Vision für Wohngebiet

Das plant die Stadt Miesbach für den Ortsteil Müller am Baum

Für Müller am Baum gibt es eine Vision. Die Pläne – in erster Linie soll Wohnraum entstehen – kamen im Miesbacher Stadtrat gut an.
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Für Müller am Baum gibt es eine Vision. Die Pläne – in erster Linie soll Wohnraum entstehen – kamen im Miesbacher Stadtrat gut an.

Miesbach – Neues Leben soll dem Ortsteil Müller am Baum eingehaucht werden. Es gibt Pläne für ein großes Wohngebiet mit Gewerbe und mehr.

Die Kreisstadt soll wachsen. Nicht im Zentrum, sondern ein bisschen abseits. Immer wieder fiel der Blick auf Müller am Baum, wenn es darum ging, Gewerbe anzusiedeln. Zu schwierig, hieß es aber meistens, wenn es um die Entwicklung des Gebietes ging. Doch nun tut sich eine Möglichkeit auf – und zwar mit dem Schwerpunkt auf Wohnen und nicht auf Gewerbe.

Hürden gibt es noch viele zu nehmen, wie Bürgermeisterin Ingrid Pongratz im Stadtrat klar machte. Doch die dort gezeigten Pläne kamen gut an. Mit einer Gegenstimme (Manfred Burger/Grüne) sprach sich das Gremium am Ende grundsätzlich für das Vorhaben aus. Es sieht ein Mischgebiet mit Gewerbe, Gastronomie, etwa 200 Wohneinheiten, Kindergarten und Grünflächen vor.

Ein großes Radl drehe die Stadt damit, sagte Florian Ruml (FWG) und rechnete damit, dass Miesbach 400 bis 500 neue Bürger bekommen werde. Derzeit liegen weite Bereiche in Müller am Baum brach, viele Gebäude stehen leer. Dabei birgt das Areal großes Potenzial, wie die Pläne zeigten, die Architektin Elisabeth Stürzer aus Gilching präsentierte.

Sie hat das Gebiet neu strukturiert – von Süden nach Norden. So soll an der Bundesstraße verträgliches Gewerbe entstehen und als natürliche Schallbarriere für das Wohngebiet dienen. Die Firmengebäude sollen die Wohnbebauung vor Lärm schützen. In Richtung Norden nehmen die Gebäudehöhen ab, bis hin zu Doppel- und Einfamilienhäusern, die an der Mangfall geplant sind. Zwei Gebäude sind für sozialen Wohnungsbau vorgesehen, außerdem 15 Mehrfamilienhäuser. Hinzu kommen ein Kindergarten mit Spielplatz und eine Tagespflege sowie ein zentraler Quartiersplatz als Treffpunkt.

Auch ein kleiner Einkaufsmarkt ist vorgesehen. Die Menschen, die nach Müller am Baum ziehen, sollen sich mit Lebensmitteln versorgen können, ohne nach Miesbach fahren zu müssen. Architektin Elisabeth Stürzer hat das komplette Gebiet mit einer sehr offenen Gestaltung geplant. So soll das Wasser stets erlebbar sein, Querverbindungen führen über den Kanal.

Viele offene Fragen in Müller am Baum: Vom Wasserschutzgebiet bis zur Erschließung des Areals

Bürgermeisterin Ingrid Pongratz hoffte auf ein eindeutiges Zeichen aus dem Stadtrat. Und das hat das Gremium gegeben, wenngleich noch einiges geklärt werden muss, wie Pongratz klar machte. So gibt es bisher keine öffentliche Erschließung. Und die Fläche – insgesamt ohne Wasser rund zehn Hektar – liegt im Bereich der geplanten Zone III bei einer Neuausweisung des Wasserschutzgebiets Thalham-Reisach-Gotzing.

Diesbezüglich zeigte sich Paul Fertl (SPD) optimistisch: „Wohnbebauung ist deutlich verträglicher als Industrie.“ Insgesamt sieht er aber einen positiven Schritt für Miesbach. Und wie Architektin Elisabeth Stürzer erklärte, würden knapp 17.000 Quadratmeter der Fläche versiegelt. Derzeit seien es mehr als 20.000 Quadratmeter. Franz Mader (Freie Wähler) nannte die Planung gefällig, sein Fraktionssprecher Michael Lechner bezeichnete sie als hochinteressant und das, was man sich wünscht.

Einen Wunsch hat auch Fertl noch: „Es muss a bissl mehr Soziales passieren.“ Zwei Häuser für sozialen Wohnungsbau findet er zu wenig. Astrid Güldner (Grüne) verwies darauf, dass eine gute Anbindung an Miesbach sowohl über den ÖPNV als auch über Rad- und Gehwege nötig sei. „Da entsteht ein Dorf für sich“, sagte Inge Jooß (SPD) und drängte ebenfalls auf gute Verbindungen. Die Entfernung zu Miesbach sorgt bei Grünen-Fraktionssprecher Manfred Burger für Bedenken: „Ich glaube nicht, dass da unten jemand ohne Auto einziehen wird.“

Lob kam von allen Seiten dafür, dass an einen eigenen Kindergarten für das Viertel gedacht wurde. Verena Assum (CSU) hatte auch die älteren Kinder im Blick, die sicher im Viertel in den Schulbus einsteigen können sollen. Wie Architektin Stürzer bestätigte, sind den in Zusammenarbeit mit dem Projektentwicklungsunternehmen Vilgertshofer aus Alling erarbeiteten Planungen viele Gespräche mit den Eigentümern vorangegangen. Die hatten sich bisher nicht auf eine gemeinsame Lösung für die Zukunft einigen können. Diese erste Hürde ist bereits genommen. ft

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