Art der Sanierung bleibt Thema

Freibad Miesbach: Streit ums warme Wasser im Stadtrat

Das Miesbacher Warmbad wird saniert. Doch nicht alle Stadträte sind dafür, das Wasser immer auf 24 Grad zu heizen.
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Das Miesbacher Warmbad wird saniert. Doch nicht alle Stadträte sind dafür, das Wasser immer auf 24 Grad zu heizen.

Miesbach – 24 Grad sollen es schon sein im Warmfreibad Miesbach. Die Freien Wähler sehen das anders und lehnen eine Zusatzheizung ab.

Keine Frage des Ob, sondern eine des Wie wollte Markus Seemüller (FWG) diskutieren. Die Sanierung des Miesbacher Warmfreibads stand auch für ihn in der jüngsten Stadtratssitzung außer Diskussion. Doch Seemüller und seine Fraktionsmitglieder – außer Florian Ruml – hätten lieber ein Freibad ohne Warm. Sie plädierten vehement gegen eine zusätzliche Heizung neben der Absorberanlage, die mit der Kraft der Sonne arbeitet. Die Mehrheit im Stadtrat jedoch sprach sich für mindestens 24 Grad Wassertemperatur aus. Fernwärme soll dafür sorgen.

Die Möglichkeit, ans bestehende Netz anzuschließen, mit dem der Landkreis unter anderem das Gymnasium versorgt, ist der Grund, weshalb die Grünen zustimmten, wie Astrid Güldner verdeutlichte: „Wir würden nicht mitgehen, wenn es nicht möglich wäre, CO2-neutral zu heizen.“ Der für die Technik zuständige Dirk Hartisch, Geschäftsführer des Ingenieurbüros Möller und Meyer (Gotha), der mit Josef Krautloher (Vilshofen) den Umbau plant, hatte fünf Varianten vorgestellt und gesagt: „Wir empfehlen die Anbindung an die Fernwärme.“ Alternativ könnte auch ein Gaskessel eingebaut werden. Geothermiepumpe, Blockheizkraftwerk und Holzheizung wären nicht sinnvoll und nicht zuletzt mit Kosten in Höhe von 300.000 bis 450.000 Euro auch deutlich teurer. Für den Anschluss ans Fernwärmenetz, der günstig im Süden der Gymnasium-Sporthalle erfolgen könnte, rechnet Hartisch mit 80.000 bis 100.000 Euro. Ein Gaskessel würde etwa 75.000 Euro kosten.

Die Sanierung wird Gesamtkosten in Höhe von etwa 3,3 Millionen Euro verursachen. Dafür gibt es laut derzeitigen Schätzungen 830.000 Euro Zuschüsse. Paul Fertl (SPD) sieht jetzt den richtigen Zeitpunkt, in die Sanierung einzusteigen, da eben nun Fördergelder verfügbar seien. Immer wieder war die Modernisierung diskutiert worden und an der Finanzierung gescheitert. Zuletzt hatte eine knappe Mehrheit im Stadtrat der vergangenen Amtsperiode durchgesetzt, dass das neue Gremium über die Zukunft des Bades entscheiden solle.

„Auch wir stehen zum Bad“, betonte Michael Lechner (FWG). Um das dokumentieren zu können, beantragte er getrennte Abstimmungen zur Sanierung und zur Heizung. Denn eine Absorberanlage allein sei ausreichend, findet er. Bei einer früheren Informationsfahrt habe man sehr gute Beispiele ohne Zuheizung gesehen, wie Lechner berichtete. „Das zwanghafte Festhalten am Warmbad ist nicht mehr zeitgemäß und nicht vermittelbar“, sagte er. Auch beim Fernwärmenetz mit regenerativen Energiequellen werde Kohlendioxid frei. „Wir müssen den Klimaschutz ernst nehmen“, forderte Lechner. Die zusätzliche Heizung bedeute zudem zusätzliche Kosten, hinzu komme der Verschleiß.

Wie Stefan Griesbeck (CSU) erklärte, beliefen sich die reinen Heizkosten zuletzt durchschnittlich auf 12.000 Euro pro Jahr. Geplant ist zudem, weitere Flächen für die Absorberanlage zur Verfügung zu stellen, wodurch dann wiederum Energiekosten gespart werden. Ohne die Zusatzheizung kühlt aber gerade bei schlechtem Wetter und kälteren Nächten das Wasser schnell ab. „Zwei, drei Tage verlieren wir dann bei schönstem Wetter“, sagte Erhard Pohl (CSU). So lange dauert es, bis das Wasser sich wieder erwärmt hat – und dann ist das schöne Wetter oft schon wieder vorbei.

Astrid Güldner verwies auch auf die Bedeutung des Bads für den Schwimmunterricht. Und dafür sei nun mal warmes Wasser nötig. „Wegen Corona werden mehr Menschen zu Hause bleiben, auch deshalb brauchen wir ein Warmbad“, sagte Florian Hupfauer (FDP). Für das Fernwärmenetz spricht außerdem, dass das Hauptgebäude mitversorgt werden könnte. Die Stadt rechnet damit, dass die jetzige Heizung dort bald ihr Lebensende erreichen wird. „Wenn wir das mit heizen können, ist Fernwärme sicher die beste Variante“, sagte Manfred Burger (Grüne). Höchstens die technischen Vorbereitungen für einen späteren Anschluss treffen, entgegnete Seemüller. Mit ihrer ablehnenden Haltung verdienten sich die Freien Wähler von Paul Fertl gar den Titel der grünsten Fraktion im Stadtrat.

Am Ende stimmte die Mehrheit des Gremiums für ein Warmbad mit gewährleisteten 24 Grad Wassertemperatur. Der Auftrag, den Umbau weiter zu planen (Leistungsphasen 3 und 4), erfolgte einstimmig. Damit erhält Miesbach eine Genehmigungsplanung, mit der sie den Bau und Fördermittel beantragen kann. ft

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