamfähigkeit.“ Das ist bei ihm auf alle Fälle so, wie Bergzeit-Personalreferentin Jessica Blank erklärte. „Patrick ist sehr engagiert und hat immer ein Lächeln auf den Lippen“, lobte sie. Ein Problem habe es bei der Festanstellung allerdings gegeben: Der Antrag auf Integration habe fast neun Monate in Anspruch genommen.

Am Tag der offenen Tür boten die Oberland-Werkstätten natürlich auch ein Rahmenprogramm. Eine Fotobox stand für Erinnerungsbilder bereit. Die Kinder durften eine Wand mit farbigen Kreiden verzieren und die hauseigene Küche stellte die schmackhafte kulinarische Versorgung sicher. maf

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