Im Umweltausschuss diskutiert

Warum sich der Landkreis für Stoffwindeln einsetzt

Mit Windelsäcken wird im Landkreis Miesbach der Flut an Windeln im Müll entgegengewirkt.
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Mit Windelsäcken wird im Landkreis Miesbach der Flut an Windeln im Müll entgegengewirkt.

Miesbach – Über den Einsatz von Stoffwindeln hat der Umweltausschuss in seiner jüngsten Sitzung diskutiert. Der soll nun im Landkreis Miesbach gefördert werden.

Der Landkreis Miesbach unterstützt grundsätzlich den Einsatz von Stoffwindeln und will diesen künftig fördern. Darauf haben sich die Mitglieder des Umweltausschusses in ihrer jüngsten Sitzung geeinigt. Das Vivo-Kommunalunternehmen soll nun ein Förderkonzept für den Landkreis erarbeiten.

Ein Kind braucht etwa 4.000 bis 6.000 Windeln, bis es soweit ist, eine Toilette zu benutzen. Die Folge: Etwa eine Tonne Müll – pro Kind. Volle Windeln machen dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland zufolge in manchen Gemeinden rund zehn Prozent des Restmülls aus.

Einsatz von Stoffwindeln: Zweifel an besserer Ökobilanz

Allerdings gibt es Zweifel daran, ob die Ökobilanz bei Stoffwindeln generell besser ist als bei Wegwerfwindeln. So zitierte Gerhard Waas (Bündnis 90/Die Grünen) eine britische Studie, wonach zweieinhalb Jahre Wickeln mit Wegwerfwindeln eine ähnliche Ökobilanz hat wie mit Stoffwindeln. Denn: Wer letztere verwendet, muss mehr waschen und belastet dadurch wiederum die Umwelt mehr. Kaufe jemand hingegen gebrauchte Stoffwindeln, verändere sich wiederum die Ökobilanz, sagte er. Zudem hätten sich die Waschmaschinen in den vergangenen Jahren weiterentwickelt.

Generell waren sich die Mitglieder des Umweltausschusses jedoch einig, dass es unterstützt werden sollte, wenn jemand den Aufwand auf sich nimmt. „Wenn Mütter das auf diese traditionelle Weise machen wollen, können sie das gerne machen und sollten wir das unterstützen, aber überzeugt bin ich davon nicht“, sagte der Waakirchner Bürgermeister Sepp Hartl (FWG), der auch im Umwelt­ausschuss des Landkreises sitzt. Denn so wichtig Tradition ist, werde dadurch zwar Müll vermieden, aber dafür das Wasser zusätzlich belastet.

Als Ausgleich zu Wegwerfwindeln: Einsatz von Stoffwindeln fördern

Ausschussmitglied Karl Bär (Bündnis 90/Die Grünen) merkte zudem an, dass es auch darum ginge, Nutzer der Windelsäcke und der Stoffwindeln gleichberechtigt zu behandeln. Diese Windelsäcke mit 50 Liter Fassungsvermögen und einem speziellen Aufdruck werden zusätzlich zur Restmülltonne, in die Wegwerfwindeln entsorgt gehören, abgeholt und sind an jedem Wertstoffhof im Landkreis für 1 Euro erhältlich. Unabhängig von der Anzahl der Kinder können die Windeln so kostengünstig entsorgt werden, ohne dass eine größere Restmülltonne angeschafft werden muss.

Im Landkreis betrage der Anteil an Hygieneverbunden, also Babywindeln und Inkontinenzabfällen, bei niedrigem Gesamtabfallaufkommen je Einwohner und Jahr gut 18 Prozent, wurde in der Sitzung erklärt. Eine Umfrage bei Abfallwirtschaftsbetrieben und Landratsämtern habe gezeigt, dass Stoffwindeln dort in der Regel mit 30 bis 100 Euro einmalig gegen Kaufnachweis einer Grundausstattung erstattet werden. Wie die Förderung im Landkreis Miesbach umgesetzt werden soll, muss sich nun zeigen. Der Umweltausschuss hat sich zunächst mehrheitlich dafür entschieden, die Stoffwindeln zu fördern. ksl

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