„Zu mir muss keiner kommen, der nicht will“

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ASSJA TERSEGLAV, Landkreis  – Es ist ein Thema, bei dem sich sogar beste Freunde gehörig in die Haare bekommen können: Der Nichtraucherschutz. Am morgigen Sonntag, 4. Juli, stimmen die Bayern per Volks­entscheid darüber ab, ob es bei der jetzigen, nach dem CSU-Wahldebakel gelockerten, Version bleibt oder in Zukunft wieder strenges Rauchverbot herrscht. Betroffen sind von der Entscheidung vor allem Gastronomen, die bei einer erneuten Verschärfung des Nichtraucherschutzes um ihren Umsatz fürchten. Das Gelbe Blatt hat sich bei einigen Wirten aus dem Landkreis umgehört. Zwar plädieren die meisten grundsätzlich für einen Nichtraucherschutz, doch sollte auch Rauchern ein Raum geboten werden, um ihrer Zigarette zu frönen. Hans Kandlinger von gleichnamigen Café in Hausham macht sich durchaus Sorgen. „Wir haben einen Stammtisch, der aus vielen Rauchern besteht“, sagt er. Derzeit treffen sich dessen Teilnehmer im abgetrennten Raucherzimmer des Cafés. Sollte es das aber bald nicht mehr geben, fürchtet Kandlinger, dass auch die Stammkunden zu Hause bleiben. „Wenn das passiert, weiß ich nicht, wie es weiter gehen soll.“ Deshalb findet er die jetzige Lösung, Raucher und Nichtraucher räumlich zu trennen, gut. „Ich bin für Nichtraucherschutz, aber ich bin auch für Toleranz.“ Ebenfalls einen Raucherraum hat das monte lago in Rottach-Egern. Zudem werden in dem Lokal feine Zigarren und andere Tabakwaren verkauft. Sollte die Mehrheit der Bayern morgen tatsächlich mit Ja stimmen, „müssen wir schauen, was möglich ist“, sagt Betriebsleiter Carsten Holzhauer. Seine rauchenden Gäste möchte er nicht verlieren, deshalb überlegt er, welche Möglichkeiten es gäbe einen Raucherclub zu gründen beziehungsweise der Raucherraum an einen entsprechenden Verein zu vermieten. Dieses Modell hätte dann allerdings nichts mehr mit den Raucherclubs zu tun, die nach der Einführung des strengen Rauchverbots durch die damalige CSU-Regierung wie Pilze aus der Erde geschossen sind. Vielmehr wäre das dann ein richtiger, eingetragener Verein. Am liebsten wäre es aber auch Holzhauer, wenn alles so bliebe wie bisher. Deshalb werden er und die Belegschaft des monte lago am Sonntag alle zur Wahl gehen. „Dann wollen übrigens auch die Nichtraucher mit Nein stimmen.“ Deutlich gegen eine Verschärfung des Nichtraucherschutzes spricht sich Spinnradl-Chef Bernhard Simon aus. In seiner Diskothek darf geraucht werden. „Wenn’s so bleiben würde, wär’s uns Recht.“ Allerdings macht auch er sich bereits Gedanken über die Zeit nach einem eventuellen Ja. „Dann müssten wir die Raucher wieder rausschicken.“ Damit diese dann allerdings nicht sämtlichen Witterungen ungeschützt ausgesetzt sind, würde Simon das Vordach verlängern lassen. Über dieselbe Thematik denkt auch Hans Vogl jun., Chef des Hotels und Landgasthofs Altwirt in Großhartpenning, nach. Raucher, die vor der Tür stehen, sind nämlich vor allem nachts ein Lärmproblem – in Vogls Fall zudem für die eigenen Hotelgäste. Nicht zuletzt deswegen wird auch er morgen mit Nein stimmen. „Bei der ganzen Diskussion stört mich aber am meisten, dass das mein Haus und mein Hotel ist und mir wird vorgeschrieben, was ich zu machen habe.“ Von seinen drei gastronomisch genutzten Räumen herrscht in zweien absolutes Rauchverbot, lediglich in der Bar dürfen sich Gäste ab 22 Uhr ungestört eine Zigarette anzünden. Vogl würde sich wünschen, dass es dabei bliebe. „Ich bin ja kein Bahnhof oder ein anderes öffentliches Gebäude“, argumentiert er, „zu mir muss keiner kommen, der nicht will“. Aber letztlich, und damit teilte er nicht nur die Meinung zahlreicher Kollegen aus der Gastronomie, müsse man einfach den Volksentscheid abwarten.

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