Natura 2000: AELF Holzkirchen führt durchs FFH-Gebiet „Leitzachtal“

Auge auf die Artenvielfalt

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Kartierer Björn Ellner und „Natura 2000“-Gebietsbetreuerin Katharina Löw (h.v.r.) führten eine beispielhafte Bewertung des Lebensraumtyps „Waldmeister-Buchenwald“ durch.

Wörnsmühl – Rund 30 Interessierte folgten jüngst der Einladung des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Holzkirchen nach Wörnsmühl. „Natura 2000“-Gebietsbetreuerin Katharina Löw und Björn Ellner, Kartierer vom AELF Ebersberg, leiteten die Gruppe bei einem informativen Waldbegang.

Ziel war ein alter Buchenwald mit Tannen und Fichten, in dem frisch eingeschlagene Buchen am Wegesrand lagen; ein Wald wie ihn viele Waldbesitzer im Leitzachtal kennen. Obwohl solche Wälder in Bayern durchaus häufig zu finden sind, sind sie europaweit gesehen aber eine Besonderheit. Deshalb sind diese sogenannten „Waldmeister-Buchenwälder“ einer der Lebensraumtypen, die im Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebiet „Leitzachtal“ geschützt werden.

Doch nicht alle Wälder im FFH-Gebiet sind automatisch solche Waldlebensraumtypen. Nur Wälder, die bestimmte Kriterien erfüllen, werden kartiert und ihr Zustand aus naturschutz-fachlicher Sicht bewertet. Kartierer Ellner zeigte beispielhaft, wie das geht. Die Teilnehmer waren zum Mitmachen aufgerufen und beteiligten sich nach dem Motto „learning by doing“, also Lernen durch Ausprobieren. Der Zustand hängt beispielsweise davon ab, wie viel abgestorbenes Totholz sich im Wald befindet oder wie viele sogenannte Biotopbäume, also zum Beispiel Bäume mit Bruthöhlen oder Pilzen man findet. Beides ist wichtig für die Artenvielfalt im Wald. „Auf einem Hektar stehen normalerweise über 100 Bäume. Wenn man davon fünf solche Biotopbäume stehen lässt, freuen sich alle Arten und dem Waldbesitzer tut es nicht weh“, sagt Gerhard Waas, Revierförster am AELF Holzkirchen. Für Biotopbäume und Totholz gibt es auch Fördergelder vom Staat.

Die Sorge, dass man in einem FFH-Lebensraumtyp nicht mehr wirtschaften, also Holz nutzen darf, ist unbegründet, sagt Försterin Löw: „Eine Bewirtschaftung der Wälder kann weiter betrieben werden und ist sogar wichtig. Der Charakter der Wälder muss erhalten bleiben“, erklärt sie. „Größere Projekte wie zum Beispiel der Forstwegebau oder großflächige Nutzungen mit Änderung der Baumarten sollten jedoch vorher mit dem zuständigen Revierförster abgesprochen werden.“

Zum Abschluss zeigte Offenland-Kartiererin Gabriele Anderlik-Wesinger noch eine seit Jahrzehnten nicht mehr gemähte Streuwiese. Eine denkbare Maßnahme im Managementplan hierfür wäre, diese Wiese zukünftig wieder einmal pro Jahr zu mähen und sie so wieder attraktiver für Schmetterlinge und Orchideen zu machen. „ Die Maßnahmen, die im Managementplan vorgeschlagen werden, sind jedoch für die Eigentümer freiwillig“, sagt Anne Meyer von der fürs Offenland zuständigen Regierung von Oberbayern.

eb

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