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Nach Ausflugschaos: Krisengipfel zwischen Bürgermeistern

Videokonferenz der Bürgermeister
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Münchens Vize-Bürgermeisterin Katrin Habenschaden spricht mit Bürgermeisterkollegen über die Situation im Oberland.

Tegernsee – Tagesausflüge in den Landkreis Miesbach haben in diesem Winter überhand genommen. Wie es weitergehen soll, ist nun bei einer Videokonferenz mit Münchens Zweiter Bürgermeisterin besprochen worden.

Münchens Zweite Bürgermeisterin Katrin Habenschaden hat sich vor Kurzem mit mehreren Bürgermeisterkollegen aus dem Oberland zu einer Videokonferenz getroffen. Es ging dabei um Vorbehalte in einigen Gemeinden gegenüber Ausflüglern aus München und die Frage, wie sich die angespannte Situation in gegenseitigem Einvernehmen lösen lässt.

An dem Gespräch nahmen teil Robert Kühn für Bad Wiessee, Michael Bourjau für Tegernsee, Franz Schnitzenbaumer für Schliersee, Gerhard Braunmiller und Astrid Güldner für Miesbach sowie Christian Kausch, Geschäftsführer der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT), die zu dem Gespräch eingeladen hatte.

Katrin Habenschaden machte den Vorschlag, eine gemeinsame Informationskampagne zu starten, um die Münchner Tages­touristen für die Situation im Alpenvorland zu sensibilisieren und für gegenseitiges Verständnis zu werben. Teil der Kampagne könnte zum Beispiel sein, auf attraktive Ziele abseits der bekannten Touristenmagnete hinzuweisen. Dies könnte ihrer Meinung nach dazu beitragen, besonders betroffene Orte vom Autoverkehr zu entlasten, und zudem helfen, die Ansteckungsgefahr mit Corona zu reduzieren.

Info-Kampagne für Tagestouristen

Diesen Vorschlag begrüßten die Bürgermeister einhellig. Die Runde einigte sich zudem darauf, einen Runden Tisch Tagestourismus ins Leben zu rufen, an dem München, betroffene Gemeinden und Landkreise sowie Tourismusverbände teilnehmen.

„Die Münchner lieben das Alpenvorland mit seiner wunderschönen Natur. Ein Besuch im Oberland ist Balsam auf die Seele vieler Stadtbewohner und gerade für viele ein Lichtblick in schweren Zeiten“, sagte Katrin Habenschaden. „München und das Umland leben in einer Symbiose und besonders während Corona müssen wir einander helfen und solidarisch sein.“ Der Genuss der Naturschönheiten und die Erholung in der freien Natur sei allen Bürgern in der bayerischen Verfassung garantiert. Dieses Recht müsse aber mit Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt einhergehen.

Gesprächsbedarf zu Hass auf Münchner

Nach dem Ende der Corona-Beschränkungen heiße man alle Gäste wieder willkommen, erklärte Bad Wiessees Bürgermeister Robert Kühn: „Wir werden an unserem gemeinsamen Ziel arbeiten, einen sanften und rücksichtsvollen Tourismus im Oberland zu etablieren und in die Köpfe der Bürger zu bekommen.“

Das Tegernseer Tal empfange seit Generationen Gäste und verstehe sich als Erholungsgebiet, fügte Michael Bourjau, Zweiter Bürgermeister der Stadt Tegernsee, hinzu. Vor diesem Hintergrund seien die aktuellen Einschränkungen und das anhaltende Erholungsbedürfnis der Besucher eine Herausforderung für beide Seiten. „Gegenseitiges Verständnis und ein offener Dialog schaffen den Rahmen für ein freundschaftliches Miteinander in der Krise und ebnen den Weg für ein Danach“, sagte er.

Miesbachs Bürgermeister Gerhard Braunmiller merkte einen weiteren Aspekt an: „Künftig werden wir die Mobilität nur in den Griff bekommen, wenn wir uns vernetzen und mit Hilfe der digitalen Echtzeitinformation eine zuverlässige Quelle über Verkehrsflussinformationen im Miesbacher Oberland bieten, womit die Verkehrsteilnehmer und Besucherströme gelenkt werden.“

Ausflugsverkehr besser lenken

Auch der ÖDP-Kreisverband Miesbach hat sich zu dem Thema geäußert. „Sicher wäre ein Umlenken der Ausflügler von der Straße auf den ÖPNV sinnvoll und wünschenswert, an der Zahl der Besucher ändert dies aber nichts“, erklärt ÖDP-Kreisrat Olaf Fries. „Wir befürworten das zeitweise Sperren von Straßen, wenn die Parkplätze voll sind. Allerdings müssen dann alle zurückgeschickt werden, egal welches Nummernschild am Auto angebracht ist.“

Das Feindbild des bösen Münchners sei nicht hilfreich, sondern inakzeptabel. Kritisch gesehen werde, wenn die Natur mit menschlichen Hinterlassenschaften übersät werde. In diesem Punkt stünden ganz klar die Gemeinden in der Verantwortung, genügend Mülleimer und Toilettenhäuschen aufzustellen. ksl

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