„Mit Gegebenheiten umgehen“

Naturfreundestraße: Ausbaumöglichkeiten vorgestellt / Petition für Baumerhalt

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Zu schmal, zu kaputt und mit belastetem Fundament: Die Naturfreundestraße in Hausham muss saniert werden.

Hausham – Die Naturfreundestraße – genauer ihr Ausbau – war das große Thema der jüngsten Haushamer Bürgerversammlung. Warum dieser wichtig ist, war gut nach der Veranstaltung zu beobachten: Kaum hatten sich die Zuhörer aus dem zuvor vollen Saal des Alpengasthofs „Glück Auf“ zu ihren Autos begeben, wurde der Weg durch die Naturfreundestraße für entgegenkommende Autofahrer zur Geduldsprobe. Denn sie mussten zwischen den auf ihrer Straßenseite geparkten Wagen verharren, bis die Wagenkolonne Richtung Bahnübergang an ihnen vorbeigezogen war. Mehr Platz muss also her, damit der Verkehr besser fließen kann. Wie das aussehen könnte, erklärte Michael Schütte, Geschäftsführer des Ingenieurbüros Dippold & Gerold bei der Bürgerversammlung.

„Es gibt bislang keine Entscheidung für konkrete Maßnahmen“, betonte Bürgermeister Jens Zangenfeind als Einleitung für die Vorstellung der möglichen Ausbauvarianten. Bisher sei lediglich eine Bedarfs­erhebung für die anstehende Sanierung sowie das Ausloten von Ausbaumöglichkeiten in Auftrag gegeben worden. „In dieser Phase sind wir jetzt“, richtete Zangenfeind an die Zuhörer, darunter auch viele Anwohner der Straße. Ihnen versicherte der Bürgermeister, dass sie nicht für die Kosten des Ausbaus aufkommen müssen („Die Straßenausbaubeitragssatzung gibt es nicht mehr.“). Wo das Geld für die Sanierung herkommen solle, sei allerdings auch nicht klar. „Wir müssen abwarten, was der Gesetzgeber sagt“, erklärte Zangenfeind. Dass etwas passieren müsse, sei aber unbestreitbar: „Die Straße ist am Ende. Wir haben da solche Löcher, dass wir Warnhinweise aufstellen müssen.“

Ganz einfach gestaltete sich der Auftrag zum Ausbau der etwa 500 Meter langen Straße zwischen Schlierach und der Kreuzung zum Bahnübergang für Ingenieur Michael Schütte wegen der bereits bestehenden Häuser jedoch nicht: „Es gibt keine großen Möglichkeiten für eine Bebauung, wir müssen mit den Gegebenheiten umgehen“, erklärte er. In seiner Präsentation führte er die Zuhörer von der Schlierach zur Kirche St. Anton und weiter in Richtung Bahnübergang. Am Beginn der Straße gestaltet sich die Ausgangslage besonders eng: Um eine Fahrbahnbreite von 5,30 Meter zu erreichen, müssen die Gehwege auf 1,80 bis 1,55 Meter verschmälert werden. Nur so sei ein Begegnungsverkehr von Auto und Lastwagen möglich. Die Parkplätze sollen deutlich sichtbar abgegrenzt werden.

Auf Höhe der Kirche haben die Planer zwar schon mehr Platz zur Verfügung, allerdings verhindert die Baumallee entlang der Kirche eine weitere Verbreiterung. Schütte stellte daher zwei mögliche Varianten vor: Nummer eins sieht eine Fahrbahnbreite von mehr als 5,30 Metern plus Gehwegen und Parkstreifen vor. Allerdings müssen dafür die Bäume weichen, der dahinter liegende Gehweg würde direkt an die Straße anschließen. Sollen diese erhalten bleiben (Variante zwei), bilden sie eine Art Mittelstreifen zwischen den Fahrbahnen, die auf beiden Seiten an der Allee vorbeilaufen. Wie und ob die Bäume die Begrenzung verkraften, sei aber noch unklar, warnte Schütte. Für beide Varianten sei ein Streifen vom Kirchengrundstück vonnöten. Hier stehe die Gemeinde bereits mit der Kirche in Kontakt, erklärte der Ingenieur.

Aber nicht nur die Varianten des Ausbaus beschäftigten das Ingenieurbüro, sondern auch die aktuelle Untergrundbeschaffenheit der Naturfreundestraße. Bisherige Testbohrungen haben ergeben, dass der Kies an zwei Stellen durch teerhaltige Materialien belastet ist. Dieser muss teuer entsorgt werden, was für höhere Kosten sorgen wird. Auch die Wasserleitungen und der Regenwasserkanal liefern keinen Grund zur Freude: Letzterer sei in „bautechnisch schlechtem Zustand“, Leitungen und Kanal müssen wohl erneuert werden. Insgesamt kommen für den Ausbau der Naturfreundestraße wohl Kosten von 2,35 Millionen Euro auf die Gemeinde zu, schätzt Schütte.

Die Anwohner selbst zeigten sich am meisten von den Dauerparkern genervt. Schütte regte an, es stehe der Gemeinde frei, die Parkdauer an der Naturfreundestraße einzuschränken. Der Wegfall einiger Parkflächen sei jedoch nicht sinnvoll: „Das würde den Geschäften schaden.“

Zum Thema: Interessengruppe für Baumerhalt

Hausham – Gegen eine mögliche Fällung oder Schädigung der Bäume an der Kirche St. Anton beim Ausbau der Naturfreundestraße hat sich bereits Widerstand formiert: Der Landschaftsschutzverein Hausham setzt sich für den Erhalt der Bäume ein und fordert die Sanierung der Straße ohne ihre Verbreiterung, die das Fällen oder die Allee-Lösung erst nötig machen würden (siehe Text). Der Verein hat deshalb eine Petition gestartet. Weitere Informationen gibt es hier.

she

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