Das Ende einer Ära

Süleyman Kaynak gibt Vorstand des türkisch-islamischen Kulturvereins ab

Der neue Vorstandsvorsitzende Ertugrul Bostan (v.l.) mit seinem Stellvertreter Ercan Ugurlu und Vorgänger Süleyman Kaynak.
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Der neue Vorstandsvorsitzende Ertugrul Bostan (v.l.) mit seinem Stellvertreter Ercan Ugurlu und Vorgänger Süleyman Kaynak.

Miesbach – Nach 15 Jahren im Amt hat sich Süleyman Kaynak zum 1. Dezember ins Privatleben zurückgezogen. Sein Lebenswerk bleibt und soll von seinem Nachfolger fortgeführt werden.

Nach 15 Jahren im Amt legt Süleyman Kaynak den Vorstand des türkisch-islamischen Kulturvereins Miesbach nieder. Der erfolgreiche Mittler zwischen den Kulturen hat sich zum 1. Dezember ins Privatleben zurückgezogen. Nachfolger Ertugrul Bostan will den guten Dialog zwischen deutschen und türkischen Mitbürgern weiterführen.

Es ist Zeit, sich bei einem Mann zu bedanken, der Großes bewirkt hat: Dazu haben sich über 100 Menschen unterschiedlicher Religion, Konfession und Nationalität vor Kurzem im Versammlungsraum der Moschee eingefunden. Sie alle sind zumindest ein Stück des Weges mit Süleyman Kaynak gegangen, kennen ihn teilweise seit Jahrzehnten und verdanken ihm oft viel. So ist die Begrüßung unter den deutschen und türkischen Gästen herzlich und persönlich. Man spürt, dass diese Menschen viel miteinander erlebt und gestaltet haben.

In seiner Laudatio hebt Ertugrul Bostan – seit dem 3. November der neue Vorsitzende – vor allem den persönlichen Einsatz von Süleyman Kaynak hervor. „Mit Herzblut, Energie und Geduld“ war der ideenreiche Geschäftsmann 17 Jahre lang im türkisch-islamischen Kulturverein tätig – 15 davon in der Vorstandschaft. Ehrenamtlich und mit einem Erfolg, der für sich spricht, hat er sich von Anfang an bewusst und aktiv für einen lebendigen türkisch-deutschen Austausch eingesetzt.

Dank für die immer respektvolle Zusammenarbeit

Sichtbares Zeichen dieser Leistung ist die Moschee im Miesbacher Norden. Das beeindruckende Bauwerk am Carl-Feichtner-Ring 15 mit dem wunderschönen Gebetsraum ist zum Symbol einer integrativen Leistung geworden, die nicht nur in der hiesigen Region ihresgleichen sucht.

Sichtlich bewegt ergreift nach dem Gebet des Imam der scheidende Vorsitzende das Wort. Er lässt die lange Zeit seines Wirkens Revue passieren und betont immer wieder, dass das alles nicht ohne die Menschen gegangen wäre, die ihn von Anfang an unterstützt haben. Sein besonderer Dank gilt dabei seiner Frau und seiner Familie. Lange mussten sie ihn mit seinen Aufgaben teilen, nun soll das Privatleben stärker im Mittelpunkt stehen. „Ich liebe Menschen“, fasst Süleyman Kaynak zusammen, was ihn bewogen hat, sich unablässig für die Sicherung und Lebensqualität seiner Landsleute einzusetzen – im steten Austausch mit der Stadt und ihren Bewohnern.

Süleyman Kaynak (4.v.l.) mit dem neuen Vorstand sowie einigen der zahlreichen Helfer und Freunde im Verein.

So ist es ganz selbstverständlich, dass auch Max Niedermeier – seit sechs Jahren der Integrationsbeauftragte der Stadt – gerne auf die gemeinsame Zeit zurückblickt. Er erinnert daran, dass die Spendenaktion „Leser helfen Lesern“ 1994 von Süleyman Kaynak initiiert wurde. Gemeinsam wurde der Bauplatz für die Moschee gefunden, die alleine aus privaten Mitteln realisiert wurde. Unvergesslich die Einweihung 2007 nach vier Jahren Bauzeit mit einem harmonischen Fest, an dem etwa 1000 Personen teilnahmen – selbst der Trachtenverein und die Feuerwehr waren gekommen.

Pfarrerin Annika Sergel-Kohls erzählt, wie erfreut sie war, als sie – neu als Pfarrerin in Miesbach – das wunderschöne islamische Gottes­haus entdeckt hat, und bedankt sich auch im Namen der katholischen Kirche in Miesbach für die immer respektvolle Zusammenarbeit. Für sie bleibt Süleyman Kaynak der Brückenbauer, ein Mann, der ruhig, anständig und unermüdlich seine Arbeit tat.

Lebenswerk aufgebaut und in neue Hände übergeben

Zum Schluss ergreift Lisa Braun-Schindler das Wort. Sie, eine Wegbegleiterin der ersten Stunde, fasst noch einmal zusammen, welche Meilensteine des deutsch-türkischen Zusammenlebens in Miesbach unter der Ägide Kaynaks entstanden sind: Viele Projekte im Netzwerk Integration, Deutschkurse für Schulkinder und Mütter, das internationale Frauenfrühstück, Infoabende in der Volkshochschule, der interreligiöse Dialog, das Sommerfest in der Moschee oder der Walk to Talk. Sie ruft auch noch einmal ins Gedächtnis, wie die Mahnwache vor dem Miesbacher Medienhaus und das Friedensgebet zum sozialen Frieden in Stadt und Landkreis beigetragen haben.

So viele Bausteine es auch gewesen sind, die heute für Miesbach und alle seine Bewohner Früchte tragen – am stärksten werden wohl allen Anwesenden die Worte von Süleyman Kaynak selbst in Erinnerung bleiben: „Wir sind alle Menschen“, sagt er. Das ist für ihn die eine Gemeinsamkeit, die niemand leugnen kann. Auf ihr hat er sein Lebenswerk des Friedens aufgebaut. Nun legt er es voller Vertrauen in die Hände von Ertugrul Bostan und dem neuen Team beim türkisch-islamischen Kulturverein. vwo

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