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Burnout: Patientin der kbo-Lech-Mangfall-Klinik Agatharied berichtet

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Psyche
Melancholisch beim Sonnenuntergang: Ein Burnout kann sich auch durch Depressionen äußern. © picture alliance/dpa/Symbolbild

Hausham – Rechtzeitig Hilfe holen – dazu appelliert Liane Manger. Sie wurde wegen eines Burnouts in der kbo-Lech-Mangfall-Klinik Agatharied behandelt.

Arbeitsüberlastung führte Liane Manger in eine tiefe Depression. Hilfe fand die 58-jährige Krankenschwester und stellvertretende Stationsleiterin aus Benediktbeuern in der Tagesklinik der kbo-Lech-Mangfall-Klinik Agatharied. Im Gespräch erzählt die Mutter zweier erwachsener Kinder, wie es zur Erkrankung kam und wie sie mit Hilfe verschiedener Therapien aus der schlimmsten Krise ihres Lebens gestärkt hervorgegangen ist.

Frau Manger, Sie waren wegen eines Burnouts mit akuten Depressionen in Behandlung. Wie kam es dazu?

Das war ein schleichender Prozess, der 2021 kurz vor Weihnachten in einem Burnout mündete, der sich in Depressionen zeigte. Es begann alles mit Schlafstörungen. Ich war ständig müde und die negative Spirale begann, sich zu drehen. Ich fühlte mich am Ende von allem überfordert, war antriebslos und litt unter körperlichen Schmerzen in Kopf, Rücken und Bauch. Alles wurde mir zu viel – selbst Sport. Früher bin ich gerne geradelt, gejoggt, gerudert und habe Triathlon betrieben. Anfangs konnte ich zumindest noch Golf spielen. Die Konzentration hat mich abgelenkt und kurzzeitig das Gedankenkarussell zum Stillstand gebracht, aber irgendwann war es auch damit vorbei. Die negativen Gedanken nahmen immer mehr zu und auch die Angst, im Job einen folgenschweren Fehler in der Behandlung der Patienten zu begehen. Deshalb habe ich mich schließlich aus der absoluten Not heraus dazu entschlossen, die Reißleine zu ziehen und mir professionelle Hilfe zu suchen.

Ist Ihnen das schwer gefallen?

Ja, ich wollte meine Erkrankung lange Zeit nicht wahrhaben. Ich kannte Traurigkeit oder Melancholie bis dahin nicht, bin bis zu dem Burnout immer ein fröhlicher und ausgeglichener Mensch gewesen und dachte bis zuletzt, es alleine zu schaffen. Das alles hat sich über zwei Jahre entwickelt. Besonders das letzte war wegen Corona extrem hart. Die Arbeitsbelastung stieg von Tag zu Tag und ich fühlte mich immer elender. Es kam eben einfach alles zusammen. Zudem trage ich gerade als stellvertretende Stationsleiterin nochmals eine höhere Verantwortung und dachte, dass man mich auf Station auch aufgrund dieser Position besonders braucht. Man fühlt sich ja irgendwie immer unersetzlich – bis dann gar nichts mehr geht.

Dann haben Sie sich zu dem Schritt entschlossen, sich in der Tagesklink der kbo-Lech-Mangfall-Klinik Agatharied anzumelden?

Ich bin regelrecht ausgebremst worden, konnte einfach nicht mehr. Ich habe meine Hausärztin aufgesucht. Sie riet mir dazu, mich in der kbo-Lech-Mangfall-Klinik zu melden. Zunächst habe ich dort zwei Einzelgespräche mit einem kompetenten Psychologen geführt. Danach war klar, dass Gespräche alleine nicht ausreichen würden.

Und Sie haben sich zur Behandlung in die Tagesklinik begeben?

Richtig, dort wurde ein Therapieplan individuell auf meine Bedürfnisse zugeschnitten: Verschiedene Gruppenangebote wie Depressionsbewältigung, Umgang mit Gefühlen, Achtsamkeits- und Entspannungstraining, Aromatherapie oder Übungen zur Stresstoleranz wechselten mit weiteren Einzelgesprächen.

Hat Ihnen das gut getan?

Ja, absolut. Ich habe auch in der Holzwerkstatt gearbeitet. Bewegungs- und Kunsttherapie haben mir ebenfalls viel Spaß gemacht. So war ich von 8 bis 16 Uhr sieben Wochen lang in den besten Händen, fühlte mich rundum gut betreut und beschützt, habe jederzeit Hilfe bekommen. Insbesondere die Gruppe mit immer denselben Mitpatienten hat mir viel Kraft und Halt gegeben. Es ging von Tag zu Tag stetig bergauf.

Es gab zwischendrin keine Krisen?

Nein, gar nicht. Es war in der Tat ein Prozess, in dem ich ständig über mich gelernt habe und der eigentlich immer positiv war, wenn auch nicht immer einfach, und aus dem ich gestärkt hervorgegangen bin. Heute kann ich mit Stress viel besser umgehen und habe gelernt, auf Frühwarnsignale zu achten und mich nicht zu übernehmen.

Welche Warnsignale sind das?

Zum Beispiel, wenn der Schlaf wieder schlechter werden oder sich das Gedankenkarussell drehen sollte oder ich gereizter werde, darauf Acht zu geben und entsprechend gegenzusteuern. Die Werkzeuge habe ich in der Zeit, die ich in der Tagesklinik in Behandlung war, mit an die Hand bekommen.

Werden Sie weiterhin unterstützt?

Ja, ich werde ambulant im kbo-MVZ betreut, dem Medizinischen Versorgungszentrum in Bad Tölz. Ein sinnvoller und hilfreicher Übergang in den Alltag, der wichtig und beruhigend ist, denn ich weiß: Sobald ich alleine nicht mehr zurechtkomme, finde ich hier schnell Unterstützung.

Was war bei der Behandlung aus Ihrer Sicht wichtig für den Erfolg?

Neben der Professionalität der Behandelnden und der Vielseitigkeit der Therapieformen vor allem die eigene Bereitschaft, sich darauf einzulassen. Man muss wirklich gesund werden wollen, bereit sein, sich zu ändern und Hilfe anzunehmen. Der Austausch in der Gruppe unter Gleichgesinnten hat ungeheuer gut getan. Man wusste: Man ist nicht alleine mit seinen Problemen. Es geht anderen genauso.

Was würden Sie anderen raten, die sich in einer ähnlichen Situation befinden wie Sie?

Sich nicht zu viel Zeit zu lassen, rechtzeitig Hilfe zu holen und diesen Schritt nicht aufzuschieben oder hinauszuzögern. Ich habe einfach zu lange damit gewartet, zu lange gedacht und gehofft, es alleine zu schaffen. Das war ein Fehler. Deshalb ist es so eskaliert. Hätte ich die frühen Symptome ernst genommen und wäre schon damals mit Beginn der Erkrankung in die Tagesklinik gegangen, hätte mir das viel Leid erspart.

Nehmen Sie weitere Erkenntnisse für sich persönlich mit?

Ich habe tatsächlich vieles fürs Leben lernen dürfen. Was meine Arbeit angeht, die Lektion, dass man eben nicht unersetzlich ist und anderen nur dann eine wirkliche Hilfe sein kann, wenn man selbst gesund und glücklich ist. Dass man an sich arbeiten muss, ein Leben lang – auch das ist mir bewusst geworden. Ich sehe das Leben nun von einer ganz anderen Warte aus, kann mich an einer kleinen Blume am Wegesrand, an der Wärme der Sonnenstrahlen und überhaupt an verschiedenen, kleinen Dingen im Alltag erfreuen.

Sie sind bewusster geworden?

Genau, im Wahrnehmen und Genießen. Im Hier und Jetzt zu leben, ist für mich inzwischen zu einer immerwährenden Übung geworden.

Kontakt zur Tagesklinik:

Telefon 08026/3932138 oder E-Mail anmeldung.lmk-aga@kbo.de

gb

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