EUTB-Berater Anton Simon erklärt das neue Angebot zur Teilhabe in Miesbach

„Berater oft selbst betroffen“

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Anton Simon berät Menschen, die eingeschränkt sind, und deren Angehörige ab Donnerstag auch in Miesbach.

Miesbach/Holzkirchen - Die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung, kurz EUTB, hilft Menschen mit Behinderung und deren Angehörigen. Dabei steht nicht das Leiden an sich im Fokus, sondern dessen Auswirkungen auf das Leben des Betroffenen.

Mit der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung, kurz EUTB, gibt es ab dem morgigen Donnerstag ein neues soziales Angebot im Landkreis Miesbach. Zuständig für die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach gibt es fortan auch einmal im Monat Sprechzeiten in Miesbach und Holzkirchen. Die EUTB ist ein Beratungsangebot für alle Menschen mit Behinderung und deren Angehörige sowie Menschen, die von einer Behinderung bedroht sind. Wir haben mit Berater Anton Simon gesprochen. Der 47-Jährige wird vor Ort in den Räumen der Regens-Wagner-Stiftung an der Wallenburger Straße 12 beraten.

Herr Simon, was macht die EUTB?

Unsere Aufgabe ergibt sich bereits aus der Abkürzung. Wir beraten ergänzend und unabhängig zu anderen Angeboten, damit Menschen mit Behinderungen jeglicher Art und deren Angehörige teilhaben können, wie es das Bundesteilhabegesetz vorsieht. Auch Menschen, die von einer Behinderung bedroht sind, beraten wir.

Was heißt das konkret? Wer kann alles zur Beratung kommen?

Unter dem Motto „Einer für alles“ kann sich im Prinzip jeder bei uns beraten lassen, der in irgendeiner Weise eingeschränkt ist, sei es in seinem Arbeits- oder Privatleben oder in der Gesellschaft – außer bei rechtlichen Fragen, die muss ein Fachmann beantworten.

Reden wir da von Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung?

In Miesbach findet ab Donnerstag, 17. Oktober, einmal im Monat eine offene Sprechstunde statt, jeweils von 14 bis 16 Uhr, in der Regens-Wagner-Stiftung an der Wallenburger Straße 12. Weitere Termine sind für den 21. November und den 19. Dezember geplant.

Nicht nur. Die Diagnose ist im Prinzip egal. Auch Menschen mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder mit einem gebrochenen Bein können zu uns kommen und sich beraten lassen. Uns geht es nicht um die Krankheit an sich, sondern eher um deren Auswirkungen auf das Leben des Betroffenen oder dessen Angehörige. Da wollen wir helfen, zum Beispiel um wieder besser in der Arbeit klarzukommen oder in der eigenen Wohnung Barrierefreiheit herzustellen. Wenn die Leute erkranken und nicht wissen, wohin sie sich wenden können, sind wir die nächste Anlaufstelle, beraten und vermitteln den Kontakt zu passenden Angeboten, lotsen durch den Behördendschungel und bauen so Barrieren ab.

Wie muss man sich ein Gespräch bei der EUTB vorstellen? Brauche ich vorher einen Termin?

Nein, man kann einfach vorbeikommen oder sich am Telefon besprechen. Falls gerade ein Gespräch im Gange ist, muss man eventuell warten. Es kann aber auch hilfreich sein, einen Termin zu vereinbaren, weil wir dann besser organisieren können. Zudem haben wir nur wenig Dokumentationspflicht und daher mehr Freiräume, um etwa Zeit in Recherche zu investieren, wenn es notwendig ist. Zwar machen wir uns Notizen während der Gespräche, falls wir einen Betroffenen längere Zeit beraten, aber Akten in dem Sinne werden nicht angelegt.

Was unterscheidet die EUTB-Beratung zu anderen Angeboten?

Das Besondere ist, dass unsere Berater oft selbst betroffen sind oder Angehörige haben, die betroffen sind. Bei mir ist es zum Beispiel ein Familienangehöriger mit Schwerbehinderung. Außerdem bin ich gelernter Arbeitserzieher und habe daher Erfahrung in einem sozialen Beruf. Natürlich werden unsere Berater regelmäßig weitergebildet. Entscheidend ist aber auch die persönliche Eignung, wie derjenige mit Menschen umgeht und welchen Zugang er hat. Eine weitere Besonderheit der EUTB ist, dass wir keiner Institution verpflichtet sind und daher auch keine bestimmten Fallzahlen generieren müssen, um wirtschaftlich zu arbeiten.

Wer steht dann hinter der EUTB?

In Holzkirchen starten die offenen EUTB-Sprechstunden am Dienstag, 5. November, und finden dann jeweils von 15 bis 17 Uhr im Sitzungsraum des Rathauses Holzkirchen am Marktplatz 2 statt. Ein weiterer Termin in diesem Jahr ist für den 10. Dezember geplant.

Die EUTB-Beratungsstellen sind über ganz Deutschland verteilt. Hier in der Region steht der Verein Oberbayerische Selbsthilfe Psychiatrie-Erfahrener, kurz OSPE, aus München dahinter. Dieser hat vor zwei Jahren eine Ausschreibung gemacht, woraufhin sich die EUTB für sieben Beratungsbereiche in Oberbayern beworben hat. Diese erstrecken sich südlich von München von Garmisch-Partenkirchen und Starnberg über Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach bis hin nach Rosenheim, Traunstein und ins Berchtesgadener Land. Das Besondere daran ist, dass OSPE der einzige Selbsthilfeverein in Deutschland ist, der EUTB in der Form anbietet. Alle anderen sind an eine Institution gebunden. Durch diese sieben Beratungsbereiche entwickelt sich auch ein gutes Netzwerk untereinander.

Gibt es denn den Bedarf für die EUTB-Beratung im Landkreis Miesbach?

Wir glauben fest daran, dass der Bedarf groß ist. Momentan beraten wir von unserem Hauptbüro in Bad Tölz aus. Jedoch sind die öffentlichen Verkehrsmittel mitunter nicht so gut, dass die Betroffenen dorthin kommen können, zum Beispiel mit dem Rollstuhl. Insofern wollen wir die Präsenz in Miesbach und Holzkirchen mehr stärken. Wir kommen aber auch nach Hause zu den Betroffenen, um sie zu beraten. Nach dem Start am Donnerstag werden wir beobachten, wie sich die EUTB-Beratung entwickelt. Wenn der Bedarf da ist, können wir die Intervalle der Sprechzeiten auch anpassen.

  • Weitere Informationen zu dem Angebot gibt es online sowie unter den Telefonnummern 08041/77711 und 0159/01691895.

ksl

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