Suche nach Verbesserungen

Nach dem Winterchaos: Bürgermeister-Krisengespräch mit BOB-Verantwortlichen

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Fabian Amini (2.v.l.) stellte den Bürgermeistern, darunter (v.l.) Werner Weindl (Lenggries), Olaf von Löwis (Holzkirchen), Leonhard Wöhr (Weyarn) und Josef Lechner (Fischbachau), einen Maßnahmenplan für Krisenfälle vor.

Holzkirchen/Landkreis – Die Verantwortlichen der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) sind derzeit viel unterwegs. Nicht nur, um für einen reibungslosen Betrieb zu sorgen, sondern auch, um zu erklären, warum es diesen im heftigen Winter nicht gab. Zehn Tage fuhren im Januar südlich von Holzkirchen keine Züge. Das dürfe nicht noch einmal passieren, fordern neben enttäuschten Fahrgästen auch Lokalpolitiker. Ihnen haben sich Fabian Amini, Vorsitzender der BOB-Geschäftsführung, und Stellvertreter Veit Bodenschatz gestellt.

Erst waren sie in der Bürgermeister-Dienstbesprechung zum Rapport, am vergangenen Montag setzten sie die Gespräche im Holzkirchner Rathaus mit Vertretern der Bürgermeister fort. Und am Tag drauf saßen Amini und Bodenschatz bei Landrat Wolfgang Rzehak. Dass die DB Netz AG, die einen erheblichen Teil der Schuld für die Zugausfälle mitträgt, nicht dabei war, ist für Fischbachaus Rathauschef Josef Lechner „auch ein Zeichen“. Die BOB stelle sich der Kritik, nun gehe es darum, schrittweise besser zu werden. Olaf von Löwis, Sprecher der Landkreisbürgermeister, berichtete von „sehr konstruktiven Gesprächen“ mit Amini und Bodenschatz, um die „Probleme nachhaltig zu verbessern“. Dabei gehe es nicht nur um den Katastrophenfall, sondern auch um grundsätzliche Schwierigkeiten der BOB. Als Ziel gab von Löwis aus, „so gut zu werden, dass die Schiene die Lösung für das Verkehrsproblem“ sein kann. Derzeit ist das Gegenteil der Fall. Viele fahren lieber wieder mit dem Auto. 

Die BOB-Führung hat fünf Bereiche ausgemacht, in denen sie für Verbesserungen sorgen möchte und die sie auch selbst beeinflussen kann. Das Unternehmen möchte auf Großstörungen besser vorbereitet sein und erarbeitet dafür einen Managementplan. Das Busnotverkehrskonzept soll verbessert werden. Unter anderem müssen Alternativen zu den SEV-Haltestellen festgelegt werden, falls diese nicht mehr angefahren werden können. Auch müssten gewisse Strecken priorisiert werden. Zudem könnte der RVO private Busunternehmen einbeziehen, ergänzte Bodenschatz. Und um mehr Kapazitäten zu haben, könnten kleinere Transporter Linienbusse ersetzen, damit diese für den Schienenersatzverkehr zur Verfügung stehen. Ein weiterer Punkt ist die bessere Zusammenarbeit mit öffentlichen Stellen. So saß im Januar kein BOB-Vertreter im Krisenstab des Landratsamtes. Große Anstrengungen sind auch bei der Fahrgastinformation nötig. Allerdings steckt dahinter ein kompliziertes Konstrukt, so dass die BOB das nicht alleine in der Hand hat. In diesem Bereich gehe es um „branchenweite“ Optimierungen, sagte Amini. Und nicht zuletzt muss die Zusammenarbeit mit der für die Gleise zuständigen DB Netz AG besser werden. Sowohl bei der Wiederinbetriebnahme als auch „um gar nicht in eine Betriebseinstellung zu kommen“, wie Amini sagte. Da trifft die DB Netz AG wohl ein erheblicher Teil der Schuld. Die BOB zahle jährlich 10 Millionen Euro Trassenerlöse an die Bahn-Tochter. „Da können wir einen anständigen Winterdienst erwarten“, betonte Amini. Zu lange habe es gedauert, bis zusätzliches Personal und Gerät im Oberland ankamen. Dass das aus dem Bundesgebiet zusammengezogen wurde, ist für Amini ein Fehler im System. Er bewertet die Ressourcen für das Alpenvorland als „nicht ausreichend“. Schnelle Hilfe – in Ausnahmefällen – stellte Johannes Hagn, Bürgermeister von Tegernsee, in Aussicht. Bauhof-Mitarbeiter könnten bei besonders heftigen Schneefällen beim Räumen helfen. Als Schwachpunkte haben sich die Weichen erwiesen. 39 müssen südlich von Holzkirchen freigeräumt werden, viele sind gasbeheizt. Diese Technik sei für stärkere Schneefälle und damit in dieser Region laut Amini nicht geeignet. Eine allgemeine Verbesserung verspricht sich der BOB-Chef von den bestellten Lint-Zügen, die ab Mitte kommenden Jahres die Integrale ersetzen werden. Josef Lechner sieht ein grundlegendes Problem: „Eventuell müssen wir daran arbeiten, dass Netz und Betreiber wieder in eine Hand kommen“. Dazu passt Hagns Feststellung: „Den Fahrgästen ist es egal, wer die Weiche räumt. Hauptsache, sie ist geräumt.“ Insofern trifft das diese Woche veröffentlichte Ranking der Bayerischen Eisenbahngesellschaft für 2018 auch nur die BOB. Sie bleibt mit Punktverlusten auf Platz 20 hängen. Der von der BOB ebenfalls betriebene Meridian belegt, ebenfalls unverändert, Platz neun. ft

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