Ilse Aigner lud zum Gespräch

Neue Pläne für Lärmschutz entlang der A8 in Valley

Grafik: Lärmschutz an der A8 bei Valley
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Die Grafik zeigt, wie der geplante Lärmschutz an der Autobahn A8 für Valley aussehen soll.
  • VonKatja Schlenker
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Valley – Dass die Gemeinde Valley Lärmschutz an der A8 erhalten soll, ist sicher. Nur wie dieser aussehen kann, muss noch geklärt werden. Es gibt Probleme beim Wasserschutz.

Seit 2009 hat die Gemeinde Valley Anspruch auf nachträglichen Lärmschutz an der A8. Grund dafür ist, dass beim sechsspurigen Ausbau der Autobahn falsch eingeschätzt wurde, wie sich das Verkehrs­aufkommen entwickeln wird. 2016 begann das Planfeststellungsverfahren – doch Lärmschutz gibt es bis heute nicht.

Um den aktuellen Stand zu ermitteln und nächste Schritte zu planen, hat Landtagspräsidentin und Stimmkreisabgeordnete Ilse Aigner nun eine Videokonferenz initiiert. Alle relevanten Beteiligten waren eingeladen, darunter auch der Miesbacher Landrat Olaf von Löwis und der Valleyer Bürgermeister Bernhard Schäfer.

Ebenfalls dabei war Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber. „Wir haben es mit drei sehr wichtigen Anliegen zu tun: dem Trinkwasserschutz, der Autobahn und dem Lärmschutz“, erklärte er. „Allen drei Bereichen müssen wir gleichermaßen gerecht werden.“ Er appellierte an die Beteiligten, gemeinsam an einer Lösung in Form von Lärmschutzwällen und -wänden zu arbeiten, und sprach sich für aktiven Lärmschutz mit einem Wall aus und gegen passiven in Form von Lärmschutzfenstern.

Problem: Lärmschutz an A8 geht durch Trinkwasserschutzgebiet

Diskussionsgrundlage bei der Videokonferenz war eine Stellungnahme des Wasserwirtschafts­amtes Rosenheim. Ein großes Problem bei dem Projekt ist, dass der geplante Lärmschutz im Trinkwasserschutzgebiet verläuft. Dieses befindet sich zum Teil in der Wasserschutzzone 3 nördlich der Autobahn. Der Lärmschutz, der südlich der A8 auf Höhe von Mitterdarching verlaufen soll, liegt zum Großteil in der strengeren Wasserschutzzone 2.

Die Auflagen beim Bau in Schutzzone 3 würden von den Beteiligten als realisierbar eingestuft, erläutert Ilse Aigner. Die zusätzlichen Maßnahmen in der Schutzzone 2 seien jedoch deutlich strenger. „Das Wasserwirtschaftsamt kommt zu dem Ergebnis, dass es dort nicht vertretbar sei, dass die Mühlthaler Hangquellen während der Bauzeit zur Trinkwasserversorgung genutzt werden und damit außer Betrieb genommen werden müssten“, heißt es in einer Mitteilung.

Mühlthaler Hangquellen außer Betrieb nehmen

Falls die Mühlthaler Hangquellen während der Bauzeit außer Betrieb genommen werden müssten, könne das laut den Stadtwerken München zu einem Defizit von bis zu 37 Millionen Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr führen, das anderweitig kompensiert werden müsse. Die Mühlthaler Hangquellen machen einen Anteil von etwa 25 Prozent an der Gesamtversorgung der Landeshauptstadt München aus und seien unverzichtbar, wie Rainer List, Leiter der Wassergewinnung bei den Stadtwerken, ausführte. Betroffen wären rund 1,5 Millionen Einwohner in München.

Der Fehlbedarf müsse aus anderen Wassergewinnungsanlagen, beispielsweise in der Münchner Schotterebene und im Loisachtal, gedeckt werden, erklärt Paul Geisenhofer, Leiter des Wasserwirtschaftsamt Rosenheim. Sollte es nicht möglich sein, die Hangquellen zeitweise stillzulegen und Trinkwasser aus anderen Einzugsgebieten bereitzustellen, wäre eine temporäre Trinkwasseraufbereitung vorzuhalten, heißt es in der Stellungnahme. Wie hoch die Kosten dafür wären, soll nun eine Machbarkeitsstudie klären.

Lärmschutz an A8: Baumaßnahme aufteilen

Um zeitnah zumindest einen Teil der Anwohner vor dem Lärm der Autobahn zu schützen, wäre eine Möglichkeit, die Baumaßnahme aufzuteilen – auf den Teil in Zone 3 für Unterdarching und Valley sowie den in Zone 2 für Mitter- und Oberdarching. „In Zone 3, in der laut Stellungnahme des Wasserwirtschaftsamts weniger Auflagen nötig sind, könnte mit dem Bau eher begonnen werden“, erklärt Ilse Aigner, die das Gespräch initiiert hat. „Die Erfahrungen, die man dort sammelt, wären später bei den Bauarbeiten in der Schutzzone 2 förderlich.“

Auch Bürgermeister Bernhard Schäfer befürwortet diese Idee, warnt aber davor, von der Schutzzone 2 betroffenen Bürgern, damit das Gefühl zu vermitteln, bei der Lärmschutzmaßnahme quasi hinten runter zu fallen. Das dürfe nicht sein, unterstreicht Ilse Aigner. Auch den Bedürfnissen der Mitterdarchinger müsse Rechnung getragen werden. Im Herbst soll es erneut ein Treffen geben, um sich über Fortschritte auszutauschen.

Valleys Bürgermeister zieht positives Resümee

Bernhard Schäfer zieht ein positives Resümee. „Nach der Videokonferenz bin ich optimistisch, dass sich jetzt wirklich etwas bewegt, denn Staatsminister Glauber und auch Landtagspräsidentin Aigner voran ließen keinen Zweifel daran, dass für sie nur aktiver Lärmschutz infrage kommt“, sagt er.

Der Bürgermeister habe zudem im Gespräch deutlich gemacht, dass es für die Gemeinde Valley keine andere Option gebe als aktive Lärmschutzmaßnahmen. „Nachdem der rechtliche Anspruch auf Lärmschutzmaßnahmen seit 2009 besteht, ist es den betroffenen Anwohnern nicht mehr zu vermitteln, sollte sich das Verfahren weiterhin nicht nachvollziehbar in die Länge ziehen“, erklärt er. ksl

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