Stadt stellt den Grund

Miesbach prüft Standorte für E-Ladesäulen, will aber keine eigenen Stationen

Habererplatz in Miesbach
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Kommt eine Ladestation für E-Autos beim Trafohaus auf dem Habererplatz? Die Stadt Miesbach wird dies prüfen.
  • vonMartina Fischer
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Miesbach – Zwei E-Ladestationen soll es künftig in Miesbach geben. Doch im Stadtrat haben sich erste Schwierigkeiten für das Vorhaben gezeigt.

Durch neue Automodelle, Klimadiskussion und steigende Verkaufszahlen bei Elektro- und Hybridautos wird die E-Mobilität immer mehr zum Thema. Doch zu deren Umsetzung ist auch eine passende Infrastruktur nötig. Also stellte die SPD-Fraktion in der jüngsten Sitzung des Stadtrats einen Antrag auf Errichtung von zwei öffentlichen Elektroladestationen auf Miesbacher Gebiet. Doch wie weit soll oder kann eine Kommune auf diesem Feld tätig werden?

„Wir glauben, dass die Stadt Miesbach einen bescheidenen Beitrag zur Energiewende leisten sollte“, findet Paul Fertl (SPD). Dabei verwies er darauf, dass das Thema zuletzt 2017 behandelt worden war. Zwar seien die Förderprogramme ausgelaufen, es könnten jedoch Mitte des Jahres neue aufgelegt werden. Zudem solle man örtliche Unternehmen fragen, ob sie sich engagieren würden. Der Antrag sei eine Initialzündung, erklärte Fertl.

Keine kommunale Aufgabe für Miesbach

„Das ist nicht wirklich eine kommunale Aufgabe“, sagte Bürgermeister Gerhard Braunmiller. Er verwies darauf, dass es derzeit keine öffentliche Förderung gebe und der bayerische Gemeindetag eine zurückhaltende Herangehensweise von kommunalem Engagement bei Ladestationen empfehle.

Markus Seemüller (FW) gab zu bedenken, dass die Batterieherstellung mit Kinderarbeit in Afrika und teils hoher Umweltbelastung nicht wirklich ökologisch sei. Volkswagen realisiere zudem in Deutschland 18.000 neue Stationen. Dies sei keine Aufgabe der Stadt. Die Bereitstellung eines Grundstücks für einen Betreiber kann er sich vorstellen.

In Zukunft Stationen an Tankstellen?

Dem pflichtete Erhard Pohl (CSU) bei. Einen Platz für das Betreiben könne Miesbach durchaus zur Verfügung stellen – aber nicht für ewige Zeit kostenlos. Auch geht er davon aus, dass die Tankstellen in Zukunft Stationen bereithalten würden.

E-Ladestationen in Miesbach

Einige E-Ladestationen sind in der Stadt Miesbach bereits vorhanden oder werden demnächst installiert: am Bayerischen Hof, am Hagebaumarkt, beim Finanzamt, am Oberlandcenter (Elektro-Mader), bei der Zulassungsstelle des Landratsamtes und bei der Telekom (Schinharlstraße).

Ein von der SMG in Auftrag gegebenes Konzept für die Ladeinfrastruktur im Kreis Miesbach ergab für die Stadt Miesbach folgende sinnvolle Standorte: Zulassungsstelle (Note 1,37, vom Landrats­amt besetzt), Waitzinger Wiese (1,49), Habererplatz (Note 1,5), Stadtplatz (1,78) und Eisstadion (2,08).

Als Imagefrage sah Inge Jooß (SPD) die Initiative. Am besten wäre eine Ladestation augenfällig in der Stadt, auch wegen des Tourismus. Es sei auch Teil der Wirtschaftsförderung, finden Florian Hupfauer (FDP), Aline Brunner (FW) und Florian Perkmann (SPD). Letzterer beobachtete: „Bei uns am Oberlandcenter haben sich die Leute gestritten, wer laden darf.“ Er selbst könne keine Säule aufstellen, da ihm der Grund vor seinem Geschäft nicht gehöre. Da sehe er die Stadt bei der Infrastruktur in der Pflicht, auch schon aufgrund der Gewerbesteuer.

Netz an E-Ladestationen als Ziel

Gegen den Antrag sprach sich Christian Mittermaier (CSU) aus. „Ich kann nicht einen fossilen Brennstoff gegen einen anderen austauschen, bei dem es große Probleme gibt.“ Die Kritik an der neuen Technologie konterte Manfred Burger (Grüne): „Die Autofahrer haben sich bisher auch keine Gedanken gemacht, dass die Ölförderung auch nicht so unproblematisch ist.“

Dass es bei der E-Mobilität noch Probleme gebe, räumte auch seine Fraktionskollegin Astrid Güldner ein. Diese könnten aber nur mit deren Weiterentwicklung gelöst werden. Deshalb müsse die Infrastruktur geschaffen werden. Nicht nur zwei E-Ladestationen, sondern ein Netz sieht Güldner als Ziel, wobei die Stadt geeignete Anbieter unterstützen solle und diese zur Verwendung von Ökostrom verpflichtet werden sollten.

Miesbacher Verwaltung soll Standorte suchen

Bei der Entscheidung sprachen sich die Stadträte mehrheitlich mit drei Gegenstimmen gegen ein finanzielles Engagement bei den Ladestationen aus, jedoch für die kostenlose Bereitstellung potenzieller Flächen auf Basis eines Gestattungsvertrags, respektive einer Sondernutzungserlaubnis. Zugestimmt wurde auch Güldners Antrag, dass die Verwaltung mögliche Standorte suchen und mit privaten Betreibern in Kontakt treten solle, um dann in der Septembersitzung über Resultate zu berichten. Ebenso wurde der Antrag von Alfred Mittermaier (CSU) aufgenommen. Er forderte die Erarbeitung von Regularien bezüglich Parkdauer und Kosten. maf

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