Der Minister warnt vor hängenden Köpfen

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INGRID VERSEN, Wildbad Kreuth – Einen derartigen Andrang hatte es beim CSU-Neujahrsempfang zuvor noch nie gegeben. 1600 geladene Gäste fanden sich am vergangenen Sonntag im Festsaal der Hanns-Seidel-Stiftung ein. Die ersten Besucher waren bereits um 9.15 Uhr vor Ort, obwohl der Stehempfang erst um 11 Uhr beginnen sollte. Für ältere und behinderte Gäste standen 100 Sitzplätze bereit. Erstmals wurde in der Molkehalle ein beheiztes Zelt aufgebaut inklusive Beschallung, um allen Angemeldeten die Möglichkeit zu bieten, am Festakt teilzunehmen. Der Grund für den Rekordansturm: Bayerns Polit-Liebling, Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, gab sich die Ehre und war als Festredner angesagt. Erst mit 40-minütiger Verspätung konnte die Bläsergruppe Fischbachau die Besucher musikalisch einstimmen und der Gastgeber, Landrat Jakob Kreidl, den Neujahrsempfang eröffnen. Zahlreiche Ehrengäste wurden willkommen geheißen. Seitens der herzoglichen Familie waren S.K.H. Herzog Max in Bayern mit Gattin Elizabeth und Tochter Helene erschienen, die eng mit Festredner zu Guttenberg befreundet sind. Die weiteste Anreise hatte eine Landwirtschaftsgruppe aus Niedersachsen auf sich genommen. „Wir zählen zur wachstumsstärksten Region Europas und haben den Ruf, Landkreis des sozialen Mitarbeitens zu sein“, sagte Landrat Kreidl zu Beginn der Veranstaltung. Er blickte aus Sicht der Region auf das vergangene Jahr zurück. Drei weiterführende Schulen seien 2009 dem Landkreis Miesbach genehmigt worden. „Bildungspolitik ist die Sozialpolitik des 21. Jahrhunderts“, so Kreidl leidenschaftlich. Und er freut sich, dass sich die Gästezahlen im Spitzinggebiet nach Renovierung der Liftanlagen verdoppelt haben. Dann trat Bundesminister zu Guttenberg unter tosendem Applaus ans Rednerpult. „Ich freue mich sehr, als geduldeter Oberfranke am Ort der parteipolitischen Sanftmütigkeit reden zu dürfen“, eröffnete er strahlend seine Rede. Er entschuldigte Verbraucherministerin Ilse Aigner, die wegen der „Grünen Woche in Berlin“ in Kreuth nicht anwesend sein konnte: „Sie hat meinen ausdrücklichen Respekt, dass sie diese Messe im aufrechten Gang überlebt und zudem den dabei üblichen Alkoholtest gegenüber dem Regierenden Bürgermeister von Berlin voll gewonnen hat“, berichtete zu Guttenberg schmunzelnd. Ernsthaft beleuchtete er die Berechenbarkeit und Unberechenbarkeit in dieser Zeit. „Es ist ungesund, den Kopf hängen zu lassen, wenn einem das Wasser bis zum Hals steht“, beurteilte er die derzeitige Wirtschaftskrise, die auch 2010 noch nicht vorbei sei. Bei der Landespolitik dürfe man die Kommunen nicht vergessen, denn die müssten sich täglich mit den Menschen vor Ort auseinandersetzen. Zu Guttenberg bedauerte, dass durch die Wirtschaftskrise die positiven Jubiläen wie „60 Jahre Bundesrepublik Deutschland“ sowie „60 Jahre Grundgesetz“ und „20 Jahre Fall der Mauer“ praktisch alle untergegangen seien. „Der glücklichste Moment in meinen politischen Leben war der Fall der Mauer“, bekannte der Festredner. Mehr Verständnis für Traditionen wünschte sich zu Guttenberg, ebenso mehr Selbstbewusstsein, um nicht in Kulturvergessenheit zu geraten. Dann kam zu Guttenberg auf sein politisches Fachgebiet zu sprechen: „Seit 1992 ist die Bundeswehr ununterbrochen im Auslandseinsatz, was schon ein Teil Normalität geworden ist“. Bezüglich Afghanistan müsse man auch unbequeme Dinge ansprechen. Es sei keine Schande, einen Fehler zuzugeben, auch wenn das anscheinend unüblich sei. Wichtig sei, dass die deutschen Soldaten Rechtssicherheit bekommen und sich verstanden fühlen. Donnernden Applaus bekam Karl-Theodor zu Guttenberg als er versprach, wie eine Wetterfahne stehen bleiben zu wollen und bei persönlichen Angriffen nicht gleich umzufallen. Danach trug er sich in das Goldene Buch der Gemeinde Kreuth ein.

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