Juwele des Landkreises

Pomologe rettet vom Aussterben bedrohte Apfel- und Birnensorten

Pomologe Georg Loferer
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Ein einziger Zweig kann eine vergessene Obstsorte vor dem Aussterben bewahren. Pomologe Georg Loferer sorgt dafür, dass der Zweig zum richtigen Zeitpunkt geschnitten und dann veredelt wird.

Landkreis – Manche alte Apfel- und Birnensorte ist rar geworden. Um die Bäume vorm Aussterben zu bewahren, sucht Pomologe Georg Loferer im Landkreis Miesbach nach ihnen.

Krummbeinige, vergraiste Erscheinungen mit bemoosten Rinden, über Jahrzehnte gezeichnet von Wind und Wetter, sind ungeahnte Schätze. Obstbäume, die über Generationen Bestandteil der Ernährung unserer Vorfahren waren und sich an das wechselhafte Wetter im Alpenvorland optimal angepasst haben. Für die jahrzehntealten Bäume stellt inzwischen jedes Unwetter eine Bedrohung dar.

Ertraggesteigerte, schnellwüchsige neue Sorten verdrängen diese Juwele langsam aber sicher aus den Gärten von Bauernhöfen und Familienhäusern. Das Projekt „Apfel-Birne-Berge – alte Obstsorten im Alpenvorland“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, vergessene Apfel- und Birnensorten zu identifizieren und seltenere Sorten in Erhaltungsgärten zu sichern.

Von Weilheim-Schongau bis Berchtesgadener Land

Bereits seit 2015 werden in den oberbayerischen Voralpenlandkreisen von Weilheim-Schongau bis Berchtesgadener Land Kartierungen der alten Obstbäume durchgeführt. In den Gemeinden des Landkreises Miesbach wurden in der vergangenen Erntesaison ebenso wieder alte Obstbäume untersucht, die von Sortenkennern und Eigentümern gemeldet wurden.

„Auch hier wurden wieder seltener bekannte und gänzlich unbekannte Sorten gefunden“, teilt das Landratsamt mit. Bei 24 dieser Sorten soll nun eine Nachzucht den Erhalt sichern. Die Untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt Miesbach freut sich, dass sich Bürger an diesem Projekt beteiligen und somit der Fortbestand von seltenen Sorten gesichert wird.

Reiser gehen zur Baumschule Schmitt nach Poxdorf

Pomologe Georg Loferer war unter anderem in Weyarn, Bayrischzell, Valley, Irschenberg und Gmund unterwegs, um Reiser, also einjährige Triebe von den in diesem Jahr nachzuziehenden Altbäumen zu schneiden. Ein mühsames Unterfangen, denn die brauchbaren Reiser – lang und möglichst kräftig – befinden sich häufig ganz oben in der Krone der bisweilen noch mächtigen Altbäume.

Die Reiser wurden gut gekühlt und vor Austrocknung geschützt zur Baumschule Schmitt nach Poxdorf im Landkreis Forchheim transportiert und dort auf vorbereitete Unterlagen (Jungbäumchen mit kräftig entwickelter Wurzel) veredelt. Spätestens im Mai werden die Reiser austreiben und der Fortbestand der Sorten ist gesichert – sofern fleißige Hände in den Folgejahren für ein gutes Gedeihen der veredelten Bäume sorgen.

Ab Herbst 2022 werden Jungbäume gepflanzt

Ab Herbst 2022 werden die Jungbäume dann in Sortenerhaltungsgärten gepflanzt. Bis die Sorten in größeren Mengen in die Streuobstwiesen verbreitet werden können, werden jedoch noch einige Jahre vergehen. Projektmanagerin Eva Bichler-Öttl führt allerdings schon jetzt eine Liste mit Streuobstwiesenbesitzern, die gerne selbst seltene oder vergessene Sorten auspflanzen möchten, denn das Interesse ist groß.

Die Mittel zur Finanzierung des Projekts „Apfel-Birne-Berge – alte Obstsorten in den oberbayerischen Voralpenlandkreisen“ kommen vom bayerischen Naturschutzfonds, dem Bezirk Oberbayern, dem Bezirksverband Oberbayern für Gartenkultur und Landespflege sowie von allen beteiligten Landkreisen beziehungsweise dem Trägerverein Biosphärenregion Berchtesgadener Land. Weiterhin werden Fördermittel gemäß der Landschaftspflege- und Naturparkrichtlinie (LNPR) eingesetzt.

Interessierte finden weiterführende Informationen und Kontaktdaten unter www.apfel-birne-berge.de. eb

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