Trend im Landkreis Miesbach

Warum Milchtankstellen während der Corona-Pandemie beliebt sind

Die 12-jährige Angela Ellmeier freut sich schon auf die frische Biomilch der Familie Kordes aus Gmund-Dürnbach.
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Die 12-jährige Angela Ellmeier freut sich schon auf die frische Biomilch der Familie Kordes aus Gmund-Dürnbach.

Landkreis – Milchtankstellen im Landkreis Miesbach werden seit Beginn der Corona-Pandemie häufiger genutzt. Landwirte freuen sich über die Wertschätzung für ihre Arbeit.

Seit Beginn der Corona-Krise werden die Milchtankstellen auf den Bauernhöfen im Landkreis häufiger frequentiert. Der für die Landwirte positive Trend birgt die Chance für einen wertschätzenderen Umgang mit Lebensmitteln und deren Herstellern in der Region. Davon sind die Vertreterinnen der Öko-Modellregion Miesbacher Oberland überzeugt. Sie ermuntern die Bürger im Landkreis deshalb, das Milchzapfen einmal selbst auszuprobieren.

Kathleen Ellmeier, Mitarbeiterin der Öko-Modellregion Landkreis Miesbach: „Vielen Verbrauchern wird durch die Pandemie wieder bewusst, wie wichtig eine Versorgung mit regionalen Lebensmitteln ist. Beim Milchholen auf dem Bauernhof sehen sie, wo das Produkt Milch herkommt, wie die Tiere gehalten werden und wer die Menschen sind, die sie versorgen. Wer gerne Milch trinkt, sollte Milchtankstellen unbedingt einmal selbst ausprobieren.“

Milchholen wie früher dank moderner Technik

Das Prinzip der Milchtankstellen ist einfach: Bauernhof mit Milchautomat aussuchen, mitgebrachte oder vor Ort gekaufte Flaschen mit Rohmilch befüllen – fertig. Eine Liste aller Automaten gibt es online. Per Automat kann an sieben Tagen in der Woche gezapft werden, solange der Vorrat reicht. Die Selbstbedienungsautomaten füllen die gekühlte Milch per Knopfdruck und hygienisch sicher in Flaschen ab. Bezahlt wird in bar.

Das Besondere an der Milch

Die Milch ist so wenig wie möglich verarbeitet, wird lediglich gerührt und ist ansonsten naturbelassen. Die Rohmilch ist dementsprechend voller wertvoller Nährstoffe. Mit ihr kann Joghurt, Topfen und Käse selbst hergestellt werden.

Zwar werden die Kühe in den Milchbetrieben sehr sauber gemolken. Jedoch ist das Melken in einem Kuhstall kein steriler Prozess. Daher kann ein Eintrag von Krankheitserregern in Rohmilch auch bei einer vorbildlichen Melkhygiene niemals gänzlich ausgeschlossen werden. Deshalb wird empfohlen, sie vor dem Genuss für 20 bis 30 Sekunden auf 72 Grad zu erhitzen.

Bauernhoferlebnis noch dazu

Kathleen Ellmeier: „Viele Familien mit Kindern nutzen die Möglichkeit, den Einkauf mit einem Besuch auf dem Bauernhof zu verbinden. Aber auch ältere Menschen kennen das Milchholen noch von früher und freuen sich Besorgungen ohne den Gang in den Supermarkt erledigen zu können.“

Die willkommene Abwechslung abseits des eingeschränkten Alltags bietet zusätzlich seinen Reiz, denn das Bauerhoferlebnis gibt es ganz nebenbei noch dazu. Auch ist es eine gute Gelegenheit, mit den Landwirten selbst ins Gespräch zu kommen und etwas über die Milchviehhaltung zu erfahren.

Landwirte unterstützen

Milchtankstellen können einen Beitrag zur regionalen Wertschöpfung für Landwirte leisten und bäuerliche Familienbetriebe stärken. Deshalb fällt ihnen und anderen Maßnahmen der Direktvermarktung gerade in der Krise eine besondere Bedeutung zu, denn sie ermöglichen Betrieben ein weiteres Einkommen und helfen ihnen, rentabel zu bleiben. Außerdem liegen Selbstbedienungsautomaten im Trend: „Während es 2018 noch zehn Automaten im Landkreis Miesbach gab, sind es heute schon 18“, erklärt Öko-Modellregion-Managerin Stephanie Stiller.

Zwei Betriebe als Beispiel

  • Familie Waldschütz auf dem Birknerhof in Miesbach:

Schon über 40 Jahre holen Miesbacher Bürger dort frische Milch. Die automatische Milchzapfanlage war eine der ersten im Landkreis. Es gibt sie dort schon seit rund 18 Jahren. Mit großer Umsicht wird der Hof von mehreren Generationen bewirtschaftet.

Kinderleicht ist das Zapfen an der Milchtankstelle. Hier die 12-jährige Angela Ellmeier an der Milchtankstelle der Familie Waldschütz in Miesbach.

Auf die Frage nach Veränderungen seit Beginn der Pandemie erzählt die Austragsbäuerin: „Man hört jetzt wieder öfter Dankeschön für die gute Milch von den Kunden.“ Kathleen Ellmeier: „Diese Wertschätzung ihrer täglichen Arbeit und ihrer erzeugten Produkte hat den Landwirten auch im Landkreis Miesbach gerade im vergangenen Jahr gefehlt.“ Der Landwirt Hans Waldschütz lässt seine behornten Tiere gerne auf der Weide grasen und hofft, dass das Bewusstsein für heimische Lebensmittel auch nach der Krise anhält, und freut sich über jeden Milchholer.

  • Familie Kordes auf dem Soldatenhof in Gmund:

Seit 2016 gibt es die Milchtankstelle auf dem Biohof der Familie Kordes in Dürnbach. Anfang 2019 kam dann noch auf vielfachen Kundenwunsch die Hühnerhaltung mit dem dazugehörigen Eierautomaten dazu. Auch dort ist die Nachfrage durch die Corona-Krise gestiegen. „Vielleicht weil die Leute jetzt mehr daheim kochen, aber auch weil ein Einkauf der Milch auf dem Hof ein geringeres Infektionsrisiko birgt oder einfach, weil man sich wieder bewusst geworden ist, wie wichtig eine Lebensmittelversorgung vor Ort ist“, spekuliert Klaus Kordes. Ihn freut es, dass seine Produkte wertgeschätzt werden. Zusammen mit seiner Frau Annemarie gibt er gerne Interessierten Auskunft über seine Milchvieh- und Hühnerhaltung. ksl

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