Marstaller baut aus

Mehr Fläche, mehr Jobs: Werkstätten für Lederwaren in Warngau erweitern

Entwurf für Marstaller-Werkstätten in Warngau
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Die Marstaller-Werkstätten wachsen. Dafür soll ein Neubau (l.) gemeinsam mit dem bestehenden stattlichen Anwesen ein harmonisches Ensemble bilden.
  • VonSelina Benda
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Warngau – Die Marstaller-Werkstätten in Osterwarngau sollen erweitert werden. Der Gemeinderat Warngau entschied nun über den geplanten Neubau.

Es ist ein geschichts­trächtiges Unternehmen mit Produkten aus Leder, die bereits seit 1893 in Handarbeit produziert und sogar an das bayerische Königshaus vertrieben wurden: die Marstaller-Werkstätten. Schon seit 1943 wohnt die Inhaberfamilie Läuger in Osterwarngau und produziert dort auch ihre Koffer, Taschen und Gehäuse in einem knapp 340 Jahre alten Bauernhof am Ortsrand. Dieser Standort soll nun mit einem Neubau erweitert werden.

Die dritte Generation wird in das Familienunternehmen eingeführt und dies zieht auch Veränderungen mit sich in Entwicklung, Produktion und Vertrieb. Die Mitarbeiteranzahl soll von derzeit 15 auf künftig 23 ansteigen. Mehr Platz ist da nötig. Das dazugehörige Bauvorhaben wurde kürzlich im Warngauer Gemeinderat vorgestellt. Der planende Architekt Johannes Wegmann erläuterte den Räten die umfangreichen Veränderungen an der Dorfstraße.

Tagescafé für Kunden und Mitarbeiter

Nicht nur die zwei Geschosse des langen, bestehenden Hofgebäudes sollen umgebaut werden: Ein 39 Meter langer und 17 Meter breiter Neubau in Nord-Süd-Ausrichtung soll das Ensemble abrunden. Dieser wird durch einen zweigeschossigen Bau mit dem Bestandsgebäude verbunden. In letzterem werden weiterhin auf zwei Ebenen die Produktionsflächen und Büros als solche genutzt, wenn auch etwas umgebaut. Im Erdgeschoss des Erweiterungsbaus befinden sich dann neben dem zentralen Eingang für Kunden und Personal weitere Produktionsflächen, wo auch neue Maschinen ihren Platz finden sollen.

Im Obergeschoss siedeln sich die Höhepunkte der Planung an: Dort wird nicht nur ein eigenes Tagescafé für Kunden und Mitarbeiter, sondern auch ein großes Ladengeschäft mit offenem Blick in das beeindruckende Lederlager – welches sich im Verbindungsbau befindet – Platz finden. Alles mit einem unverbauten und weiten Blick durch die großen Glasfronten in Richtung Oberwarngau. Auch eine kleine Goldschmiede ist geplant, die laut Wegmann die Vor-Ort-Produktion und das Einkaufserlebnis abrunden soll.

Ökostrom bei Marstaller geplant

Der Innenhof des Ensembles wird neu gepflastert und begrünt sowie gestalterisch mit einem Brunnen abgerundet. Dort sind 22 oberirdische Parkplätze und die Anlieferungszufahrt für große Lkw angedacht. 21 weitere Pkw-Stellflächen verschwinden in einer geplanten Tiefgarage, denn der gesamte Neubau wird laut dem Architekten voll unterkellert. Die Zufahrt erfolgt westlich des Neubaus. Dieser wird zwar modern, aber mit einer luftigen Holzverschalung auch passend zum stattlichen alten Bauernhof gestaltet. „Wir wollen die Typologie des Ortes erhalten und mit zeitgemäßem Gewerbe verbinden“, erklärte Wegmann.

Der größte Baukörper stehe schon da. Der Neubau ist mit einer Firsthöhe von 10,50 Metern zwar gleich hoch, soll durch seine Gestaltung jedoch deutlich untergeordnet wirken. Auch auf Ökostrom will man bei Marstaller nicht verzichten und so werden die großen Südwestflächen des Neubaus mit einer Photovoltaikanlage versehen und eine Hackschnitzelheizung wird gemeinsam mit dem Nachbarn nördlich hinter dem Neubau betrieben.

Generell war der Tenor der Gemeinderäte zur umfangreichen Bauplanung positiv. Unter anderem Michael Spannring (Grüne) störte sich jedoch am geplanten Flachdach des Verbindungsbaus. Dies sei jedoch der notwendigen Zäsur geschuldet, wie der Architekt erklärte. In Absprache mit Kreisbaumeister Christian Boiger sei ein baulich abgesetztes Gelenk zwischen den beiden massiven Bauten wichtig. „Das kann nur durch ein Flachdach erreicht werden“, erklärte Wegmann.

Kritik an Plänen für Café

Dass das Tagescafé lediglich für Kundschaft der Marstaller-Werkstätten gedacht ist, fand unter anderem Engelfried Beilhack (CSU) schade. Das Hauptaugenmerk liege derzeit auf den übrigen Neuerungen, aber die nötigen Flächen für einen öffentlichen Betrieb wären laut Wegmann gegeben: „Wir möchten nur jetzt nichts versprechen, was wir nicht halten können.“

Bauamtsleiterin Cindy Scharein erläuterte den Aufstellungsbeschluss: Es handele sich zwar teilweise um Außenbereichsflächen, für diese würde jedoch mit einer geringfügigen Einbeziehungssatzung Baurecht geschaffen. Dies sei auch deshalb möglich, da es sich dabei um eine klare Ortsabrundung handele, welche den Innenbereich um angrenzende Flächen erweitere. Einstimmig sprach sich das Gremium am Ende für den Beschluss aus, der nun in das öffentliches Verfahren geht. sb

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