Bauchplatscher im Stadtrat

Warum die Sanierung des Warmbads erst nach der Wahl wieder Thema wird

Eine Sanierung des Miesbacher Warmbads ist nicht in Sicht.
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Eine Sanierung des Miesbacher Warmbads ist nicht in Sicht.

Miesbach – Erneut gibt es keine Entscheidung zum Warmbad im Stadtrat. Dessen Sanierung soll erst nach der Kommunalwahl im März wieder Thema werden.

Wie dringend das Warmbad saniert werden muss, kommt immer wieder am Miesbacher Ratstisch zur Sprache. Und wie groß der Wille ist, sie auch umzusetzen, ebenfalls. Es wird aber vorerst wieder mal nichts. Groß war die Begeisterung im vergangenen Sommer über die „Sanierung light“. Badereferent Erhard Pohl (CSU) jubelte damals: „Das ist endlich das, wovon wir geträumt haben.“ Aber es ist nicht möglich, wie in der jüngsten Stadtratssitzung klar wurde. Deshalb kam eine größere Variante auf den Tisch. Entscheiden wollte sich der Stadtrat aber nicht.

Dass das Gremium mit der Abkehr von der „Sanierung light“ einen Rückwärtssalto zeigte, ist verständlich. Die Konstruktion des Beckens ohne Überlaufrinne nannte Architekt Josef Krautloher (Vilshofen) den Pferdefuß einer kleinen Sanierungsvariante. Dirk Hartisch vom Planungsbüro Möller und Meyer aus Gotha ergänzte: „Da können wir die Wasserqualität nicht garantieren.“ Die Konsequenz wäre, dass die Planer sich von der Haftung ausschließen lassen. Und sollte es soweit kommen, dass das Landratsamt das Bad sperrt, müsste die Stadt nochmal sanieren – und dafür tief in den Tasche greifen.

Die Planer schlugen nun eine Modernisierung mit einem Edelstahlbecken vor, das ins jetzige Becken eingesetzt wird. Außerdem müsste ein neues zweigeschossiges Technikgebäude mit entsprechenden Behälteranlagen für die Wasseraufbereitung gebaut werden. Damit wäre für die nächsten 40 Jahre vorgesorgt, sagte Krautloher. Allerdings kämen auf die Stadt rund 2,5 Millionen Euro – statt etwa 1 Million für die Light-Variante – an Kosten zu.

Das Hin und Her nannte Markus Seemüller (FWG) problematisch. Er wollte so kurz vor der Wahl nicht entscheiden, sondern den Beschluss dem künftigen Gremium übertragen. Paul Fertl (SPD) monierte ebenfalls, dass die Unterlagen die Stadträte recht kurzfristig erreicht hätten. Deshalb forderte er – zunächst – ein wenig Zeit zu überlegen und wollte die Entscheidung auf die nächste Zusammenkunft des Stadtrates vertagen. Das hätte wohl die große Mehrheit mitgetragen.

Für ein Verschieben bis nach der Wahl sah hingegen nicht nur Erhard Pohl keinen Grund. Außerdem steht für ihn fest: „Billiger und einfacher wird es nicht.“ Zudem sei sich der Stadtrat bereits 2017 einig gewesen. Die damals ins Auge gefasste Sanierung sei aber wegen des finanziellen Desasters 2018 nicht begonnen worden. „Daraufhin haben wir nach einem Strohhalm gesucht“, erinnerte Pohl. Als dieser sei die Sanierung light nach einem Gespräch mit dem Landrats­amt erkannt worden. Und jetzt: der Rückwärtssalto zur großen Lösung.

Inklusive Bauchplatscher: Die Miesbacher müssen weiter nicht nur auf ein saniertes Bad, sondern auch auf einen Beschluss des Stadtrates warten. Fertl mit der SPD, die Grünen und die Freien Wähler stimmten letztlich für Seemüllers Antrag, die Entscheidung dem zu wählenden Gremium zu überlassen. Für Astrid Güldner (Grüne) gibt es auch keinen Druck. Zudem ist es für sie eine Überlegung wert, ob die Stadt nicht gleich ein Naturfreibad schaffen sollte. „Das ist der Trend“, sagte sie.

Auch Michael Lechner (FWG) würde ein Bad gefallen, bei dem keine fossile Energie verbraucht wird. „Wir verringern ja eh das Wasservolumen, das können wir mit der Absorberanlage aufheizen“, sagte er. Derzeit fallen rund 50.000 Euro an Heizkosten an. Außerdem forderte Lechner, dass die Installation einer Photovoltaik- oder Absorberanlage auf dem Dach des zu bauenden Technikgebäudes geprüft wird. Der neue Stadtrat bekommt also viel zu tun, wird sich einarbeiten müssen und darf den Aufschub nun ausbaden, wie in der Sitzung gewitzelt wurde. ft

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