Podiumsdiskussion mit den Landratskandidaten

Was Landrat Rzehak und seine Herausforderer nach der Wahl vorhaben

Bei der Podiumsdiskussion stellten sich neben Amtsinhaber Wolfgang Rzehak (4.v.r.) die Landratskandidaten (v.l.) Gisela Hölscher, Alois Ostermair, Christine Negele, Ursula Lex und Olaf von Löwis sowie (v.r.) Angela Sterr, Martin Beilhack und Andreas Hallmannsecker den Fragen von Stephen Hank (M.).
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Bei der Podiumsdiskussion stellten sich neben Amtsinhaber Wolfgang Rzehak (4.v.r.) die Landratskandidaten (v.l.) Gisela Hölscher, Alois Ostermair, Christine Negele, Ursula Lex und Olaf von Löwis sowie (v.r.) Angela Sterr, Martin Beilhack und Andreas Hallmannsecker den Fragen von Stephen Hank (M.).

Miesbach – Bei einer Podiumsdiskussion des Miesbacher Merkur im Waitzinger Keller sind Landrat Wolfgang Rzehak und seine acht Herausforderer aufeinander getroffen.

So voll wie im Saal war es auch auf der Bühne im Waitzinger Keller. Bei der Podiumsdiskussion des Miesbacher Merkur zur Landratswahl füllten interessierte Bürger genauso die Stuhlreihen wie sich im Wahlkampfmodus befindliche Lokalpolitiker. Gleich neun davon besetzten das Podium. Dort begrüßte Redaktionsleiter Stephen Hank Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) und die acht Konkurrenten, die ihm das Amt streitig machen wollen: Olaf von Löwis (CSU), Christine Negele (SPD), Andreas Hallmannsecker (Freie Wählergemeinschaft), Ursula Lex (FDP), Gisela Hölscher (Freie Wähler), Martin Beilhack (Bayernpartei), Angela Sterr (Die Linke) und Alois Ostermair (AfD).

Es bewerben sich so viele um den Landratsposten wie noch nie. Und so mussten einige Kurzfragerunden im Twitter-Stil her, um die Vielfalt der Themen überhaupt einigermaßen abarbeiten zu können. Bei manchen anderen waren auch durchaus längere Antworten erwünscht, und so entwickelte sich für die Besucher ein unterhaltsamer Abend. In Teilen war er sicher auch aufschlussreich für den einen oder anderen unentschlossenen Wähler.

Während Amtsinhaber Rzehak und seinem im Selbstverständnis der Partei an Nummer eins der Herausforderer stehenden Konkurrenten von Löwis die Anspannung anzumerken war, schimpfte etwa Beilhack munter drauf los. Fleißig gepunktet hat SPD-Kandidatin Christine Negele. Konzentriert hatte sie auf jede Frage eine aussagekräftige Antwort, präsentierte konkrete Vorschläge und Visionen. Und sie zeigte sich durchsetzungsfähig. So ließ sie sich nicht auf ein kurzes Statement zu bezahlbarem Wohnraum festlegen. „Das ist ein zu wichtiges Thema“, sagte Negele und sprach sich dafür aus, „dass keine Gemeinde mehr auch nur einen Quadratmeter Grund verkaufen darf“, höchstens noch auf Erbpacht vergeben.

Podiumsdiskussion der Landratskandidaten: Unterschiedliche Ziele

Andreas Hallmannsecker gelang es, sich als kompetenter und erfahrener Kommunalpolitiker zu präsentieren. Nach 30 Jahren in der Kommunalpolitik und zwölf Jahren als Valleyer Bürgermeister fühle er sich noch zu jung für die Rente. Um neuen Wohnraum zu schaffen, sprach er sich dafür aus, höher bauen zu lassen. Die guten Einnahmen des Landkreises würde Hallmannsecker „unter die Leute bringen“. Schulden wie geplant abbauen, „aber Sondertilgungen müssen wir nicht machen“, sagte er. „Lieber jetzt investieren“, findet Hallmannsecker.

Davor hatte Rzehak als Ziel ausgegeben, den Schuldenstand des Landkreises weiter konsequent zu reduzieren und in der nächsten Legislaturperiode auf unter 50 Millionen Euro zu senken. Rzehak musste sich immer wieder Angriffen seiner Herausforderer erwehren. Am heftigsten attackierte ihn Martin Beilhack, der zur – seiner Meinung nach künstlich aufgeblähten – Landkreisverwaltung etwa meinte: „Der Fisch stinkt vom Kopf her.“ Auch sonst sparte er nicht mit deftigen Sprüchen, gab sich urbayerisch und um einfache Lösungen bemüht. „Schaut‘s mi o“, antwortete er etwa auf die Frage, was ihn für das Amt des Landrats qualifiziere.

Praktisch das Gegenteil – leise und zurückhaltend – saß neben ihm Linken-Kandidatin Angela Sterr. Ihr wohl interessantester Vorschlag: Um den ÖPNV zu stärken, solle jeder Haushalt einen Beitrag ähnlich der Rundfunkgebühr bezahlen. Dafür wären dann keine Fahrkarten mehr nötig. Das bei Kontrolleuren und Automaten eingesparte Geld könnte in Fahrzeuge investiert werden. Ansonsten gab sie wie Alois Ostermair als Polit-Neuling zu, sich in die großen Themen erst einarbeiten zu müssen. So waren vom AfD-Kandidaten auch keine Angriffe zu hören. Er sprach sich für neue Wege und neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit aus. Die fehlende Erfahrung in der Kommunalpolitik sieht er als Chance, da er völlig unbefangen starten könne.

Podiumsdiskussion der Landratskandidaten: Wasserschutzzone Thema

Das Liberale möchte die FDP-Kreisvorsitzende Ursula Lex „auch im Landkreis voranbringen“. Allerdings ist es ihr an dem Abend kaum gelungen, ihre Positionen klar einzubringen. Auch Gisela Hölscher, die für die Partei „Freie Wähler“ antritt und auf ihren „direkten Draht in den Landtag“ verwies, wusste nur selten zu überzeugen. Sie forderte immer wieder den Blick über die Landkreisgrenzen hinaus.

Mit dem Thema Neuausweisung des Wasserschutzgebiets hatte sie schon zu punkten versucht, als sie den Einzug in den Landtag schaffen wollte. Auch am Dienstagabend (4. Februar) nutzte sie es für eine Attacke auf Rzehak: „Die Frage ist, welchem Herrn diene ich“, sagte Hölscher und mutmaßte im Fall von Rzehak: „Dem größten Grundbesitzer im Landkreis“. Gemeint waren die Stadtwerke München.

Hinsichtlich des Erörterungstermins im Waitzinger Keller, der für jede Menge Ärger sorgte, sagte von Löwis in Richtung Rzehak: „Deine Stärke scheint nicht Kritikfähigkeit zu sein.“ Stattdessen schrieb er dem Landrat Besserwisserei zu. „Wenn jemand anderes als ich Landrat wird, was ich nicht glaube, wird er nicht anders handeln können, als ich gehandelt habe“, entgegnete Rzehak und kündigte den ihm vorgegebenen Neustart des Verfahrens an. Rzehak werde nicht den Kopf einziehen, es gehöre dazu, heiße Themen anzupacken, sagte er.

Da setzte auch Negele zum Angriff auf CSU und FWG an. Deren frühere Landräte hätten „das Thema in der Schublade verschwinden lassen“. Und wenn ein Grüner es angehe, „wird von diesen beiden Parteien zur Hatz geblasen“, ärgerte sich Negele.

Podiumsdiskussion der Landratskandidaten: Krankenhaus und Tourismus wichtig

So sehr hier die Meinungen divergieren, so wenig bietet ein anderes Thema Anlass zur Auseinandersetzung: Beim Thema Krankenhaus sind sich alle Bewerber einig, dass es in kommunaler Hand bleiben muss. Keinen Zweifel ließen die Kandidaten auch daran, dass sie den Tourismus für enorm wichtig für die Region halten. Nach der Bedeutung gefragt, setzte Olaf von Löwis die volle Punktzahl, Rzehak hingegen setzte die Acht auf einer Skala von eins bis zehn. „Es darf nicht sein, dass der Tourismus alles überdeckt“, sagte er und bekam überraschende Zustimmung von Beilhack: „Des gibt‘s ja gar net, do muaß i am Greana recht gebn.“

Der zeigte sich in erster Linie optimistisch und machte deutlich, wie gerne er weitere sechs Jahre für „diesen wunderbaren Landkreis“ arbeiten würde. Eine Legislaturperiode reiche nicht, um Großes durchzusetzen, glaubt er – ein Seitenhieb auf von Löwis, der aufgrund seines Alters keine zweite Amtszeit Chef im Landratsamt sein könnte. Olaf von Löwis wiederum sieht das als Vorteil: „Ich muss nicht auf eine Wiederwahl schielen.“ Auf die hofft Wolfgang Rzehak, denn „ich habe noch viel vor“. Bei der Wahl am 15 März – und bei der wahrscheinlichen Stichwahl – wird sich zeigen, ob er es anpacken darf. ft

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