Autofrei als Ziel?

Miesbacher diskutieren über Zukunft ihres Marktplatzes

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Im Rahmen der „5. Brotzeit am Marktplatz“ lud die Initiative Miesbacher Marktplatz Vertreter der im Stadtrat präsenten Parteien zu einer Podiumsdiskussion ein. Moderiert wurde die Veranstaltung von Lisa Hilbich (4.v.l.). Den Fragen stellten sich (v.l.) Walter Fraunhofer (SPD), Markus Seemüller (FWG), Florian Hupfauer (FDP), Franz Mayer (CSU) und Astrid Güldner (Grüne).

Miesbach - Wie geht es weiter mit dem Miesbacher Marktplatz? Diese Frage ist am vergangenen Freitag vor Ort diskutiert worden - mit einigen interessanten Ideen.

Unter dem Motto „Quo vadis Marktplatz?“ lud die Initiative Miesbacher Marktplatz vergangenen Freitag zu einer Podiumsdiskussion. An der von Lisa Hilbich, Vorsitzende der Initiative, moderierten Fragerunde nahmen Vertreter aller fünf im Stadtrat sitzenden Parteien teil. Einigkeit herrschte darüber, dass für die Weiterentwicklung eine sachliche Diskussion notwendig ist. Der Tenor der Fragesteller unter den rund 50 Zuhörern war, dass der Marktplatz auto­frei werden soll und der Umbau entschieden zu langsam geht.

Am Willen, dem Marktplatz zu mehr Aufenthaltsqualität zu verhelfen, mangelte es den Parteienvertretern nicht. Einigkeit bestand auch darin, dass die Verwirklichung stark vom finanziellen Spielraum der Stadt abhängt. Wie Astrid Güldner (Grüne) sagte, muss jetzt erst einmal die vom Stadtrat beschlossene Evaluierung der bisher durchgeführten Arbeiten durch ein Fachgremium abgewartet werden: „Erst danach können wir mit Städteplanern, Politikern, Geschäftsleuten und der Ini­tiative Miesbacher Marktplatz die nächsten Schritte planen.“ Wobei die Grünen einen Marktplatz mit möglichst wenig und am besten gar keinen Autos anstreben.

Die Autos sähe auch Walter Fraunhofer (SPD) lieber außerhalb des Marktplatzes. Er mahnte aber, darüber nicht die älteren Mitbürger und die Geschäftsleute zu vergessen. Bevor nicht eine vernünftige Parkinfrastruktur geschaffen ist, die kurze Wege zu den Geschäften ermöglicht, sieht hingegen Franz Mayer (CSU) die Diskussion um einen autofreien Marktplatz als verfrüht. Zeitnah sollte aber nach Mayers Vorstellungen die Barrierefreiheit auf beiden Seiten des Markplatzes hergestellt werden: „Wir müssen Gutes erhalten und Schlechtes verbessern.“

Wenn Geld keine Rolle spielen würde, könnte sich FDP-Bürgermeisterkandidat Florian Hupfauer ein Parkhaus gut vorstellen: „Wir müssen jetzt schauen, was real möglich und im Konsens umsetzbar ist. Die Entwicklung ist für Miesbach extrem wichtig und darf die Bürger nicht spalten.“

Warum das alles so lange dauert und wie die konkreten Planungen aussehen, wurde aus dem Publikum nachgefragt und treffend von Fraunhofer zusammengefasst: „Leider habe ich keine Glaskugel, in der das zu lesen ist. Es handelt sich um einen Prozess, der sehr viel Fingerspitzengefühl erfordert und bei dem die Finanzen genau im Auge behalten werden müssen. Warten wir jetzt erst einmal die Evaluierung ab.“

Den Wunsch der beiden jungen Miesbacherinnen Isabell und Magdalena (beide 8): „Für uns wäre es besser, wenn die Autos aus dem Marktplatz verschwinden“, griff Markus Seemüller (FWG) auf. Er könne zwar die Ängste der Geschäftsleute nachvollziehen, aber in einer Demokratie gehe es auch darum, Mehrheiten zu schaffen und den Mut zu haben, etwas zu wagen: „Lasst uns möglichst viele Menschen mitnehmen und auf die Kinder und die alten Leute hören. Es heißt, die sagen die Wahrheit.“

Passend dazu meldete sich Centa Beer (91) zu Wort. Die Münchenerin, die seit 1978 die Sommermonate in Miesbach verbringt, erinnerte sich, als der Münchener Marienplatz zur Fußgängerzone wurde: „Damals gab es einen Riesenaufschrei, bei dem auch mein Mann und ich dabei waren. Heute kann man dort schön sitzen, einen Kaffee trinken oder etwas essen und danach in den Läden vorbeischauen. Ich glaube, das wäre auch in Miesbach so.“

Zum Abschluss wollte Hilbich wissen, was sich denn ihre Podiumsgäste wünschen, wenn sie sich in einem Jahr wieder auf dem Marktplatz treffen. Während Fraunhofer und Hupfauer gemütlich mit ihren Familien Kaffee trinken wollen, würde Mayer gerne mit allen Beteiligten ein gutes Gespräch führen. Güldner könnte sich vorstellen, mit Ministerpräsident Markus Söder ein Bier zu trinken und ihm den schönen Marktpatz zu zeigen – und Seemüller würde am liebsten mit Ex-US-Präsident Barack Obama eine Weißwurst essen. Der dringende Wunsch, die Diskussion um den Marktplatz wieder auf eine sachliche Ebene zu bringen, einte indes alle fünf. hac

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