SMS an Söder und Aigner

„Es brennt wirklich“: Miesbacher Landrat bittet Politiker wegen Ausflugschaos um Hilfe

Spitzingstraße in Schliersee
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Schlangen in beide Richtungen – die Spitzingstraße war zuletzt bergauf wie bergab verstopft.

Landkreis – Da Appelle nicht helfen und zahllose Ausflügler immer wieder in die Berge an Schliersee und Tegernsee strömen, wendet sich Miesbachs Landrat nun an Ministerpräsident Markus Söder.

Staus auf der gesamten Spitzingstraße sowohl hinauf als auch talwärts. Auf Wiesen am Kirchbichl stehen Autos in mehreren Reihen. Zufahrten sind komplett zugeparkt. Trotz oder vielleicht sogar wegen des Corona-Lockdowns drängen Menschen aus der Region, der Landeshauptstadt und darüber hinaus raus in die Natur. Dorthin, wo ein wenig Schnee liegt.

Im Landkreis Miesbach sorgte das an den Weihnachtsfeiertagen, den vergangenen Wochenenden und auch unter der Woche für chaotische Zustände. Landrat Olaf von Löwis spricht von überbordendem Ausflugstourismus und hat Ministerpräsident Markus Söder und Landtagspräsidentin Ilse Aigner um Hilfe gebeten.

Eine Kurznachricht schickte von Löwis nun an den Ministerpräsidenten, weil der Landrat angesichts der Bilder von Autokolonnen und überfüllten Parkplätzen entsetzt ist. In der SMS schrieb er: „Bei uns ufert der Tagestourismus aus. Es brennt wirklich.“ Der Appell, zu Hause zu bleiben, müsse durch Regeln bei der Ausgangsbeschränkung untermauert werden, schrieb von Löwis weiter.

Die Polizei sei am Limit, genauso wie die Mitarbeiter des Kreiskrankenhauses, um dessen Kapazitäten sich der Landrat ebenfalls sorgt. Wer sich beim Spaziergang, Wandern oder Schlittenfahren verletzt, komme wahrscheinlich zur Behandlung ins Krankenhaus nach Agatharied. „Wir dürfen die lokalen Notaufnahmen nicht überlasten“, macht von Löwis klar und verdeutlicht weiter: „Wir müssen alle Kräfte auf die Versorgung von Corona-Patienten und Notfällen konzentrieren.“

Bei allem Verständnis für das Bedürfnis, raus in die Natur zu gehen, bittet der Landrat die Ausflügler: „Bleiben Sie zu Hause! Seien Sie verantwortungsvoll den Landkreisen an der Alpenkette und deren Bewohnern gegenüber!“ Unterdessen waren auch nach dem Wochenende Straßen und Parkplätze voll. Scharen von Individualsportlern suchten nach Erlebnissen in der Natur. Die leidet gewaltig mit, wie nicht zuletzt ein Facebook-Post von Florian Bossert dramatisch zeigt.

Der Gebietsbetreuer für das Mangfallgebirge hat ein kleines Rudel Gämsen gefilmt. Die Tiere kämpften sich mühsam durch den Schnee im Bereich Jägerkamp und Benzing – bergauf in Richtung Schongebiet. Doch da befand sich bereits ein Bergfreund, der Hinweise und Tafeln ignoriert hat. Statt sich zu erholen, flüchteten die Gämsen wieder den kompletten Hang hinunter. Im harten Winter ist das besonders gefährlich für die Tiere, weil sie unnötig Energie verbrauchen. Einmal mehr appellierte Bossert: „Bitte haltet euch an die Wald-Wild-Schongebiete.“ Sie sind deutlich ausgeschildert und in Karten eingezeichnet.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder riet Landrat Olaf von Löwis, Sperrungen und Betretungsverbote zu prüfen. „Das ist die ultima ratio“, betont von Löwis. Denn klar müsse auch sein: Sperrungen oder Betretungsverbote gelten für alle, auch für die Einheimischen. Rechtlich ist es nicht möglich, zwischen einem Landkreisbürger und einem Bewohner eines anderen Landkreises zu unterscheiden. Von Löwis lässt diese rechtlichen Möglichkeiten nun prüfen. ft

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