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Miesbach: Stadtrat beschließt Fällung von 19 Buchen im Hallenwald

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Von: Fridolin Thanner

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Miesbach Harzberg
Erst Sonnenbrand, dann hat der Spaltblättling durch die aufgerissene Rinde den Stamm befallen. Am Harzberg werden deshalb 19 weitere Bäume gefällt. © Fridolin Thanner

Miesbach – Neue Spuren eines Asiatischen Laubholzbockkäfers gibt es nicht in der Kreisstadt. Dennoch haben der Befall und die Fällungen 2020 weiter Auswirkungen.

Es werden nochmal 19 Buchen am Harzberg in Miesbach fallen – wegen Sonnenbrand und Pilzbefall. Der Stadtrat hat die Maßnahme am Donnerstag (24. November) mehrheitlich beschlossen und sorgt damit für neuen Ärger bei Anwohnern.

„Der Pilzbefall hat sich erheblich ausgeweitet“, berichtete Bürgermeister Gerhard Braunmiller. Aus Sicherheitsgründen sollen nun 19 Bäume weg, darunter auch gesunde. Sie müssen weg, weil sie den Arbeiten und dem Abtransport der anderen Stämme im Weg stehen würden. Gleichzeitig setzt die Stadt darauf, den jüngeren Bestand seitlich davon erhalten zu können.

Interessengemeinschaft fühlt sich von der Stadt übergangen

Die Interessengemeinschaft Fritz-Freund-Park hat gut 20.000 Euro für Baumschutzmaßnahmen gesammelt. Den fehlenden Betrag, rund 7000 Euro, würde die Stadt beisteuern. Allerdings ist nun gar nicht mehr sicher, dass die engagierten Anwohnern das Geld zur Verfügung stellen. Sie fühlen sich von der Stadt übergangen, hatten gehofft, dass erst später entschieden wird.

Ein von einem Anwohner eingeholtes Angebot sieht sowohl geringere Kosten als auch eine schonendere Entnahme vor. Es könnten demnach mehr gesunde Bäume erhalten werden – bei den befallenen Stämmen sollten Teile als wertvolles Totholz stehen bleiben. „Wir müssen bis auf den Stumpf runterschneiden“, hielt Bauhofleiter Jürgen Fischer mit Blick auf die bis 2024 geltenden ALB-Quarantänevorschriften dagegen.

Er machte auch deutlich, dass die Zeit drängt. Liegt Schnee und herrscht strenger Frost können die großen Buchen nicht mehr gefällt werden. Das Holz muss zudem auf ALB-Spuren untersucht werden und soll gehäckselt werden, um zumindest noch als Hackschnitzel verwertet werden zu können. Klappt das alles heuer nicht mehr, steht die nächste Hürde bevor: Ab 1. März sind wegen des Vogelschutzes keine Fällungen erlaubt.

Dass diese aber nötig sind, steht für Michael Lechner (FWG) außer Frage. „Wir sind in der Verkehrssicherungspflicht“, betonte der Anlagenreferent. Bei 35 Meter hohen Bäumen seien auch die umliegenden Gebäude gefährdet. „Da haben wir eine hohe Verantwortung“, sagte er. Um die 19 Bäume zu fällen, rechnet die Stadt mit Kosten in Höhe von 50.000 Euro, hinzu kommen 20.000 Euro, um anschließend den Wanderweg wiederherzustellen.

Die Stadt hat sich im Frühjahr dagegen entschieden, die nach den ALB-Fällungen exponiert stehenden Bäume mit Tarnnetzen oder Anstrich vor Sonnenbrand zu schützen. Nun ist die Rinde stark aufgerissen, der Spaltblättling hat die Bäume befallen, sie beginnen zu faulen. Lechner sieht aber noch ein anderes Problem, das durch Schutzmaßnahmen nicht zu umgehen war: den Wind. Der übrig gebliebene Wald könne einem Sturm nicht standhalten, weil er dem vorher nie ausgesetzt war. „Das Dilemma hat mit dem Aufreißen des Bestands begonnen“, sagte Lechner.

Für die noch jüngeren und seitlich etwas tiefer stehenden Bäume sieht der die Stadt beratende Baumpfleger Anton Linsinger gute Chancen, weiterzuwachsen. Deshalb sollen acht mit Tarnnetzen geschützt werden, was auch den dahinter stehenden Bäumen zugute käme.

Acht Netze, um 22 Bäume zu retten, wie IG-Sprecherin Karin Bracher hofft. Sie hat bei den Spendern nachgefragt, ob sie ihre Zusagen unter den neuen Gegebenheiten aufrecht erhalten. Denn die IG, die mit großem Engagement den Fritz-Freund-Park pflegt, fühlt sich „respektlos behandelt“, wie Bracher mitteilt. Markus Seemüller (FWG) hatte beantragt, die Entscheidung über die Fällung nochmal zu vertagen und den Dialog mit der Interessengemeinschaft zu suchen. Außer bei den Grünen-Stadträtinnen Malin Friese, Astrid Güldner und Kick van Walbeek fand er aber keine Zustimmung.

Neben der Fällung hat der Stadtrat auch – gegen Seemüllers Stimme – zugestimmt, dass Bürgermeister Gerhard Braunmiller die Spende der IG für die Tarnnetze annehmen darf und die Stadt die verbleibenden 7000 Euro übernimmt. Ganz ohne Beteiligung der Bürger soll die Fällaktion trotz des Beschlusses nicht durchgeführt werden: Auf Anregung von Michael Lechner findet am Donnerstag (1. Dezember) um 9 Uhr ein Ortstermin mit den Anwohnern statt. Die hoffen nun, dass dieser „nicht nur eine Farce ist“, wie Karin Bracher deutlich macht. ft

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