Neue Projekte im Senegal

Holzkirchner Verein: Hilfe zur Selbsthilfe für die Straßenkinder in Mbour

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Schatzmeisterin Gerda Mayer und Christine Weber verkauften mit Ali Senes Ehefrau Maye Sene (v.l.) und Tochter Fama selbst hergestellte Produkte auf dem Warngauer Adventsmarkt.

Holzkirchen – „Schulbildung und einmal am Tag eine Mahlzeit, das ist für diese Kinder das größte Glück“, sagt Christine Weber aus Warngau. Sie ist Gründungsmitglied des Vereins „Hilfe für die Straßenkinder in Mbour (Senegal)“, den ihr Arbeitskollege Ali Sene 2009 ins Leben gerufen hat. Sene, der seit 20 Jahren in Holzkirchen lebt und arbeitet, kümmert sich mit seinen Mitstreitern um Bildung, Essen und Zukunftsperspektiven für Kinder in seiner Heimatstadt Mbour, die 80 Kilometer südlich der senegalesischen Hauptstadt Dakar liegt.

Der Verein baute mittels Spenden, Mitgliedsbeiträgen und Eigenleistung eine Schule, in der inzwischen 245 Kinder unterrichtet werden. Die örtliche Gemeinde steuerte das Grundstück bei und bezahlt die Lehrer. Als nächstes Großprojekt steht eine Ausbildungswerkstatt für Jugendliche in den Startlöchern. Rund 70.000 Euro sind für den Bau veranschlagt, der Verein hofft auf Zuschüsse aus dem Topf der Entwicklungshilfe des Bundes. In vier getrennten Ausbildungsräumen werden Jugendliche in den Bereichen Metallbau, Holzverarbeitung, Elektroinstallation und Nähgewerbe geschult. „Sobald der Strom vor Ort verfügbar ist, soll außerdem ein Computer für das Ausbildungszentrum zur Verfügung gestellt werden“, berichtet Gerda Mayer, Schatzmeisterin des Vereins und langjährige Arbeitskollegin von Ali Sene. Fast 80 Prozent der Menschen im Senegal leben von der Agrarwirtschaft, hauptsächlich Fischerei, Baumwolle und Erdnussanbau. Gerade in den Städten ist die Arbeitslosigkeit sehr hoch, nahezu jeder Zweite ist ohne Job. „Wer eine Ausbildung hat, kann sich eine Existenz aufbauen. Wir wollen, dass die Leute in ihrem Land bleiben können“, erläutert Ali Sene. Der Vereinsgründer setzt sich für vielfältige Hilfen ein: Bereits jetzt bieten zwei Schneider an der Schule ehrenamtlich drei Mal pro Woche Nähunterricht für Jugendliche an, über Patenschaften erhalten die Schulkinder Zugang zu regelmäßigen Mahlzeiten und frischem Obst. Spontan gelangte der Verein kürzlich zu einem Grundstück neben der Schule, auf dem ein Garten angelegt wurde. „Wir haben Saatgut und Gießkannen besorgt und einen Gärtner gefunden, der einem Teil der Mütter unserer Schulkinder den Anbau von Gemüse näher bringt. Sobald das Programm erste Erträge abwirft, werden die Frauen das Gemüse zum Eigenbedarf verwenden und auch für die Verpflegung in der Schule einsetzen“, berichtet Gerda Mayer.

Als weiteres Projekt hat der Verein ein Kleinkreditprogramm für die Frauen der Gegend initiiert. Durch Spenden konnte ein Budget von 500 Euro zur Verfügung gestellt werden. Senes Ehefrau Maye stellte den Frauen in Mbour das Projekt vor. Um einen Kredit (maximal 50 Euro) zu erhalten, mussten die ausgewählten Frauen einen Mitgliedsausweis für rund 1,50 Euro erwerben. „So sichern wir das Ansehen des Projekts vor Ort und eine ernsthafte Herangehensweise der Frauen an das Programm“, erläutert Sene. Die Anzahl der Teilnehmerinnen am Programm soll sukzessive erhöht werden. Der Fortschritt der Aktion wird von einer Bekannten des Ehepaars Sene überwacht.

„Das Programm wurde bisher gut angenommen, da es im Senegal für Frauen wenig Jobs gibt und eigene Kleingewerbe eine gute Chance bieten, seine Familie zu ernähren“, sagt Sene.

Das Startkapital ermöglicht den Frauen etwa den Kauf von Stoff für Näharbeiten oder bietet die Chance, durch die Weiterverarbeitung von Erdnüssen ein Kleingewerbe aufzubauen. Da die Frauen in ihrer Kindheit nie eine Schule besuchen konnten, gibt der Sohn der Putzfrau ehrenamtlich Nachhilfe im Rechnen und Schreiben – eine Grundlage, um im Geschäftsleben erfolgreich sein zu können.

„Das Motto unseres Vereins lautet: Hilfe zur Selbsthilfe. Es ist unsere Motivation, die Kinder und ihre Familien aus ihrer Armut heraus in ein besseres Leben zu führen“, erklärt Christine Weber.

Viele Infos sowie Anträge zur Mitgliedschaft im Verein und zur Übernahme einer Patenschaft gibt's hier

ole

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