Winterkrise bei Gespräch analysiert

Welche Zukunft der Schienenverkehr im Oberland hat

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Beim Arbeitskreis Oberlandbahn im Ministerium waren (v.l.) BOB-Geschäftsführer Fabian Amini, Holzkirchens Bürgermeister Olaf von Löwis, der Tegernseer Bürgermeister Johannes Hagn, Georg Kleeberg vom Landratsamt Miesbach und Heino Seeger, Geschäftsführer der Tegernsee-Bahn, dabei.

München/Landkreis - Nach der Krise im vergangenen Rekordwinter will man künftig besser vorbereitet sein bei BOB und Deutscher Bahn. Wie, ist jüngst in München besprochen worden.

Bei einem Treffen im Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr in München wurde der auch für den Schienenverkehr verheerende vergangene Winter analysiert. Es wurden Maßnahmen besprochen, die einen solchen Totalausfall im kommenden Winter verhindern sollen. Außerdem wurden wichtige Neuerungen und Verbesserungen für den Schienenverkehr im Oberland vorgestellt. Bei diesem Treffen der Experten sollte es nicht um Schuldzuweisungen gehen, sondern um Lösungen. Das machte gleich einer der ersten Beiträge deutlich: „Sowohl die DB Netz, als auch die Bayerische Oberlandbahn sind für die Winterkrise verantwortlich“, hieß es da.

An dem Treffen des Arbeitskreises Oberlandbahn nahmen der bayerische Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) teil, seine Amtsvorgängerin Ilse Aigner (CSU), der Bundestagsabgeordnete Alexander Radwan (CSU) sowie die Bürgermeister des Marktes Holzkirchen und der Stadt Tegernsee, Olaf von Löwis und Johannes Hagn, die Geschäftsführer der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) und der Tegernsee-Bahn, Fabian Amini und Heino Seeger, sowie Vertreter der Deutschen Bahn und der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG), ebenso wie Mitarbeiter der Landratsämter Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen.

Im Kern wurden drei Problemfelder als ausschlaggebend festgestellt: Die Störfallkonzepte sollen überarbeitet werden, die Fahrgast­information muss verbessert werden und Wartung sowie Instandhaltung der Fahrzeuge haben Priorität. Der Geschäftsführer der BOB berichtete, Wartung und Instandhaltung der Fahrzeuge würden vom TÜV überprüft. Trotz eines kompletten Fahrzeugtauschs Mitte 2020 würde hier nicht gespart.

Außerdem merkte er selbstkritisch an, dass die BOB bei Großstörungen Busse besser nach einem Notverkehrskonzept einsetzen müsse. Der Experte der DB Netz sagte, die Bahn habe ihr Einsatzstufenkonzept und ihren Notfallplan überarbeitet. Eine zusätzliche Fräse in München-Ost und ein Schneepflug in Rosenheim wurden stationiert.

Große Hoffnung verbanden alle Verkehrsexperten mit den neuen Zügen: Ab Sommer 2020 sollen 25 Züge vom Typ Lint54 fahren. Sie wurden als „einheitliche zuverlässige Flotte“ beschrieben. Der Standardfahrzug würde schon 100-mal in Deutschland eingesetzt. Im Gegensatz zu Talenten und Integralen – den bisher verwendeten Zugmodellen – sind beim Lint alle Fahrzeuge koppelbar.

Nach Auskunft des Herstellers werden die Züge für das Oberland jetzt gerade gebaut. Sechs zusätzliche Züge sollen speziell in Richtung Tegernsee öfter einen 30-Minuten-Rhythmus in Stoßzeiten erlauben. Diese zusätzlichen Züge sollen mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2020 bereitgestellt werden.

Die Mehrleistung durch die Extra-Züge soll 300.000 Zugkilometer betragen. Noch mehr Züge erlaubt die veraltete Infrastruktur momentan nicht. Für einen generellen 30-Minuten-Takt müssten große Umbauten und Erweiterungen realisiert werden: Für eine höherer Streckengeschwindigkeit müssten einige Bahnübergänge abgebaut werden. Es braucht Ausweichgleise. Fischbachau müsste zu einem Begegnungsbahnhof ausgebaut werden. Dieser ist nötig, um einen 30-Minuten-Takt nach Bayrischzell zu ermöglichen.

Der kürzere Takt würde dem täglichen Verkehr dienen, besonders aber dem Ausflugsverkehr. Bereits angekündigt sind neue elektrische Stellwerke in Schliersee und Bayrischzell. 2021 sollen sie die Arbeit aufnehmen. Die Elektrifizierung der gesamten Strecke soll vorangetrieben werden, 71 Kilometer haben noch keinen Fahrdraht.

Um den Busverkehr im Landkreis Miesbach zukunftsfähig zu gestalten, wird derzeit ein neuer Nahverkehrsplan als Grundlage erarbeitet. Dieser wird Ende des Jahres vorgestellt. Mitte Dezember will der Kreistag darüber beraten. Das Geld für erste Maßnahmen ist bereits im Haushalt eingestellt. Erste Schritte können so schon umgesetzt werden, bevor ein Beitritt des Landkreises zum Verkehrsverbund MVV erfolgt. Bus- und Zugverkehr sollen besser aufeinander abgestimmt sein – sowohl im Fahrbetrieb, als auch bei der Anlieferung. „Wenn der Takt verdichtet wird, sollen auch die Busse da sein“, sagte ein Mitarbeiter des Landratsamtes. ksl

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