Miesbach stellt erste Entwürfe vor

So sehen die Pläne für das neue Wohngebiet am Gschwendt aus

So sieht das städtebauliche Konzept aus, das dem Aufstellungsbeschluss des Stadtrates zugrunde lag. Es ist ein Vorschlag, wie das neue Wohngebiet „Am Gschwendt“ aussehen könnte.
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So sieht das städtebauliche Konzept aus, das dem Aufstellungsbeschluss des Stadtrates zugrunde lag. Es ist ein Vorschlag, wie das neue Wohngebiet „Am Gschwendt“ aussehen könnte.

Miesbach – Die Stadt plant ein neues Wohngebiet nördlich des Friedhofs. Nun sind Bürgern bei einer Infoveranstaltung erste Entwürfe vorgestellt worden.

Die Stadt Miesbach braucht mehr bezahlbare Wohnungen und Platz für Häuser. Bei einer Infoveranstaltung im Bräuwirt haben Bürgermeisterin Ingrid Pongratz und Bauamtsleiter Lutz Breitwieser gemeinsam mit Stadtplaner Rudi Sodomann und Anwalt Patrick Bühring die aktuellen Pläne für das neue Wohngebiet „Am Gschwendt“ vorgestellt.

Die Idee, dort zu bauen, ist nicht neu. So gibt es bereits einen Plan von 1972, auf dem die Fläche als Bauland erfasst ist. In den 1980er Jahren ist das Areal jedoch stillgelegt und als Grünfläche ausgewiesen worden. Dies ändert jedoch nichts daran, dass es für den Bereich einen Bebauungsplan gibt und dieser nun mit einem neuen Entwurf für Wohngebäude versehen wird.

Elf kleinere Grundstücke für Ein- oder Mehrfamilienhäuser sind geplant sowie zwei größere Wohnblöcke mit jeweils drei Geschossen. Zwischen dem Wohngebiet und dem Friedhof soll ein etwa 20 Meter breiter Grünstreifen bleiben. Bauland zu finden, sei mittlerweile immer schwieriger, erklärte Bauamtsleiter Lutz Breitwieser. Zumal die Kommunen angehalten seien, zunächst den sogenannten Innenbereich in Anspruch zu nehmen, also Baulücken zu schließen.

Nachdem der Stadtrat im vergangenen Jahr beschlossen hat, einen Bebauungsplan für das Gebiet aufzustellen, wird nun nach einer optimalen Lösung gesucht, die so viele Bedürfnisse wie möglich berücksichtigt. Wenn das geschafft ist, muss der Stadtrat erneut entscheiden, ob er die Pläne bewilligt. Momentan ruhe das Verfahren jedoch, um die Einwände von Anwohnern anzuhören, erklärte der Bauamtsleiter.

Vor allem Parkplätze und der Bolzplatz am Nordende des Friedhofs sind die bestimmenden Themen des Abends gewesen. Denn mit dem Neubau würden rund 50 Parkplätze an der Wertstoffinsel an der Von-Vollmar-Straße wegfallen. In den neuen Häusern wird es pro Wohneinheit zwei Stellflächen geben – so ist es mittlerweile vorgeschrieben. Unter anderem soll unter den zwei Wohnblöcken eine Tiefgarage entstehen, wie Stadtplaner Rudi Sodomann erläuterte. Weitere offene Stellplätze im neuen Wohngebiet seien ebenfalls eingeplant.

Dennoch fürchten Anwohner, dass sich der Parkdruck im Bereich des Friedhofs erhöhen wird. Das Problem: Als die bestehenden Gebäude an der Von-Vollmar-Straße gebaut worden sind, hat es die Regel mit den zwei Stellplätzen pro Wohneinheit noch nicht gegeben. Folglich müssen die Anwohner in diesen Häusern ihre Fahrzeuge dort abstellen, wo Platz ist, wenn auf dem eigenen Grundstück keine oder nicht ausreichend Flächen fürs Parken vorhanden sind.

Wohngebiet "Am Gschwendt": Wohnraum wichtiger als Parkplätze

Ein Dilemma, dessen sich die Stadt bewusst ist. Jedoch: Sie und damit auch der Steuerzahler stünden nicht in der Pflicht, die privaten Parkprobleme anderer zu lösen, erklärte Anwalt Patrick Bühring. „Der Stadtrat muss abwägen zwischen dem Erhalt der vorhandenen Parkflächen und der Schaffung neuen Wohnraums.“ Und letzterer wird dringend benötigt. „Wir haben eine lange Liste von Leuten, die auf Wohnraum warten“, sagte Stadtrat Paul Fertl. Zudem gebe es zahlreiche Wohnungen, die bald aus der Sozial­bindung herausfallen oder bereits herausgefallen seien und für die dann wieder höhere Mieten verlangt werden können. „Für uns hat Wohnraum die absolute Priorität, damit normale Leute wie eine Krankenschwester oder ein Polizist sich hier wieder eine Wohnung leisten können“, sagte er.

Ein weiteres Thema, um das heftig gerungen wird, ist der Bolzplatz, der im neuen Bebauungsplan keinen Platz mehr findet. Um das Areal zu erhalten, sind sogar Unterschriften gesammelt und eine Demo im Stadtrat organisiert worden. Mittlerweile steht jedoch fest, dass es kaum möglich sein wird, den Bolzplatz zu erhalten. Zumal strittig ist, wie intensiv dieser genutzt wird.

Das Problem: Ein Bolzplatz verursacht anderen Lärm als in einem Wohngebiet erlaubt ist. Das heißt, es müssten vorgeschriebene Abstände zu den Wohnhäusern eingehalten werden. Dafür reicht der Platz am Gschwendt aber nicht. Was es geben wird, ist eine rund 1.600 Quadratmeter große Grünfläche zwischen Friedhof und Wohngebiet sowie einen Spielplatz von rund 400 Quadratmetern Größe. Wenn auf der Grünfläche zum Beispiel Fußball gespielt werde, sei dies in puncto Lärm keine Problem, erklärte Anwalt Patrick Bühring. Was jedoch nicht möglich sein wird, ist, dass die Stadt dort zum Beispiel Tore aufstellt oder ein Fangnetz für verirrte Bälle installiert. Sobald der Hauch einer Sportstätte angedeutet werde, gelten wieder andere Regeln und Grenzwerte.

Wohngebiet "Am Gschwendt": Stadtrat muss entscheiden

Heftig diskutiert wurde auch über die Frage, wer am Ende dort hinzieht und ob es überhaupt möglich sein wird, am Gschwendt als Normalbürger ein Grundstück oder Wohnraum zu erhalten. Denn ein Teil der Grundstücke im Baugebiet gehört privaten Eigentümern. Der Stadt sei es gelungen, durch vernünftige Kooperationen mit diesen einen Konsens zu finden, dass sie sich an dem Baugebiet beteiligen – zum Teil auch zum finanziellen Nachteil für die Eigentümer, wie Anwalt Patrick Bühring erklärte. Was sie mit ihren Grundstücken machen, sei ihnen überlassen. Wenn zum Beispiel der Sohn der Familie dort bauen möchte, sei dies durchaus legitim. Es bestehe keine Pflicht, die Grundstücke oder Häuser darauf an Dritte zu verkaufen.

Das erzürnte einige der Anwesenden so sehr, dass sie der Stadt ein unlauteres Vorgehen vorwarfen und vom Anwalt mit klaren Worten auf die bestehende Rechtslage hingewiesen werden mussten. Denn der Prozess zum Aufstellen eines Bebauungsplanes und zum Entwickeln eines neuen Wohngebietes ist eindeutig geregelt.

Zu guter Letzt erläuterte Bauamtsleiter Lutz Breitwieser das weitere Vorgehen. Die anwesenden Stadträte hätten die Pläne in dieser Form auch zum ersten Mal gesehen, sagte er. Nun liege es an dem Gremium, sich eingehend damit zu beschäftigen und letzten Endes eine Entscheidung zu treffen, was möglich ist, was berücksichtigt werden soll und worauf verzichtet werden kann. Noch sei nichts in Stein gemeißelt. ksl

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