An einem Strang gezogen

Nach dem Katastrophen-Fall: Dankeschön-Empfang für die Rotkreuz-Familie im Landkreis Miesbach

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So schnell brauchen sie zwar keine Katastrophe mehr, aber geehrt zu werden, ist trotzdem schön... Als Dank für ihren schier unermüdlichen Einsatz während der Schneekatastrophe erhielten die verdienten Rotkreuz-Helfer aus dem Landkreis Urkunden und Erinnerungsplaketten vom BRK-Kreisvorstand.

Miesbach/Landkreis – Welche logistischen Herausforderungen allein das lokal engagierte Bayerische Rote Kreuz während der Schneekatastrophe vor gut vier Wochen meisterte, wurde am Freitagabend vergangener Woche im Miesbacher „Bräuwirt“ deutlich. Als Zeichen der Wertschätzung lud der BRK-Kreisverband alle beteiligten Helfer aus dem Landkreis zu einem zünftigen Essen ein und ehrte sie für ihren Einsatz mit Urkunden und Erinnerungsmedaillen.

„Ihr alle habt mit eurem großen Engagement, teilweise bis zur Erschöpfung, die Herausforderungen des Katastrophenfalls gemeistert. Über elf Tage hinweg hat jeder an seinem Platz hervorragende Arbeit geleistet. Sei es in der Führungsgruppe Katastrophenschutz, bei der Zubereitung, Organisation und Verteilung der Verpflegung an die Helfer von Feuerwehr, THW, Polizei und so weiter. Sei es bei der Versorgung von Patienten, bei der Evakuierung von Gebäuden, im Hintergrunddienst in Alarmstellung oder anderen wichtigen Aufgaben, damit auch im K-Fall das Tagesgeschäft des Verbandes erledigt werden konnte.“ Mit diesen Worten begrüßte der Kreisvorsitzende Josef Bierschneider die rund 100 anwesenden Mitglieder der Rotkreuzfamilie und bedankte sich nicht nur im Namen des Kreisvorstands, sondern auch von Seiten des Landrats­amtes, der Gemeinden und Bürger, von denen er stellvertretend für alle BRKler große Lobesbekundungen erhalten hatte. „Wir haben während dieser Zeit wertvolle Erfahrungen sammeln können und sind noch besser gerüstet für künftige Herausforderungen.“ Dass sich die zuvor von Kreisgeschäftsführer Robert Kießling prophezeite Hochwasserkatastrophe bewahrheitet, hoffe Bierschneider indes nicht. „Wir können gerne auf eine weitere Katastrophe verzichten!“

Seine Nachredner, die Katastrophenschutz-Beauftragten Matthias Brand und Benedikt Dörder, ließen den K-Fall etwas detaillierter Revue passieren. Stolz berichteten die beiden Fachberater für die Führungsgruppe K-Schutz im Landratsamt sowie für den örtlichen Einsatzleiter, dass alle angebotenen Leistungen des BRK-Kreisverbands Miesbach erfüllt werden konnten. Dank seines komplexen Hilfeleistungssystems sei das BRK in der Katastrophe in der Lage, alle Ressourcen – von den Bereitschaften über die Wasserwacht bis hin zur Bergwacht – zu bündeln und einzusetzen. „Das hat nur so großartig funktioniert, weil ihr alle gemeinsam an einem Strang gezogen habt. Dafür ein riesengroßes Dankeschön, auch für diesen Abend heute. Das ist ein nicht selbstverständliches Zeichen der Wertschätzung“, sagte Brand.

Nicht zuletzt habe der Landkreis Miesbach „einen der größten betreuungsdienstlichen Einsätze erlebt, den es je gab“, sagte Dörder: Rund 15.000 Portionen Essen und 25.000 Liter Getränke wurden verteilt. „In Spitzenzeiten waren zirka 1000 bis 1500 Helfer im Landkreis auf den Dächern und Straßen unterwegs im Einsatz. Ich bin froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist und jeder heil nach Hause gekommen ist.“ So seien auch „nur“ 17 verletzte Einsatzkräfte verzeichnet worden, die nach ambulanter oder teilstationärer Behandlung wieder entlassen werden konnten. „Uns ist auch bewusst, dass einige Themen und Dinge optimierungsbedürftig sind. Es wäre gelogen zu sagen, es war alles super.“

Dass Essen und Trinken durchaus „kriegsentscheidend“ sein können, verdeutlichte Max Jordan mit seinem humorigen Bericht. Der Betreuungsdienst-Fachberater im BRK hatte sich zunächst auf eine „Wochenend-Katastrophe mit ein bisschen Essen“ eingestellt. „Wir ihr alle wisst, hat sich das Ganze deutlich anders entwickelt. Die Anforderungen an uns sind immer weiter gestiegen.“ Von Tag zu Tag schossen die externen Kontingente von Feuerwehr, THW und Bundeswehr, die auch verpflegt werden mussten, in die Höhe – teilweise sei es zugegangen wie bei „Burger King“. Letztlich konnte der Verpflegungstrupp in Hausham das allein nicht mehr stemmen. „In der Spitze haben wir im Einsatzabschnitt Bayrisch­zell 1000 Personen zu verpflegen gehabt.“ So bedankte sich Jordan bei den Kameraden in Holzkirchen, „die dort innerhalb kürzester Zeit ein Logistikzentrum hochgefahren haben, da kann die ‚Metro‘ sich was von abschauen!“ Ansonsten habe dieser Betreuungseinsatz klar gezeigt: „Leben in der Lage – man kann sich nicht auf das verlassen, was irgendwann mal in irgendeiner Dienstvorschrift oder ähnlichem festgelegt worden ist.“ Auch „wunderbare Wandlungen“ habe man in diesem Einsatz erfahren. Zum Beispiel, als sich ein Mitglied der Wasserwacht im Tegernseer Tal zum „Hotelmanager“ gemausert hat: Im Hilfeleistungszentrum Bad Wiessee sei ein „Fünf-Sterne-Bundeswehrhotel“ entstanden, das größtes Lob verdiene. Auch die Kollegen vom Kreisauskunftsbüro vergaß Jordan nicht und lobte die Bergwacht, die Verpflegung dorthin brachte, wo kein normales Fahrzeug mehr hinkam. „Ich brauche für die nächste Zeit keine Katastrophe mehr“, gab Jordan zu. „Wir waren gut, wir werden in unserem Fachbereich aber natürlich daran arbeiten, besser zu werden.“

Aus den Händen von Josef Bierschneider und der stellvertretenden Vorsitzenden Elfriede von Khreninger erhielten die Einsatzkräfte persönliche Urkunden und Erinnerungsplaketten. Es waren zahlreiche Vertreter der BRK-Bereitschaften Bad Wiessee, Hausham, Holzkirchen, Miesbach, Schliersee und Tegernsee sowie der Rettungshundestaffel Miesbach und der Bergwacht dabei. sko

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