Novelle in Bayern

Missfallen über neues Baurecht: Geringere Abstände unerwünscht im Tegernseer Tal

Gleitschirmfliegen am Tegernsee
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Die Gemeinden rund um den Tegernsee haben sich jüngst mit Änderungen im Baurecht beschäftigt.

Tegernsee – Um eine Novelle des Baurechts umzusetzen, haben die Kommunen am Tegernsee eine eigene Satzung erlassen. Diese regelt Abstandsflächen zwischen Gebäuden.

Seit Februar gilt in Bayern ein neues Baurecht. Damit will die Staatsregierung vor allem den Wohnungsbau voranbringen. Einfacher, schneller, effizienter und günstiger soll es Investoren gemacht werden. Vor allem geringere Abstände zwischen Gebäuden sind dann möglich. Auch sind Bauanträge nach dreimonatiger Frist automatisch genehmigt, wenn die Behörden bis dahin nicht entschieden haben. In den Kommunen im Tegernseer Tal sind jüngst die Satzungen angepasst worden, da nicht alles aus dem neuen Baurecht erwünscht ist.

So zeigt sich die Gemeinde Gmund nicht gerade begeistert und will am alten Abstand festhalten. Mit dem neuen Baurecht wird die Abstandsflächentiefe von bisher einer Wandhöhe (1H) auf künftig 40 Prozent (0,4H) verringert. Außerdem fällt das sogenannte Schmalseitenprivileg weg, wonach an zwei Außenwänden mit weniger als 16 Metern Länge die Abstandsfläche halbiert werden durfte. Somit reichen in Zukunft grundsätzlich drei Meter Abstandsfläche zu allen vier Grenzen.

Dieses enge Zusammenrücken der Baukörper gefällt Gmund jedoch nicht. Die Kommune nutzt deshalb die Möglichkeit, eine Satzung über abweichende Maße der Abstandsflächentiefe zu erlassen. In seiner jüngsten Sitzung fasste der Gemeinderat einstimmig den entsprechenden Beschluss. Die Satzung tritt zum 1. Februar in Kraft.

Kreuth stimmt für luftige Bebauung

Ebenso hat die Gemeinde Kreuth jüngst ihre Satzung über die Gestaltung baulicher Anlagen und Einfriedungen sowie über Abstandsflächen und Kfz-Stellplätze – so der offizielle Name für die Gestaltungssatzung – angepasst. Der Gemeinderat entschied sich einstimmig dafür, die eher luftige Bebauung beizubehalten.

Den Vorschlag für eine Art Doppelstockgarage mit Hebebühnentechnik, in der ein Auto in der Garage verschwindet, die in den Boden abgesenkt werden kann, und eines quasi auf deren Dach steht, das dann zum Stellplatz wird, lehnten die Gemeinderäte hingegen ab.

Abstand = Wohnqualität für Tegernsee

Die Stadt Tegernsee hat ihre reguläre Sitzung sogar eine Woche vorverlegt, um noch rechtzeitig zum 1. Februar die Satzung zu ändern. Dabei wurde festgelegt, dass der Abstand zum Nachbargrundstück außerhalb von Gewerbegebieten die einfache Wandhöhe, mindestens aber drei Meter betragen soll.

In einer Begründung zur Satzung erklärt die Stadt, dass luftige Bebauung in Tegernsee üblich sei und für Wohnqualität stehe. Geringere Abstände könnten dazu führen, dass Bauwerber die Mindestmaße ausreizen, vor allem beim Neubau von Wohnanlagen, die alte Einfamilienhäuser immer mehr abzulösen drohen im Ort. In Einzelfällen könne individuell entschieden werden, heißt es.

Rottach-Egern hat bereits strenge Abstandsregeln

Lediglich in Rottach-Egern gibt es aktuell keinen Handlungsbedarf, erklärt Bürgermeister Christian Köck, denn dort ist in der entsprechenden Satzung bereits alles relativ streng geregelt und deckt somit die neuen Punkte beim Baurecht mit ab. rei/ksl

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