Fahrgäste zur Zufriedenheit befragt

Quietschen und mehr: So bessert die BRB in den neuen Lint-Zügen im Oberland nach

Runder Tisch im Holzkirchner Rathaus zu neuen BOB-Zügen
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Bei einem Runden Tisch im Holzkirchner Rathaus sind Ende September Kritikpunkte an den neuen BOB-Zügen diskutiert worden.

Landkreis – Nach heftiger Kritik und einem Runden Tisch wegen der neuen Züge der Bayerischen Regio­bahn (BRB) hat das Unternehmen nun an den Lint54-Modellen nachgebessert und mehr.

Die BRB hat auf allen Streckenästen im Netz Oberland Fahrgäste – darunter Neu- und Stammkunden – dazu befragt, wie zufrieden sie mit den Lint-Fahrzeugen sind. Abgefragt wurden die Bereiche Komfort, Service und Lautstärke sowie der Gesamteindruck. 721 Fahrgäste beteiligten sich an der Umfrage Mitte Oktober. Das Ergebnis: 95 Prozent finden die Lint-Neufahrzeuge besser als die Integral-Flotte. Rund 5 Prozent gefallen die neuen Lint-Fahrzeuge nicht. „Der mit Abstand größte Kritikpunkt der Kunden betrifft die WLAN-Funktionalität“, teilt das Holzkirchner Unternehmen mit. Weiterhin seien sowohl die Gesamtbewertung im bayernweiten, neutralen Qualitätsmesssystem (QMS) der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) als auch die zuletzt dargestellten, einzelnen Qualitätskennzahlen des QMS auf weitere Höchststände gestiegen.

Ein großer Kritikpunkt ist das Thema Barrierefreiheit gewesen. Die beim Runden Tisch in Holzkirchen Ende September versprochene mobile Rampe, die auch von Begleitpersonen oder anderen Fahrgästen bedient werden kann, wurde zwischenzeitlich gemeinsam mit dem Behindertenbeauftragten des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen – Ralph Seifert – getestet, leicht modifiziert und bestellt. „Die Rampe bekommt eine eigene Halterung seitlich des Windfangs am barrierefreien Zustieg und kann selbständig ohne Hilfe des Fahrpersonals entnommen und angelegt werden“, teilt die Bayerische Regio­bahn mit. „Die Ausstattung der gesamten Flotte ist für Ende 2020 vorgesehen.“

Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (2.v.r.) war im Juni extra nach Holzkirchen angereist, um die neuen Lint-Züge zu präsentieren.

Beim Thema Barrierefreiheit in den neuen Lint54-Modellen der Bayerischen Regiobahn sind die Züge zudem von einem unabhängigen Tester des Deutschen Seminars für Tourismus Berlin (DSFT) gemäß der Kriterien von „Reisen für alle“, einem von der Bayern Tourismus Marketing GmbH geförderten und von den regionalen Tourismusverbänden genutzten Kennzeichnungssystems für barrierefreies Reisen, überprüft worden. Die Lint-Züge haben das Prädikat „Information zur Barrierefreiheit“ erlangt, teilt die BRB mit. Dies bedeute, dass Reisende einen umfangreichen Prüfbericht zum gesamten Fahrzeug online einsehen können, der wiederum nach Kriterien für Rollstuhlfahrer, Gehbehinderte, Blinde und Sehbehinderte sowie Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen unterteilt ist. Anhand dieses Berichts könne jeder Reisende entscheiden, ob beziehungsweise inwieweit seine individuellen Bedürfnisse erfüllt werden.

„Bereits im Vorfeld wurden Aufkleber an den Türen mit Zugang zum Bereich für mobilitätseingeschränkte Personen deutlich vergrößert sowie zusätzliche taktile Elemente angebracht“, heißt es in einem Positionspapier der BRB. „Weiterhin wurde ein Film für mobilitätseingeschränktes Reisen erstellt.“ Dieser ist online zu finden.

Ebenfalls für Unmut gesorgt haben die Geräuschemissionen der neuen Lint54-Modelle. In puncto Bremsenquietschen habe der Erfahrungsaustausch mit anderen Verkehrsunternehmen bestätigt, dass dieses Phänomen abnehme, je besser die Züge eingefahren seien. „Dies wird uns zwischenzeitlich auch seitens des Fahrpersonals berichtet“, erklärt die BRB. „Ein Versuch mit alternativen Bremsbelägen hingegen verlief ohne positives Ergebnis.“

Wegen des Kurvenquietschens wurden die Spurkranzschmieranlagen an allen Fahrzeugen überprüft und deren einwandfreie Funktionalität bestätigt. Weitere Optimierungen werden schrittweise und fahrzeugindividuell stattfinden. Im Gmunder Gleisbogen habe die Wiederinbetriebnahme der stationären Kurvenschmieranlage die Lage deutlich verbessert. „Mit der DB Netz AG befinden wir uns in Gesprächen, ob auf dem Streckenast Richtung Bayrisch­zell auch eine Schmieranlage getestet werden darf“, erklärt die BRB. Zudem habe es Messfahrten zwischen Gmund und Tegernsee gegeben, um die Lärmquelle beim Kurvenquietschen zu identifizieren. Ein endgültiges Ergebnis ist noch offen. ksl

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