Bürger sind nun gefordert

Neue Konzepte sollen her: Waakirchen sucht Wege für die Dorfmitte

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Auf der Wiese zwischen Sparkasse und Bäcker-Voitl-Anwesen wollte die Gemeinde ein staatlich gefördertes Wohnbau-Projekt realisieren. Ein Bürgerentscheid führte zum Planungsstopp.

Waakirchen – Am 7. Juli ist die Entscheidung gefallen: Planungsstopp für die Waakirchner Dorfmitte (wir haben berichtet). Jetzt geht’s darum, neue Konzepte auf den Tisch zu bringen. Ein Antrag von Michael Futschik auf eine ergebnisoffene Vorgehensweise hat in der jüngsten Gemeinderatssitzung Anlass zu einer ausgiebigen Diskussion geboten.

Futschik, Initiator des Bürger­entscheids, will keine Zeit verlieren. In seinem Schreiben erinnert er, dass im Antrag des Bürgerbegehrens eine Bürgerbeteiligung gemäß den Richtlinien der Dorf­erneuerung gefordert worden sei. Dies bedeute, dass die Bürger in Absprache mit der Gemeinde auf geeignete Weise aktiv an der Vorbereitung, Planung und Ausführung der Gestaltung der Ortsmitte zu beteiligen seien. Deshalb schlägt Futschik bereits im nächsten Gemeindeboten einen Aufruf an die Bürger vor. Sie sollen an der Entwicklung eines Gemeindeentwicklungskonzepts mitarbeiten. Außerdem wünscht er sich die Durchführung einer Auftaktveranstaltung mit Vertretern verschiedener Behörden, wobei es um das Thema Fördermittel geht. Bereits im November könnte klar sein, welche Förderschiene in Anspruch genommen werden soll. In Begleitung der Behörden-Vertreter sieht Futschik dann im Dezember die Auswahl eines geeigneten Büros für Städtebau und Ortsentwicklung sowie eine Grobgliederung des Planungsprozesses inklusive Bürgerbeteiligung und Aufstellung eines Zeitrahmens. „Wir würden uns freuen, wenn wir Sie bei der Umsetzung dieser Maßnahmen aktiv unterstützen dürfen“, schreibt Futschik, der als Zuhörer der Gemeinderatssitzung beiwohnte.

Bürgermeister Sepp Hartl verkündete, dass Ende September/Anfang Oktober eine Veranstaltung in Sachen Förderprogramm Dorfentwicklung stattfinden werde. Als Referent soll ein Experte des zuständigen Ministeriums zu Gast in Waakirchen sein. Bis dahin bedürfe es – auch in Anbetracht der Sommerpause – keiner Aktivitäten, ließ Hartl verlauten. Dass die Gemeinde eine Teilnahme am Dorfentwicklungsprogramm früh verworfen hatte, geschah deshalb, weil bei diesem Programm ein größerer Bereich als die Wiese zwischen Sparkasse und Bäckervoitl-Anwesen ins Auge gefasst würde. Bei bestimmten Sachen wären dann die Anwohner „in ihrem Eigentum eingeschränkt“, warnte Monika Marstaller. Der FWG-Rätin war es wichtig, dass alle Betroffenen persönlich zu den Treffen in puncto Dorfentwicklungskonzept eingeladen werden. Marstaller: „Damit sie wissen, was auf sie zukommt.“

Was das Ergebnis des Bürgerentscheids angeht, sprach Günther Jeske (FWG) von fünf Verlierern. Als erstes nannte er die Gemeinde, die nun einen fertigen Plan in der Schublade liegen habe. Bisher bewegen sich die Planungskosten bei gut 200.000 Euro, dazu kommen weitere rund 70.000 Euro für eine vom Münchner Kommunikationsunternehmen Hendricks & Schwartz geführte Info-Offensive. Die zweiten Verlierer sind laut Jeske junge einheimische Familien, die möglicherweise wegziehen müssen, weil sie keinen bezahlbaren Wohnraum in Waakirchen finden. Zum Dritten nannte er die Senioren, die zuhause nicht mehr zurechtkommen und in der Dorfmitte barrierefreie Wohnungen gefunden hätten. Vierter Verlierer sei die Jugend, „der wir einen Ort der Begegnung mit Eisdiele und Internetcafé anbieten wollten“, fuhr Jeske fort. Letztlich kam er auf den fünften Verlierer, nämlich das Ehrenamt als Gemeinderat, zu sprechen. Künftig werde es immer schwieriger werden, Kandidaten für dieses Amt zu finden, zeigte sich der FWG-Rat überzeugt.

Dass man die grüne Wiese bewahren wolle, könne er noch akzeptieren, nicht aber, dass nun eine Neuplanung folgen soll, meinte Jeske. Dies könne aber nicht Sache der Gemeinde sein. Gefordert seien jetzt Initiator Michael Futschik mit seiner Bürgerwerkstatt und alle Gemeindebürger, die dem Begehren zugestimmt haben, machte Jeske in einem entsprechenden Antrag deutlich. Demnach sollen bis zum Frühjahr 2020 Ideen entwickelt, Pläne eingereicht und auch Finanzierungsmöglichkeiten geprüft werden. Jeske: „Wenn alles gesammelt ist, sollten wir über das weitere Vorgehen beschließen.“

Rudi Reber (ABV) konnte Jeskes Antrag nicht zustimmen. Es dürfe der Ball nicht ein zweites Mal „in die falsche Richtung“ gespielt werden, warnte er. Schließlich sei der Bürgerentscheid rechtsverbindlich und verpflichte die Gemeinde zum Handeln. „Es muss ein Dialog stattfinden“, forderte Martin Weingärtner (ABV).

Norbert Kerkel (FWG) erläuterte, dass das Dorferneuerungsprogramm „auf Eigeninitiative“ baue und verkündete: „Da gibt es viel Arbeit für die Bürger.“

Letztlich einigte sich das Waakirchner Ratsgremium, zunächst zur Auftaktveranstaltung mit Experten einzuladen und die Engagement-Bereitschaft der Bürger zu erkunden. Anschließend soll dann das weitere Vorgehen und auch Jeskes Antrag beraten werden. rei

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