Wo der Navigator streikt, tobt das Zelt

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FRIDOLIN THANNER, Fischbachau – Die Biermösl Blosn ist nicht zimperlich – ebensowenig wie Gerhard Polt, mit dem die drei Well-Brüder beim 100-jährigen Jubiläum der Auerberger Trachtler auftraten, in einer „herrlich gemischten Sauna“, wie die Blosn das gleichermaßen heiße wie volle Bierzelt nannte. Eine Warmlauf- phase war nicht nötig und wäre auch nicht nötig gewesen. Denn die virtuosen Musiker waren bestens im Bilde über die Region, in der sie auftraten. Das kam ihnen auch bei der Herfahrt zu gute, denn „der Navigator hot gar nix mehr gsogt“. Dass die Polizei das Leitzachtal trocken zu legen plant, wusste das Trio ebenfalls, aber das „hat nichts mit dem darin befindlichen Bach zu tun“. Wenn die Biermösl Blosn den Blick über die Landkreisgrenze hinaus richtet, baut sie vor: „Wir wissen nicht, ob ihr das wisst, weil ihr habt ja kein DSL.“ Bitterböse wird der schwarze Humor der Blosn beim Thema Kirche: „Das Weihwasser in Tuntenhausen ist von Ökotest mit ,sehr gut' bewertet worden. Das hat Härtegrad fünf – wie mancher Bischof.“ Die Frotzeleien und die bissige Art kommen an, ebenso wie der Ortsvergleich mit der Heimat. „In Ried, da wohnt das Böse.“ Der Zusatz kommt nach einer Pause: „Wie Elbach, auch ein Schurkendorf!“ - und sorgt sofort für lautstarkes Gelächter im Zelt. Obwohl im Oberland die Dörfer so schwarz sind, „dass sie auch bei Mondfinsternis noch einen Schatten werfen“ richtet sich der Spott vor Publikum auch gegen die Regierung. „Tauschts es aus, de Koalition is a Irrenhaus“ singt und reimt die Blosn und will beim Thema Landesbank und Milliardenloch nicht von einem Loch sprechen, „weil ein Loch hat ja einen Rand“. Nicht weniger begeistert Gerhard Polt das Publikum, wenn er die Tücken von Steinkrügen erklärt, weil da nicht zu sehen ist, was drin ist. Im Glaskrug hätte er ja den Auswurf vorher abschöpfen können, der ihm Millimeter für Millimeter den Hals hinabgekrochen ist. Diese Ekel-Vorstellung scheint ein Höhepunkt des ganzen Abends zu sein, doch auch Polts historischer Exkurs reißt das Publikum zu Beifallsstürmen hin: „In Bayern warn's scho vor Christi Geburt katholisch“. Er erklärt auch, warum das Land früher von Wäldern bedeckt war: „Die haben viel trockenes Holz gebraucht, die wollten die Hexen ja verbrennen und nicht räuchern.“ Wenig, aber doch genug verstehen die Besucher, als Polt in einem lateinisch-italienisch-bayerisch-Mix Papst Benedikt imitiert – und sich am Ende an seine Brüder wendet: „Für die Reise in den Höllenschlund wünsch ich von Rom aus: toi toi toi.“ Vor der Zugabe packt die Biermösl Blosn ihre Alphörner aus, „die Mama aller Vuvuzelas“, die sie in ihrer Jugend „nicht geblasen, sondern geraucht“ haben. Zum Vergleich mit den afrikanischen Tröten passte, dass zu guter Letzt Polt afrikanisch klingende Gesänge zur Musik der Blosn von der Bühne schmettert. Da geht's nicht nur im Publikum rund, das zum Mitsingen aufgefordert ist. Auch das Trio an den Instrumenten tut sich jetzt – und nicht zum ersten Mal an dem Abend – schwer, sich das Lachen zu verkneifen.

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