Kreis stellt Pläne vor

Ersatzbau fürs Miesbacher Landratsamt: Ein Punkt sorgt für viel Kritik

Unter anderem muss das Haus E (links) für den Ersatzbau des Landratsamtes weichen. Der soll nach den aktuellen Plänen ein Flachdach bekommen, damit das z-förmige Gebäude mit seinen vier Geschossen nicht höher als das bestehende Hauptgebäude (rechts) wird. Haus F (rechts vorne) bleibt durch den großzügigen Innenhof des Komplexes frei stehen.
+
Unter anderem muss das Haus E (links) für den Ersatzbau des Landratsamtes weichen. Der soll nach den aktuellen Plänen ein Flachdach bekommen, damit das z-förmige Gebäude mit seinen vier Geschossen nicht höher als das bestehende Hauptgebäude (rechts) wird. Haus F (rechts vorne) bleibt durch den großzügigen Innenhof des Komplexes frei stehen.

Miesbach – Das Landratsamt in Miesbach muss saniert werden. Dafür muss die Stadt ihr Okay geben. Nun wurde der aktuelle Stand der Pläne im Stadtentwicklungsausschuss vorgestellt.

Ein Flachdach in Miesbach. Da ist Skepsis, wenn nicht gar Abneigung gewiss. Nicht mal ein Großprojekt wie der Ersatzbau für das Landratsamt macht da eine Ausnahme. Wobei es durchaus eine Reihe guter Argumente für die flache Variante gibt. Diese hat Landrat Olaf von Löwis jüngst mit einer großen Delegation versucht, dem Stadtentwicklungsausschuss näher zu bringen. Unterstützung gab es letztlich zumindest von Stadtplaner Otto Kurz.

Eine Behörde, die auf elf Standorte verteilt ist, teilweise marode Bausubstanz, fehlende Barrierefreiheit und schlichtweg zu wenig Platz – der Bedarf für den Ersatzbau ist unbestritten. Entstehen soll er an der Münchner Straße, einer „prägenden Stelle bei uns in Miesbach“, wie Bürgermeister Gerhard Braunmiller sagte. Die Stadt muss den Plänen zustimmen. Landrat von Löwis versprach Transparenz und besuchte deshalb mit Kämmerer Gerhard de Biasio sowie sieben weiteren Mitarbeitern und beteiligten Planern den Stadtentwicklungsausschuss. „Das zeigt, wie wichtig das Projekt für den Landkreis ist“, sagte von Löwis.

Geplant sind ein z-förmiger Neubau mit Erd- und drei Obergeschossen für die Kreisbehörde sowie – auf der anderen Seite der Riezlerstraße, die verschoben werden muss – eine Wohnbebauung mit 20 Einheiten. Die nötigen Stellplätze entstehen in einer Tiefgarage, die sich unter nahezu dem gesamten Gelände ausdehnt. Durch die Z-Form des Ersatzbaus entsteht ein großzügiger Innenhof. Der gesamte Bereich öffnet sich in Richtung Stadtplatz.

„Das Ganze ist sehr gelungen“, urteilte Markus Seemüller (FWG). Von den anderen Fraktionen gab es ebenfalls Lob und deutliche Hinweise, das Bauvorhaben zu unterstützen. Doch es seien noch Änderungen nötig. Von Dachnuancen sprach Franz Mayer (CSU) anfangs vorsichtig. „Ein Flachdach ist in unseren Breiten nicht das Sinnvollste“, sagte er. „Ein Flachdach geht überhaupt nicht“, sparte Seemüller nicht an Kritik. Unpraktikabel, abenteuerlich und unästhetisch nannte er die Planung des begrünten Flachdachs, auf dem auch eine Photovoltaikanlage Strom produzieren soll. „Der einzige Punkt ist auch bei mir das Flachdach“, sagte Paul Fertl (SPD) und schlug ein flaches Satteldach vor. Denn, gab er zu bedenken, jedes Satteldach lasse das Gebäude noch wuchtiger erscheinen.

Lediglich Astrid Güldner (Grüne) kann sich ein Flachdach durchaus vorstellen. Sie findet, „in einer Kreisstadt muss nicht immer alles bäuerlich aussehen“. Das hatte zuvor Architekt Christian Boiger, zuständig für den Denkmalschutz beim Landratsamt, versucht zu vermitteln. Amtsgebäude hätten sich immer durch andere Dachformen optisch abgegrenzt. Er ist mit der Planung sehr zufrieden.

Dass vier Geschosse nötig sind, machte Landrat von Löwis deutlich. Und „mit jedem Hut obendrauf“ würde der Neubau höher als der Bestand nebenan, etwa das Hauptgebäude an der Rosenheimer Straße. Das Bild vom Hut nahm auch Boiger auf und machte klar, dass Proportionen stimmen müssen. „Irgendwann wird es sonst lächerlich“, sagte er.

Allerdings spielt das Flachdach nicht nur eine optische Rolle, sie dient auch als Regenrückhalt. Weil praktisch die gesamte Fläche durch die Tiefgarage – eine frühere Forderung der Stadt – versiegelt wird, ist die Entwässerung schwierig. „Das stellt uns vor ein riesiges technisches und finanzielles Problem ohne Flachdach“, sagte Boiger.

Dass ein solches in diesem Fall und an dieser Stelle die städtebaulich bessere Variante wäre, findet auch der für Miesbach tätige Städteplaner Otto Kurz. Sogar beim Blick von oben hält er die Begrünung dämpfend für die Wahrnehmung der Baumasse. Ein Satteldach würde seiner Meinung nach die Kubatur nochmal massiver erscheinen lassen. Er sagte, auch bei einem flachen Dach sollte allerdings ein Abschluss sichtbar sein.

Der Fassadengestaltung wird nicht nur deshalb eine bedeutende Rolle zukommen. Markus Baumgartner (CSU) regte noch einen Übergang von einem Obergeschoss des Hauptgebäudes zum Neubau an. Damit könnte auch Barrierefreiheit im Bestand geschaffen werden. Bürgermeister Braunmiller möchte für die weiteren Planungen im Dialog bleiben. ft

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Coronavirus im Landkreis Miesbach: 7-Tage-Inzidenz steigt weiter
Coronavirus im Landkreis Miesbach: 7-Tage-Inzidenz steigt weiter
Krankenhaus Agatharied: Neue Marke, neuer Chefarzt
Krankenhaus Agatharied: Neue Marke, neuer Chefarzt
Corona-Virus im Landkreis Miesbach: Diese Veranstaltungen sind abgesagt
Corona-Virus im Landkreis Miesbach: Diese Veranstaltungen sind abgesagt
Diese Frau leitet fortan die Spielbank in Bad Wiessee
Diese Frau leitet fortan die Spielbank in Bad Wiessee

Kommentare