Runder Tisch in Holzkirchen

Nach Kritik: Das soll sich nun an den neuen BRB-Zügen im Oberland ändern

Runder Tisch im Holzkirchner Rathaus zu neuen BOB-Zügen
+
Bei einem Runden Tisch im Holzkirchner Rathaus sind Kritikpunkte an den neuen BOB-Zügen diskutiert worden.

Holzkirchen – Die neuen Lint-Züge der Bayerischen Regiobahn werden nicht ausgetauscht. Das Unternehmen nimmt die aktuellen Beschwerden in puncto Barrierefreiheit und Geräusche dennoch ernst.

Quantensprung nennen es die einen, völliger Fehlkauf die anderen: Die neuen Lint-Züge der Bayerischen Regio­bahn (BRB) im Netz Oberland polarisieren, seit sie im Sommer eingeführt worden sind. Bei einem Runden Tisch im Holzkirchner Rathaus sind jüngst die wichtigsten Kritikpunkte thematisiert und Lösungen gesucht worden.

Moderiert von Landtagspräsidentin Ilse Aigner sind die beiden Oberland-Landräte Olaf von Löwis für Miesbach und Josef Niedermaier für Bad Tölz-Wolfratshausen und zahlreiche Bürgermeister der betroffenen Gemeinden sowie Vertreter von BRB und Bayerischer Eisenbahngesellschaft (BEG) an einem Tisch zusammen gekommen.

Zunächst ist umfassend erläutert worden, warum die alten Züge des Modells Integrale und Talent nicht mehr zukunftsfähig waren. Knackpunkt ist deren erhebliche Unzuverlässigkeit gewesen, die aufgrund von technischen Störungen zahlreiche Verspätungen oder sogar Zugausfälle ausgelöst hat. „Wir haben immer wieder völlig berechtigte Beschwerden erhalten“, sagt Fabian Amini, Vorsitzender der BRB-Geschäftsführung. „2018 haben wir uns für den Befreiungsschlag entschieden.“ Das heißt, mitten im Betrieb sind neue Fahrzeuge bestellt und angeschafft worden, obwohl der ursprüngliche Gedanke war, dass die Integral- und Talent-Modelle wenn möglich sogar bis zur Elektrifizierung der Strecken im Oberland eingesetzt werden sollen.

Keine Alternative zum Lint54 verfügbar

Eine Alternative zu den Zügen vom Modell Lint54, die seit Mitte Juni im Oberland im Einsatz sind, habe es nicht gegeben, erklärt BEG-Geschäftsführer Thomas Prechtl. „Der Lint ist das einzige Fahrzeug, das möglich ist“, sagt er. „Für andere Modelle hätten wir keine Zulassung erhalten.“ Ursache dafür ist, dass es lediglich zwei Hersteller dieselbetriebener Fahrzeuge in Europa gebe. Der andere habe keine Zulassung für Deutschland. Somit sei die Auswahl begrenzt gewesen. Zudem betont Thomas Prechtl, dass die Lint-Züge allen aktuell geltenden Normen entsprechen. Wäre es nicht so, hätte das Eisenbahn-Bundesamt als oberste Behörde in der Bundesrepublik deren Zulassung abgelehnt.

Die Mängel bei der Barrierefreiheit der neuen BRB-Züge im Oberland sorgen für Unmut bei Menschen mit Handicap. Vor allem der Abstand zwischen Bahnsteig und Zug sorgt für Probleme beim Ein- und Aussteigen. Dieses Nachteils sei man sich bewusst gewesen, erklärt Florian Liese von der BEG beim Runden Tisch in Holzkirchen. Ein zusätzlicher zweiter Rollstuhlfahrerplatz mit zwei in unmittelbarer Nähe angeordneten, separaten Begleitersitzen, die eindeutige räumliche Trennung des Rollstuhlfahrerbereichs vom Mehrzweckbereich für Fahrradfahrer, zusätzliche Notrufknöpfe, die große barrierefreie Toilette sowie zahlreiche neue taktile und akustische Elemente für sehbehinderte Fahrgäste seien einige der Vorteile der Neufahrzeuge, die diesem jedoch gegenüberstünden.

Zusätzliche Rampen für barrierefreien Einstieg

Nachdem Ralph Seifert, Beauftragter für Menschen mit Behinderung im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, und Gisela Hölscher, Kreisrätin und Behindertenbeauftragte aus Waakirchen, nochmals die Situation für Menschen mit Handicap geschildert haben, erklärt BRB-Geschäftsführer Fabian Amini: „Ich verstehe die Kritik und dass es deutlich besser gewesen wäre, sie mit einzubeziehen.“ Er bestreitet nicht, dass der Spalt zwischen Zug und Bahnsteig ein großer Nachteil ist. „Wir dachten, wir könnten das mit einer Rampe und einem besseren Service ausgleichen. Es tut mir leid, wenn wir Ihnen damit nicht genügen konnten“, sagt er. „Ich würde es aber wieder so entscheiden, weil es keine Alternative gibt.“ Ändern wird sich an der Situation also nichts. Lediglich eine Art Riffelplatte soll als Rampe für jeden Zug angeschafft werden, damit auch Begleitpersonen zum Beispiel Rollstuhlfahrern über den Spalt helfen können, erklärt Arnulf Schuchmann, technischer Geschäftsführer bei der BRB.

Geräusche bereits erfolgreich reduziert

In puncto Geräuschemissionen soll allerdings nachgebessert werden. Der Miesbacher Landrat Olaf von Löwis fasst kurz die Situation zusammen. Es geht vor allem um ohrenbetäubendes Kreischen, wenn die Züge zum Beispiel durch die Kurve fahren. „Ich muss zugeben, das verursacht einem schon Gänsehaut“, sagt er. Ebenso in der Kritik stehen Pfeifgeräusche, wenn die Türen öffnen und schließen sowie die Züge an unbeschrankte Bahnübergänge heranfahren und so auf sich aufmerksam machen. Was das Quietschen beim Fahren angehe, habe sich die Situation seiner Meinung nach bereits deutlich verbessert, sagt Arnulf Schuchmann. Dies liege auch daran, dass die neuen Züge sich auf den Strecken einfahren. Was die Piepssignale beim Öffnen und Schließen der Türen sowie das Pfeifen beim Anfahren an unbeschrankte Bahnübergänge angehe, würden dort EU-Richtlinien umgesetzt, über die sich die BRB nicht hinwegsetzen könne. „Wir prüfen, ob wir eine Ausnahme für das Oberland erreichen können, da die EU-Norm eher auf lautere Umgebungen ausgerichtet ist“, sagt der technische Geschäftsführer. Auch die Signale an den Bahnübergängen sollen nochmals auf den Prüfstand, auch wenn sie sich im Normbereich zwischen 101 und 109 Dezibel bewegen.

Zu wenig ist das für Gmunds Bürgermeister Alfons Besel. „Ich erwarte Sofortmaßnahmen, egal, ob Sie andere Züge einsetzen oder mit Hand schmieren“, sagt er. „Unsere Bürger sind seit Wochen Testobjekt und diesem enormen Quietschen ausgesetzt.“ Es sei vieles ausprobiert worden, erwidert Fabian Amini darauf: „Wir sind mit Hochdruck dran, aber es gibt nicht eine Zaubermaßnahme, die sofort wirkt.“ Eines habe man bei dem Runden Tisch gespürt, sagt der Tölzer Landrat Josef Niedermaier zum Abschluss. „Es sind ein paar Schwingungen dabei, die der ganzen Diskussion nicht gut tun.“ Er wünscht sich mehr Konstruktivität. „Wir brauchen den ÖPNV, sonst schaffen wir die Verkehrswende nie.“ ksl

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Coronavirus im Landkreis Miesbach: Scharfe Kritik an neuem Lockdown
Coronavirus im Landkreis Miesbach: Scharfe Kritik an neuem Lockdown
Fahrzeugsegnung bei der Feuerwehr Wörnsmühl
Fahrzeugsegnung bei der Feuerwehr Wörnsmühl
Musikschule Schlierach-Leitzachtal hofft auf größere Unterstützung der Gemeinden
Musikschule Schlierach-Leitzachtal hofft auf größere Unterstützung der Gemeinden
Mit vielen Ideen und Erfahrung! Standortförderin Koppa will „Dinge in die Hand nehmen und umsetzen“
Mit vielen Ideen und Erfahrung! Standortförderin Koppa will „Dinge in die Hand nehmen und umsetzen“

Kommentare